III.
Rede gehalten am 29. März 1870 bei der Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Königs.
Die Feier, welche uns heute hier zu gemeinſamer Bezeigung unſerer Freude und Theilnahme zuſammengeführt hat, iſt nicht durch eine Begebenheit veranlaßt, die plötzlich und in überraſchender Weiſe in das Leben unſerer Schule eingetreten iſt; ſondern ſie will uns freudig und dankbar eines Ereigniſſes gedenken laſſen, das eine große Strecke, das 73 Jahre hinter dem heutigen Tage zurückliegt, und ſie wird als eine vorausgewußte und vorauserwartete nach Sitte und Vorſchrift mit der Wieder⸗ kehr deſſelben Tages nicht blos von uns an dieſer Stelle, ſondern von unzähligen aller Orten unſe⸗ res Vaterlandes feſtlich begangen. Daher entbehrt ſie wohl den Reiz und die ſtarke Erregung, die alles Neue und Unerwartete zu begleiten pflegt; ja es liegt bei ſolchen herkömmlichen Feierlich⸗ keiten oftmals die Gefahr nahe, daß ſie in einen äußerlichen Dienſt mit Worten und Geberden ver⸗ laufen, von welchen das Herz nichts weiß, und mit allen Mitteln künſtlicher Umkleidung doch die innere Kälte und Leere, an der ſie leiden, nicht ganz zu verdecken im Stande ſind. Aber dieſe Gefahr haben wir bei unſerer Feier in keiner Weiſe zu befürchten: denn was uns heute vor die Seele tritt, iſt ſo mächtig und bedeutend, ſo geeignet, das zwar ruhigere, aber nicht minder innige Gefühl der Verehrung zu erwecken, ſo ganz dazu angethan, uns mit frohen Hoffnungen der Zukunft entge⸗ genſehen zu laſſen, daß nur ein Sinn, der auf ſich allein gerichtet iſt und ſeine Gedanken ſelbſtſüch⸗ tig nicht über den engen Kreis der eigenen Perſon und der eigenen Intereſſen zu erheben vermag, kalt und theilnahmlos bleiben kann. Es tritt uns ja heute vor die Seele das Bild eines durch Jahre ehrwürdigen, durch Thaten ruhmvollen, durch väterliche Sorge für ſein Volk liebenswerthen Fürſten, das Bild unſeres Königs, der an dieſem Jahrestage einſt geboren ward; es tritt uns vor die Seele jene mächtige, durch ihn bewirkte Umwandlung aller öffentlichen Verhältniſſe, durch die für den größten Theil unſeres deutſchen Vaterlandes eine glänzende Wiedergeburt zu alter Macht und Größe herbei⸗ geführt worden iſt; es tritt uns vor die Seele, daß wir, ohne den ſchaumburgiſchen und heſſiſchen Namen und den ſich daran anknüpfenden, unſeren Herzen theueren Erinnerungen entſagen zu müſſen, uns zugleich an der Ehre des preußiſchen Namens mit erfreuen, daß wir als Theile eines wohlge⸗ fügten, ſtolzen und die reichſte Entwickelung verſprechenden Bundes an den Vortheilen, welche die Zugehörigkeit zu einem ſtarken und ſelbſtbewußten Volke und einem immer feſter und ſicherer ſich zuſammenſchießenden und zuſammenwachſenden Staatenvereines bringt, den vollſten Antheil haben, daß wir ſo der Ehre einer glorreichen Vergangenheit uns freuen, die Gaben einer glücklichen Gegenwart genießen und dem, was in dem dunkeln Schoße der Zukunft ruht, mit ruhiger Zuverſicht entgegen⸗ blicken können.


