Aufsatz 
Drei Schulreden. 1) Rede zur Feier des 50. Gedenktages der Schlacht bei Leipzig, gehalten am 17. Okt. 1863. 2) Rede, gehalten am 31. Okt. 1867 bei der 50jährigen Jubilarfeier der Gründung des Gymnasiums und dem Amtsjubiläum des Schreib- und Zeichenlehrers Storck. 3) Rede, gehalten am 22. März 1870 bei der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs / Heinrich Rieß
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

die der Erde nicht mehr angehören: des trefflichen Wiß, der die jugendlichen Geiſter mächtig anzu⸗ feuern wußte und die Schule unter ſeiner Leitung im höchſten Glanze, in weitverbreitetem, ehrenvollem Rufe blühen ſah, des geiſtvollen Jacobi, des Mannes attiſcher Eleganz und Anmuth, des gelehr⸗ ten Fuldner, des ernſt gemeſſenen Brauns, des vielſeitigen, die Herzen gewinnenden Kohl⸗ rauſch, des wohlwollenden Schiek und noch mancher anderen, denen wir den Dank, den ſie nicht geſucht, aber verdient haben, heute über das Grab nachrufen.

Doch wenden wir aus der Vergangenheit, der die genannten Männer angehört haben, unſere Gedanken in die Gegenwart zurück, die vor unſeren Augen liegt. Blicken wir auf den Mann, wel⸗ cher mit dem Gymnaſium heute ſein Jubelfeſt feiert, den Herrn Zeichenlehrer Storck, den faſt alle hier anweſenden als einen theueren Freund lieben, oder als ihren werthen Lehrer verehren, oder als lieben Collegen hochachten, oder als biederſinnigen Mitbürger in hohen Ehren halten. Wenn Sie, hochverehrter Herr Jubilar, heute um ſich ſchauen, ſo müſſen Sie erkennen, welch eine reiche Ernte der Liebe und Hochachtung Ihr Leben Ihnen eingebracht hat, und daß der Beruf des Lehrers, wie wenig er auch mit äußeren Vortheilen zu lohnen pflegt, doch, wenn er recht geübt wird, einen unſchätzbaren Lohn dankbarer Herzen gewährt. Alle freuen ſich der Anerkennung und Auszeichnung, die Ihnen heute von hoher und von höchſter Stelle zu Theil geworden, und der hohe Werth derſelben muß Ihnen durch dieſe allgemeine Mitfreude noch erhöht werden. Laſſen Sie mich als Vertreter dieſer Schule Ihnen noch danken für das, was Sie ihr ſo lange und ſo ganz geweſen ſind, daß Sie Blick, Hand und Schönheitsſinn Ihrer Schüler gebildet, Zucht und Ordnung mit Gerechtigkeit gehandhabt, Ihren Berufsgenoſſen wahre Collegialität bewieſen und durch Geradheit und Mannhaftigkeit nicht nur ſich ſelbſt Hochachtung erworben, ſondern auch dem Lehrerſtande, dem Sie angehören, zur Ehre gereicht haben. Möge der Allmächtige Ihrem Leben noch viele Jahre zuzählen und den Abend dieſes Lebens einen recht glücklichen ſein laſſen!

Bei dieſem Wunſche aber gedenken wir, daß an Gottes Segen alles gelegen iſt: möge darum dieſer Segen, ſo flehen wir, ſtets mit Ihnen ſein, möge er aber auch über dieſer Schule walten, mit der Sie und Ihr Leben ſo feſt und innig verbunden ſind. Bis hierher, allgütiger Vater im Himmel, haſt Du dieſes Gymnaſium erhalten und behütet; ſei auch ferner mit ihm; ſei mit allen, die Du darüber geſetzt, mit allen, die Du in daſſelbe hineingeſtellt haſt. Beſchirme unſeren erhabenen König, unter deſſen Regierung es blühen ſoll; ſei mit den hohen Behörden, deren Weisheit es zu leiten ob⸗ liegt; laß dieſe Stadt gedeihen, in deren Mitte es geſtellt iſt; laß alle, welche hier lehren ſollen, nur guten Samen ſtreuen, und richte in den Herzen der Schüler einen fruchtbaren Boden dafür zu, damit Licht und Erkenntniß von hier ausgehe, Frömmigkeit und ehrbare Sitte hier walte und dies Haus eine Pflanzſtätte ſei, Bürger zu bilden, nicht blos für dieſe Stadt und unſer irdiſches Vater⸗ land, ſondern auch für die ewige Heimath Deines Reiches.

ᷓ‧ò