Aufsatz 
Drei Schulreden. 1) Rede zur Feier des 50. Gedenktages der Schlacht bei Leipzig, gehalten am 17. Okt. 1863. 2) Rede, gehalten am 31. Okt. 1867 bei der 50jährigen Jubilarfeier der Gründung des Gymnasiums und dem Amtsjubiläum des Schreib- und Zeichenlehrers Storck. 3) Rede, gehalten am 22. März 1870 bei der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs / Heinrich Rieß
Entstehung
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gezogen; nur wenige, ſehr wenige bildeten eine rühmliche Ausnahme, unter ihnen vor allen Friedrich Wilhelm der große Kurfürſt von Brandenburg. Als Ludwig wegen vereitelter Hoffnungen an Holland Rache üben und das freie Gemeinweſen der Holländer, das dem mit ungebundener Willkür herr⸗ ſchenden König als Nachbarſtaat ein Dorn im Auge war, unterdrücken wollte; da ſuchte er vergebens durch die reichſten Verſprechungen den Kurfürſten zu gewinnen. Aber dieſer blieb gegen alle Aner⸗ bietungen taub: er erkannte die Gefahr, welche von der um ſich greifenden Uebermacht Frankreichs dem zerriſſenen Deutſchland drohte, und trat treu und feſt in der ſchweren Zeit auf die Seite des Angegriffenen, zog ſelbſt allein mit ſeinen Truppen an den Rhein, der einzige deutſche Fürſt, der die Gefahr erkannte und für Deutſchland gegen ſie einſtand. Als ſpäter ſein Vorgang andere nachge⸗ zogen und die rückſichtsloſe Verletzung des deutſchen Reichsgebietes allen die Augen geöffnet hatte, da erſchien er abermals an der Spitze ſeiner Truppen im Felde, der thätigſte und entſchloſſenſte von allen. Wenn der Erfolg hinter ſeinen Erwartungen zurückblieb, ſo lag der Grund davon allein in dem ſäumigen, lauen und zweideutigen Verhalten ſeiner deutſchen Verbündeten. Wie dort am Rhein für die allgemeine Wohlfahrt des Reichs, ſo trat er bald darauf zugleich zum Schutz des eigenen Landes auf. Mit welcher Schnelligkeit und Kühnheit überfiel er die Schweden, die in die Mark eingedrungen waren; mit welchem Feldherrngeſchick und welcher perſönlichen Tapferkeit ſchlug er den kriegsgeübten durch die doppelte Zahl weit überlegenen Feind, der nach einem Kampf von wenigen Stunden nicht allein das Schlachtfeld und den brandenburgiſchen Boden räumen mußte, ſondern auch ſich bald nachher in ſeinen eigenen Beſitzungen, die er in Deutſchland hatte, in Pommern, angegriffen und daraus verdrängt ſah. Ruhmgekrönt, aber auch diesmal unbelohnt für ſolchen Sieg, unentſchä⸗ digt für ſeine großen Aufopferungen an Geld und Menſchen ging der große Mann aus dem Kampfe: Eiferſucht und Mißgunſt auf der einen, Verſchlagenheit auf der andern Seite wußte ihn der gewon⸗ nenen Vortheile zu berauben und lieferte das von ihm wiedergewonnene deutſche Pommern in fremde Hände zurück. Wer will es ihm verdenken, daß er, als er die Friedensurkunde mit ſolcher Bedin⸗ gung unterzeichnen mußte, voll Unwillens ausrief: exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor! Und doch, wer kann ſagen, daß ſein Kampf ohne Frucht für Preußen, ohne Frucht für Deutſchland ge⸗ blieben ſei? In ihm ſelbſt und in ſeinem Volke erwuchs durch dieſe Vorgänge das Bewußtſein des eigenen Werthes und der eigenen Thatkraft, und das von ihm gegebene Beiſpiel wirkte und mußte wirken, wenn auch nicht auf alle, doch auf viele ſeiner Mitfürſten je nach ihrer Natur beſchämend oder ermuthigend und zur Nacheiferung antreibend.*

Daſſelbe Gefühl der eigenen Kraft und die gleiche Bewährung derſelben in einer glorreichen Regierung offenbart hundert Jahre nach ihm ſein großer Urenkel Friedrich. Denn zweimal innerhalb eines Jahrhunderts ein unerhörter Fall in der Geſchichte ſah dies Fürſtenhaus Regenten aus ſich hervorgehen, denen wahre und wohlbegründete Bewunderung, nicht höfiſche Schmeichelei den Beinamender Große gegeben hat. Die zwiſchen beiden liegende Zeit hat zwar nicht gleich große Erſcheinungen aufzuweiſen; aber auch in ihr wurde jene ſtraffe kriegeriſche Tüchtigkeit erhalten und genährt, durch die Preußen ſich ſtets ausgezeichnet hatte, und als Friedrich die Regierung antrat, fand er in ſeinem Heere die Mittel, deren ſein aufſtrebender, die eigene Größe fühlender Geiſt zur

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