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Daß ſittliche Bildung allein frei mache und ein Recht auf Freiheit gebe, war Schillers feſter Glaube. Nach ſeiner Überzeugung gibt es keine wahrhafte äußere Freiheit ohne die innere.
Schiller verlangt, der Menſch ſoll ſich frei beſtimmen, aber ſo, daß er auf Willkür verzichtet, indem ſich ſeine ſinnliche Natur der Vernunft freiwillig unterordnet. Tut der Menſch das, ſo macht er das Geſetz der Gottheit zu ſeinem eigenen. Um das Sittengeſetz zu erfüllen, braucht er dann nicht erſt die Sinnlichkeit zu überwältigen, ſondern indem er jenem gerecht wird, ſcheint er nur der eigenen Natur zu folgen. Neigung und Pflicht ſind bei ihm eins geworden. Dieſen Sinn haben die Worte, die vielleicht das Erhabenſte ſind, was Schiller geſchrieben hat:
„Nehmt die Gottheit auf in euren Willen,
Und ſie ſteigt von ihrem Weltenthron.“ Wahrhaft ſittlich iſt nach Schillers Anſicht eine Handlung nur dann, wenn ſie nicht gezwungen geſchieht, ſondern aus Liebe zum Guten; und zwar hat ſie um ſo mehr ſittlichen Wert, je mehr ſie aus der Tiefe der Perſönlichkeit herauswächſt.
Aber, ſo fragen wir, wie kann der Menſch bei ſeinen Schwächen und Fehlern je zu ſolcher Höhe der Geſinnung und des Willens gelangen? Schiller antwortet: Durch den Einfluß der Kunſt. Durch äſthetiſche Erziehung wird der Menſch befähigt, vernünftig zu handeln.
Dieſe Anſicht iſt mißverſtanden worden. Man meint, es werde hier einer Abwendung von praktiſcher Tätigkeit das Wort geredet, einem Schwelgen in äſthetiſchen Genüſſen, und fürchtet, das werde in unſerer Zeit der praktiſchen Intereſſen und des Kampfes ums Daſein die Menſchen verweichlichen und untauglich machen zur Löſung der Aufgaben, welche die harte Wirklichkeit heute an ſiee ſtellt.
So iſt es aber nicht gemeint. Wenn irgend jemand, war Schiller ein Mann des vorwärts ſtrebenden Lebens. Er wußte, daß das Leben harten Kampf erfordere, und er hat ſelber ſein ganzes Leben lang zu kämpfen gehabt. Er war der praktiſchen Tätigkeit durchaus nicht entfremdet, und er verlangt auch von uns, daß wir teilnehmen am Leben der Gegenwart und in harter Arbeit den an uns geſtellten Anforderungen zu genügen ſuchen.
Aber neben der praktiſchen Arbeit fordert er ideales Streben und Veredelung der menſchlichen Natur durch die Kunſt. Wie er ſich das denkt, dafür zunächſt ein Beiſpiel aus dem Leben. Als Schiller im Alter von achtundzwanzig Jahren das Antikenkabinett zu Mannheim beſucht hatte und aus dem Gebäude trat, hatte er den Wunſch, ohne Zeugen eine edle Tat zu tun. Handeln, nicht Schwärmen ſollte hier alſo die Folge des Kunſtgenuſſes ſein. Die Stimmung, in der ein wahres Kunſtwerk uns entläßt, ſoll Freiheit des Geiſtes ſein, verbunden mit Kraft.
Im Verkehr mit der Kunſt erſchließt ſich dem Menſchen eine höhere Welt; er ſieht ſich von großen, edlen Formen umgeben, an denen er eine herrliche Harmonie wahr⸗ nimmt, wie er ſie an ſich ſelber oft vermißt. Aus den Kunſtwerken leuchten ihm Ideen entgegen und heben ihn zu ſich empor. Hier vermag er es, ſeine Seele vom Staube


