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hang zu bezeugen, in dem ihr Ziel mit dem evangeliſchen Leben ſtehen ſollte. Hatte man doch, von gleicher Rückſicht geleitet, in Wittenberg, in Helmſtedt und an anderen Orten den Anfang neu er⸗ richteter Lehranſtalten auf denſelben Tag angeſetzt, und wenn gleichwohl die Einweihungsfeier hier bei uns erſt am folgenden Tage, am 1. November, zur Ausführung kam, ſo waren es nur äußere Umſtände, welche noch im letzten Augenblicke ein Abgehen von der erſten ſo angemeſſenen Be⸗ ſtimmung und eine Verlegung auf den 1. November veranlaßten..
Am Morgen dieſes Tages nun begaben ſich zufolge einer zuvor ausgegebenen Einladungs⸗ ſchrift alle, welche dem Gymnaſium angehören ſollten, voran die bereits aufgenommenen Schüler, hinter ihnen die neuen Lehrer, und zuletzt die Mitglieder des Schulrathes in feierlichem Zuge unter dem Geläute der Glocken aus der Wohnung, welche der Vorſtand des Schulrathes inne hatte, in das Gymnaſium. Hier hielt der Vertreter des Schulrathes, Regierungsrath Schrader die Ein⸗ weihungsrede„über den Geiſt, in welchem höhere Bildungsanſtalten vermöge ihres Endzweckes zu „leiten ſind“, vollzog ſodann die Einführung der Lehrer und kündigte die Eröffnung der Anſtalt feierlich an, worauf der neue Director derſelben, Dr. Gottlieb Wiß durch den Vortrag einer latei⸗ niſchen Rede über den Zuſammenhang zwiſchen dem Wiederaufleben der Wiſſenſchaften und der Re⸗ formation ſein Amt antrat, das er 22 Jahre hindurch zum Segen der ihm anvertrauten Jugend geführt hat.
Ddieſes Tages Gedächtniß erneuern wir heute. Wir haben die Freude, einige derjenigen, welche damals als Schüler, als die Erſtlinge des Gymnaſiums, wie ſie der Schulbericht des näch⸗ ſten Jahres nannte, hier mit einzogen, heute als gereifte Männer oder als ergrauende Häupter in unſerer Mitte zu ſehen, und mit doppelter Freude begrüßen wir die zwei Veteranen, Dr. Garthe aus Köln und Schreib⸗ und Zeichenlehrer Storck, welche als Lehrer jener Inauguration beiwohnten und an jenem Tage ihr Wiſſen und Können mit freudigem Eifer und jugendlicher Begeiſterung dieſer Schule zu widmen gelobten: ſie haben ſich einen vollen Antheil an dem Verdienſte des Gedeihens derſelben erworben und haben bei der heutigen Feier den nächſten und gerechteſten Anſpruch auf un⸗ ſere, des jüngeren Geſchlechtes, verehrungsvolle Hochachtung.
Wenn jemals irgend einer Anſtalt in dem Ort, an welchen ſie geſtellt war, und in dem Zeitpunkt, an welchem ſie in das Leben trat, und in dem Anlaß, dem ſie ihre Entſtehung verdankt, eine nicht zu verkennende Hinweiſung auf ihre Aufgabe und den zu deren Löſung führenden Weg mitgegeben worden iſt: ſo iſt es bei dieſer unſerer Schule der Fall geweſen. Wäre auch nicht in dem Namen Gymnaſium das Weſen und das Ziel, dem ſie nachſtreben ſollte, ausgeſprochen geweſen; wäre ihr auch nicht von ihrer vorgeſetzten Behörde ein Schulplan als Richtſchnur mitgegeben worden: Zeit und Ort und Anlaß ihrer Entſtehung mußten auch ein blödes Auge den Weg, der zu verfolgen war, deutlich erkennen laſſen. Wie man vor Zeiten glaubte, daß die Stunde der Geburt und der Stand der Geſtirne, der dieſe Stunde bezeichnete, die geiſtigen Eigenſchaften und die Geſchicke des Neu⸗ geborenen beherrſche und beſtimme, ſo war hier, wenn auch nicht Schickſal und Verlauf, doch Ziel und Aufgabe der neugeborenen Anſtalt durch Ort, Zeit und Anlaß ihrer Entſtehung vorangedeutet und gebieteriſch vorgezeichnet.


