— 6— männlichen Gewöhnung, und härtet euch in den ſtillen, friedlichen Tagen zu einem ſtarken, markigen, den Stürmen des Krieges gewachſenen, den Feinden Deutſchlands furchtbaren Geſchlecht.
Doch dazu reichen Eigenſchaften des Körpers, wären ſie auch noch ſo trefflich und ungewöhn⸗ lich, für ſich allein nicht aus; denn nur dann erſcheint der Starke furchtbar, wenn Muth und Tapferkeit ſich zu ſeiner Stärke geſellen, wenn er ein entſchloſſenes und unverzagtes Herz in ſeiner Bruſt trägt. Und das war das Zweite, was bei Leipzig den Sieg erringen half. Des Muthes bedarf es ja in jedem Kriege, zumal in jenem, der damals die Heere gegen einander trieb. Sahen doch die Verbündeten ſich dort dem Maune gegenüber, der, wie eine Geißel Gottes in die Welt ge⸗ ſandt, mit dämoniſcher Gewalt bis dahin allen Widerſtand gebrochen, alle feindlichen Heere in den verſchiedenſten Ländern zertrümmert hatte und in ſtolzem Uebermuth über die Häupter der Mächtig⸗ ſten dahin geſchritten war. Und wenn gleich im Jahre zuvor die faſt unermeßlichen Heerſchaaren, die er ſiegesgewiß nach Rußland geführt hatte, untergegangen waren: ſo war doch dieſe Niederlage durch die Hand deſſen bewirkt worden, der die Geſchicke der Völker nach ewigen Rathſchlüſſen lenkt, nicht durch menſchliche Hände oder menſchliche Weisheit, denen gegenüber der Gewaltige damals noch für unbeſiegt, ja für unbeſiegbar galt. So konnte ſchon der Name des Gegners, an deſſen Schritte ſich der Sieg zu heften ſchien, für ſchwache Seelen ein Schrecken ſein, und ſelbſt bei ſolchen, die nicht zur Furcht neigten, die freudige Zuverſicht, die Genoſſin großer Thaten, in ängſtliche Sorge verwandeln und dadurch den Nachdruck ihres Handelns lähmen. Warlich hier bedurfte es noch vor dem Beginne der Schlacht eines großen Muthes, um nicht alles zu verlieren; noch mehr aber wäh⸗ rend des Kampfes ſelbſt. Es iſt nichts außerordentliches, daß ein Heer mannhaft und beherzt im Streite aushält, und der Schlachten, in denen der Soldat, ringsum von allen Mitteln der Vernich⸗ tung bedroht, unerſchrocken den Gefahren trotzte, hat es zu allen Zeiten und in allen Kriegen gegeben. Aber bei Leipzig galt es, nicht eine Schlacht, ſondern eine Reihe von Schlach⸗ ten zu beſtehen, die ſich vom 16—19. Okt. wie Glieder einer Kette aneinander ſchloſſen. Welche Feſtigkeit des Muthes, welche Spannkraft des Geiſtes gehörte dazu, ſo lange aufrecht zu bleiben und ſo lange dem Tod ohne Grauen in's Auge zu blicken! Muth iſt eine alte Tugend des germa⸗ niſchen Stammes, glorreich bewährt ſeit der Zeit, wo der deutſche Name zuerſt in der Geſchichte gehört wird; ſie iſt auch vor Leipzig bewährt worden: Muth von den Anführern wie von den Krie⸗ gern, Muth von den Fallenden wie von den Ueberlebenden, Muth ſogar von dem beſiegten Feinde, in deſſen Reihen— es läßt ſich nicht ohne Erröthen ſagen— Deutſche ſtanden, gezwungen gegen Deutſchland zu kämpfen. Der gelaſſene Schwarzenberg, der greiſe, doch jugendlich kühne Blücher, die volksthümlichſte Heldengeſtalt unſeres Jahrhunderts, der kaltblütig ansharrende Eugen von Würt⸗ temberg, dem die Palme des erſten Schlachttages gebührt, und tauſend andere, der Unſterblichkeit werth, wenn auch ihre Namen nicht genannt werden, ſie alle geben Zeugniß des höchſten, unbeugſamen, ansdauernden Muthes. Nicht in das Alterthum brauchen wir zurückzugreifen; das Jahrhundert, in dem wir leben, das Volk, dem wir entſtammen, der Boden, den wir treten, geben glänzende Beiſpiele der Tapferkeit und erhabene Vorbilder genug. Mit welchem Muth hielten die Verbündeten am 16. Oktober bei dem Dörfchen Wachau aus, als der Feind ſeine verfügbaren Krüfte dicht vereinigt mit


