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hatten. Als dann 3 Jahrhunderte ſpäter die Reformation auch in der Grafſchaft Schaumburg frühen Eingang gefunden und der neue Geiſt einer neuen Zeit, von der klöſterlichen Frömmigkeit abgewendet, in anderer Weiſe Gott zu dienen bemüht war, errichtete Graf Ernſt von Schaumburg eine Univer⸗ ſität, welcher er in dem Kloſtergebäude ihren Sitz und aus den Gütern dieſes Kloſters und anderer eingegangenen Klöſter der Nachbarſchaft ein für jene Zeit und ihre mäßigen Bedürfniſſe reiches, auch zu beträchtlichen Beneficien ausreichendes Einkommen zuwies. Faſt 200 Jahre beſtand die Univer⸗ ſität. Aber wie die klöſterlichen Einrichtungen einer geiſtigen Gewalt, der Macht der Reformation, weichen mußten, ſo erlag die Univerſität der Unbill und den Angriffen äußerer Macht. Denn als nach der verhängnißvollen Schlacht bei Jena Napoleon aus eroberten Gebieten ein Königreich Weſt⸗ falen, dem auch dieſe Gegend einverleibt wurde, geſchaffen und deutſchen Landen einen Fremdling, ſeinen Bruder, zum Könige geſetzt hatte, wurde bald ohne jeden Erſatz die Univerſität unſerer Stadt aufgehoben und die Güter und Einkünfte derſelben durch einen Machtſpruch ihrem Zwecke ent⸗ fremdet und in die Staatskaſſe eingezogen. Den Gewalthaber in ſeiner Rückſichtsloſigkeit gegen alles Beſtehende kümmerte es nicht, daß der fromme Gründer der Univerſität ſeine Stiftung in der darüber ausgefertigten Urkunde unter den Schutz des Allmächtigen geſtellt und demjenigen, welcher ſich an ihr und ihrem Beſitzthum vergreifen werde, die Strafe Gottes und, wie die Worte der Urkunde lauten,„Entziehung aller ſeiner Gnade, Hülf' und Troſt an Leib und Seel, im Leben und im Tod“ angedroht hatte. Die Univerſität hörte auf, und die Säle ſtanden ſtumm und öde, in denen einſt die Pſalmen der frommen Schweſtern, dann die Vorträge der akademiſchen Lehrer wiedergehallt hatten.
Als nun nach der ſiegreichen Völkerſchlacht bei Leipzig Deutſchland ſeine Feſſeln gebrochen hatte; als das junge Königreich Weſtfalen in die Beſtandtheile, aus denen es zuſammengeſetzt worden war, auseinanderfiel; als der Kurfürſt von Heſſen von ſeinen Landen wieder Beſitz genommen und alles ſoweit als möglich in den alten Zuſtand zurückgeführt war: da erhoben ſich zahlreiche Stimmen, welche an die Wiederherſtellung der eingegangenen Univerſität mahnten, und beſonders waren es die Stände der Grafſchaft Schaumburg heſſiſchen Antheils, die dringend und lebhaft darauf hinwieſen, daß die Billigkeit eine Sühne und einen Erſatz für das in der Abweſenheit des Kurfürſten verübte Unrecht erheiſche. Aber der vollen und uneingeſchränkten Rückkehr zum vorigen Stande traten Beweggründe verſchiedener Art entgegen, manche darunter vielleicht nicht ganz lauteren Quellen entſprungen, aber auch andere, denen man bei einer unbefangenen Würdigung die Billigung nicht verſagen konnte. Die Zeit der kleinen Univerſitäten, und ihnen mußte die Erneſtina zu Rinteln zugezählt werden, war vorüber; an Orten, wo ſie noch beſtanden, konnten ſie ſich den außerordentlich geſteigerten An⸗ forderungen gegenüber, welche die neue Entwickelung der Wiſſenſchaften, namentlich der Naturwiſſen⸗ ſchaften, nöthig machte, nicht mehr oder doch nur kümmerlich aufrecht erhalten. Manche gingen ganz ein, und man konnte ſich daher der Frage nicht entſchlagen, ob es bei dem mäßigen Umfange des Kurſtaates zweckmäßig ſei, aus den vorhandenen Mitteln zwei nothdürftig ausgeſtattete Univerſitäten neben einander zu unterhalten, ja ſogar, während anderwärts die kleinen Akademien ſich raſch ver⸗ minderten, eine bereits aufgehobene mit zweifelhaftem Erfolge wieder ins Leben zurückzurufen. Da⸗ neben ließ ſich nicht verkennen, daß in demſelben Maße, wie die Zahl der Uniwerthten in Deutſch⸗


