Aufsatz 
Drei Schulreden. 1) Rede zur Feier des 50. Gedenktages der Schlacht bei Leipzig, gehalten am 17. Okt. 1863. 2) Rede, gehalten am 31. Okt. 1867 bei der 50jährigen Jubilarfeier der Gründung des Gymnasiums und dem Amtsjubiläum des Schreib- und Zeichenlehrers Storck. 3) Rede, gehalten am 22. März 1870 bei der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs / Heinrich Rieß
Entstehung
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land abnahm, während doch die Menge der Studierenden in ſtetigem Wachſen begriffen war, die Zahl der für die Univerſitätsſtudien vorbereitenden Anſtalten, der Gymnaſien, ſtieg, eine Zunahme, die wir noch heutiges Tages, und zwar in erhöhtem Maße, fortwähren ſehen: überall zeigte ſich das Ver⸗ langen nach der durch die Gymnaſien vermittelten Bildung und das Bedürfniß, dieſe Art der Bil⸗ dung allgemeiner und leichter zugänglich zu machen. Nicht die durch Staatsgeſetze aufgeſtellte For⸗ derung gymnaſialer Bildung als einer Bedingung zur Erwerbung gewiſſer Rechte und Anſprüche, nicht die Nothwendigkeit derſelben zum Eintritt in gewiſſe Würden und Bernjfsarten, nicht dieſe Beweggründe, die aus der Zuträglichkeit für äußere Zwecke und Vortheile entſprangen, waren es, was dieſes Verlangen weckte und wach erhielt, ſondern die Wahrnehmung der Wirkung, die von dieſen Schulen für das geiſtige Leben ausging, die auch an ſolchen, welche nicht ihren Weg durch die Univerſität nehmen wollten, ſich ſtark und fruchtbar erwies. Dieſem Verlangen konnte durch die in unſerer Stadt ehemals beſtehenden beiden Rectorſchulen nur in unvollkommener Weiſe genügt werden. Der Gedanke, an Stelle der aufgehobenen Univerſität hier ein Gymnaſium zu errichten, lag daher ſo nahe, daß man ſeine Erwägung nicht umgehen konnte, und die Prüfung aller Rückſichten, welche da⸗ bei in Frage kommen mußten, führte zuerſt die Landesregierung, dann auch die Stände zur Billigung dieſes Gedankens. Nun wurde mit lebhaftem Eifer die Ausführung in Angriff genommen: ein Theil der alten Univerſitätsräume wurde der neu zu gründenden Anſtalt zugewieſen, Geldmittel für die noth⸗ wendigen Einrichtungen und Beſoldungen aus der Staatskaſſe verwilligt, ein Schulrath als Ober⸗ behörde für die Leitung des Gymnaſiums ernannt, ein Plan für die inneren Einrichtungen entworfen, die Berufung geeigneter Männer für die Lehrerſtellen betrieben und ſo alles beſchafft und geordnet, was zum Beginn und zum Beſtand der Anſtalt nothwendig war. Und hier muß ich des Mannes ehrend gedenken, der die eigentliche Seele dieſes mühſamen Gründungswerkes war: des Regierungs⸗ rathes, bald Regierungsdirectors Wiederhold. Er hatte den Plan der Schule mit ſo viel Einſicht ausgearbeitet, die nöthigen Verhandlungen mit ſo viel Geſchick geführt und die mancherlei einander entgegenlaufenden Intereſſen, ſo klug und ſchonend zu vermitteln gewußt, daß das Gelingen nicht fehlen konnte. Als der Grund gelegt und die Schule in Thätigkeit geſetzt war, legte er in Folge ſeiner Beförderung zu einem höheren Amte die obere Leitung und Pflege des Gymnaſiums, das vor allen ſein Werk war, in andere Hände, er bewahrte ihm aber auch noch in den ſpäteren Jahren, die ihn in den höchſten Rath ſeines Fürſten erhoben ſahen, ungeminderte Theilnahme und Fürſorge.

Es war die Abſicht geweſen, ſchon im Frühling d. J. 1817 die neue Schule ins Leben treten zu laſſen. Aber die paſſende Herſtellung der Schulräume und mehr noch die Vorſicht, mit der man bei der Wahl der Lehrer verfuhr, machte es nothwendig, den Anfangstermin weiter und weiter hinauszu⸗ ſchieben. Erſt als der Herbſt herangekommen war, hielt man alles für genügend vorbereitet. Die Schulordnung war feſtgeſtellt, die Lehrer waren eingetroffen, 54 Schüler waren zur Aufnahme ange⸗ meldet, und alles war des Winks zum Beginne gewärtig: da beſtimmte der Schulrath zur Ein⸗ weihung den 31. Oktober, den Tag, an welchem das ganze proteſtantiſche Deutſchland das 3. Säcu⸗ larfeſt der Reformation feierte, einen Tag, der mehr als jeder andere geeignet war, der Gründung der Schule eine höhere Weihe zu geben und gleich bei ihrer Eröffnung den unzerreißbaren Zuſammen⸗