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geſteigerter Gewalt auf die eine Stelle wirken ließ und aus 300 Geſchützen Tod und Verderben dorthin trug. Mit welcher Tapferkeit ſtritten ſie am 18. ſtürmend, zurückgedrängt und wieder ſtür⸗ mend in furchtbarem Wechſel gegen die feindliche Uebermacht bei Probſtheide. Welche Kampfeswuth mußte die entflammt haben, welche man bei Stötteritz nach der Schlacht fand Mann für Mann einem Feinde gegenüber, wie ſie paarweiſe gegenſeitig mit den Bajonneten durchbohrt, Geſicht gegen Geſicht, Stirn gegen Stirn lagen oder— es klingt unglaublich— an den Wänden und in den Thüren entſeelt ſtanden. Das ſind nur wenige Bilder aus vielen; doch wer will das Einzelne preiſen, wo alles groß, alles des höchſten Ruhmes werth war? An dieſen Vorbildern, Jünglinge, lernt, was Muth iſt, was Muth vermag: an ihnen richtet euch empor, damit ihr, wenn auch nicht Helden, doch beherzte und muthvolle Männer werdet.
Aber Leibeskraft und ein muthiges Herz müſſen einem höheren und edleren Zwecke dienſtbar ſein, wenn wir ſie werth halten ſollen. Und welches Ziel wäre edler, als das, um welches bei Leipzig geſtritten und geblutet wurde? Es galt ja der Befreiung Deutſchlands, es war ja die Liebe zum Vaterlande, was alle beſeelte, und dieſe Liebe zum Vaterland war das Dritte, das Herr⸗ lichſte und Mächtigſte, was zum Siege führte. Ein fremder Eroherer hatte Deutſchland großer und reicher Gebiete beraubt, deutſche Fürſten, darunter den Fürſten unſeres Heſſenlandes, vertrieben, an⸗ dere unter beſchönigendem Namen in ſchmählicher Unterwürfigkeit gehalten, einen Fremdling über deutſche Stämme zum König geſetzt, deutſche Sitte und Art, deutſches Recht und Geſetz verdrängt, edle Männer mit unverſöhnlichem Haſſe verfolgt, und ſelbſt die deutſchen Großſtaaten mit despotiſcher Willkür beraubt, bedrückt, mißhandelt. Wie einſt 18 Jahrhunderte zuvor die Römer ihre Ruthen⸗ bündel und Beile in die germaniſchen Wälder trugen und mit verführeriſcher Kunſt und wohlbe⸗ rechneter Klugheit die einen an ſich lockten, um mit ihrer Hülfe die anderen zu überwältigen und zuletzt alle in Abhängigkeit niederzuhalten, ebenſo hatte es der franzöſiſche Kaiſer gemacht: Deutſche führte er gegen Deutſche in’s Feld, und das Netz, das über die Freiheit unſeres Vaterlandes ge⸗ worfen war, ſchien unzerreißbar und feſt zugezogen. Aber wie damals unſere Vorfahren ſich gegen die römiſche Anmaßung empörten und, von Armin geleitet, im teutoburger Wald und in den Ebenen unſeres Weſerthales, die aufgedrungenen Feſſeln zerriſſen, ſo geſchah es auch in der Leipziger Schlacht. Beide Male war es die Liebe zum Vaterlande, die, mächtig auflodernd, mit ihren Flammen die Bande der fremden Dränger verzehrte und die Male der erlittenen Unterdrückung tilgte. Das deutſche Volk hatte, nicht frei von mancher Verſchuldung, eine trübe Zeit geſehen; aber gerade unter ihrem Druck war das ſchlummernde patriotiſche Gefühl wach und der Drang, die Ketten abzuwerfen, ſtark ge⸗ worden; denn Noth und Unglück läutert und veredelt nicht blos einzelne Menſchen, ſondern auch ganze Nationen. Männer wie Stein und Scharnhorſt ſchufen die Grundlagen einer glücklichen Er⸗ hebung; Fichte und Arndt weckten die Geiſter; die tyroler Helden, der heſſiſche Dörnberg, der kühne Schill und unzählige andere ſchlugen ihr Leben in die Schanze, und hinter den Männern blieben die Jünglinge nicht zurück; die Hörſäle der Univerſitäten ſchloſſen ſich, die Werkſtätten feierten; wer die Waffen führen konnte, zog zum Kampf aus, unter ihnen, die ſchönſte Erſcheinung jener Tage, Theodor Körner, der begeiſterte Sänger und Held, der mit Leier und Schwert der Jugend voranleuchtete


