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geſpült hatten, mußte eben darum ſchon durch ihren Urſprung ſich aufgefordert fühlen, die Liebe zu Fürſt und Vaterland zu hegen. Und zur Treue und Ergebenheit gegen das heſſiſche Fürſtenhaus hat ſie die Jugend geleitet, ſo lange der Gott, der über den Geſchicken der Völker und Fürſten waltet, dieſem Fürſtenhauſe das Scepter der Herrſchaft gelaſſen hat. Aber es ſollte ihm nicht bleiben. Wie vor dem Anfang der 50 Jahre, über die wir heute zurückſchauen, durch blutige Kriegsereigniſſe die Rückkehr der kurfürſtlichen Regierung ſtand, ſo kurz vor dem Schluſſe dieſer 50 Jahre der Sturz derſelben und jene Reihe gewaltiger, noch in friſchem Andenken ſtehender Begebenheiten, durch die wir Glieder eines großen, ruhmvollen deutſchen Bruderſtaates und Unterthanen eines edlen Königs geworden ſind, der auch uns, dem neuen Zuwachs ſeines Reichs, ſo vertrauen wir, ein milder, vä⸗ terlicher Herr ſein wird. Die alte Heſſentreue aber, die zu allen Zeiten in Ehren ſtand, werden wir auch ihm weihen, und dieſe Schule wird ſo die Liebe zu Fürſt und Vaterland, die bei ihrer Gründung alle Herzen erfüllte, zu wahren und zu nähren niemals aufhören.
So gaben die Umſtände, unter welchen dies Gymnaſium geboren wurde, ihm ſchon in der Wiege drei Kleinodien als ſtets zu bewahrende Gaben mit: die Richtung auf gründliche Bildung des Geiſtes, auf Frömmigkeit des Gemüthes und auf Liebe zum Vaterland, nicht ſie zu verſchließen und geheim zu halten, ſondern ihren Glanz in tauſend jungen Seelen wiederleuchten und an ihrem Feuer tauſend Herzen ſich entzünden zu laſſen. Hat unſere Schule das gethan? Hat ſie mit dem ihr ge⸗ gebenen Pfunde redlich gewuchert? Kann ſie, zur Rechenſchaft gefordert, getroſt Rede ſtehen, oder muß ſie bebend das Urtheil über die 50 Jahre, die nun hinter ihr liegen, erwarten?
Ich bin nicht ſo vermeſſen, eine zuverſichtliche Antwort auf dieſe Fragen zu geben. Wie jeder, ſelbſt der Beſte, wenn er auf ein durchlebtes Jahr zurückblickt, nicht alles in heiterem Lichte ſieht, ſondern mancher Unterlaſſung, mancher Verfehlung zu gedenken hat, ſo muß auch das lange Werk der 50 Jahre, an dem viele mitgewirkt haben, die Spuren und Zeichen menſchlicher Schwäche und Unvollkommenheit an ſich tragen und an vielen Stellen hinter dem zurückbleiben, was erreicht werden konnte, erreicht werden ſollte.
Wie viel des Erreichten, wie viel des Verfehlten iſt, welcher menſchliche Mund will das ſagen? Das aber darf ich anführen: unter der Zahl von 1410 Schülern, welche das Gymnaſium gebildet hat, insbeſondere unter den 302 Jünglingen, welche als reif für die akademiſchen Studien von hier entlaſſen wurden, finden ſich viele, finden ſich ſehr viele, deren nachfolgendes Leben und Wirken ein Zeugniß abgelegt hat, auf das die Schule ſich zu ihren Gunſten berufen darf. Es finden ſich darunter nicht wenige, die eine hervorragende Stellung erreicht haben, ſei es durch hohe Staatsämter, oder durch ausgezeichnete Thätigkeit im öffentlichen Leben, oder durch bedeutende wiſſenſchaftliche Leiſtun⸗ gen, oder als gefeierte Dichter und Künſtler; weit größer iſt die Menge derer, die in einem engeren Lebenskreiſe durch Brauchbarkeit und Gewiſſenhaftigkeit in ihrem Berufe, wenn auch minder glänzend, doch nicht minder verdienſtlich leben oder gelebt haben. Die Schule hat das Glück gehabt, unter ihren Lehrern Männer zu beſitzen, die, ausgezeichnet durch Eifer, Geſchick und Gaben ihres Berufes, gewartet haben, Männer, deren Bild ſich manchem der ehemaligen Zöglinge dieſes Gymnaſiums, als er hier wieder eintrat, vor der Seele erneuert haben mag. Laſſen Sie mich nur einiger gedenken,


