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hinterlaſſen hat? Dieſe Frage iſt bei der Feier vom 9. Mai 1905 alſo beantwortet worden: Schiller bedeutet uns heute noch viel als Menſch, als Perſönlichkeit mit ſeiner vorbildlichen Lebensführung und zugleich als Erzieher des Volkes, als Führer zu wahrer Kultur.
Was ein großer Dichter der Nachwelt als Bildungsquelle hinterläßt, iſt nicht bloß die Summe deſſen, was er geſchrieben hat, ſondern es gehört dazu auch das Werk ſeines Lebens. Und bei Schiller kann man ſagen: Das größte unter ſeinen Werken iſt ſein Leben, wie es durch das Geſchick und durch eigenes Wollen geſtaltet worden iſt. Man kann behaupten: Sein Leben iſt ein Kunſtwerk; es iſt die ſelbſtbewußte Entwicke⸗ lung ſeiner Perſönlichkeit; es tritt in ſeinem Leben die ſich ſelbſt beſtimmende Idee der Freiheit in die Erſcheinung. Nicht die einzelnen Werke ſind es, auch nicht einmal die einzelnen Seiten ſeines Wirkens, durch die er für uns Bedeutung hat, ſondern der ganze Menſch iſt es, der Wert und die Bedeutung ſeines Lebens.
Erhebend und rührend iſt Schillers Leben, und ein Hauptzug, der in demſelben auf den erſten Blick hervortritt, iſt das Heldentum. Goethes Wort, daß der Menſch ein Kämpfer ſei, gilt ganz beſonders von unſerm Dichter; er hatte zu kämpfen gegen feindliche Mächte in ſich und außer ſich; er arbeitete raſtlos und duldete mutig; alles, was er ergriff, erfüllte er mit der Glut ſeiner Seele; im Streben nach den höchſten Zielen zehrte er ſich auf; durch dieſe Heldenhaftigkeit ſeines Willens iſt er ein Vorbild für die Jugend geworden, die ſein Wort beherzigen ſoll:
„Nur dem Ernſt, den keine Mühe bleichet, Rauſcht der Wahrheit tief verſteckter Born; Nur des Meißels ſchwerem Schlag erweichet Sich des Marmors ſprödes Korn.“
Schon in jungen Jahren hatte er gegen das Schickſal anzukämpfen, als er auf den Wunſch ſeines Landesherrn Zögling einer Bildungsanſtalt wurde, gegen deren mili⸗ täriſche Dreſſur ſich ſein Geiſt aufbäumte. Aller Trotz, der ſich in dieſen Jahren auf⸗ ſammelte, machte ſich in ſeinem dramatiſchen Erſtlingswerk Luft. Doch als die„Räuber“ mit beiſpielloſem Erfolge aufgeführt wurden und der junge Dichter eine glänzende Zukunft vor ſich ſah, verbot ihm der Herzog die Veröffentlichung von Dichtungen. Schiller gab alles auf, was ihn an die Heimat feſſeln konnte, und folgte der innern Stimme, die ihm einen andern Lebensberuf als den ihm aufgezwungenen vorſchrieb. Er flüchtete nach Mannheim; er ſetzte die größten Hoffnungen auf den dortigen Theater⸗ Intendanten Dalberg, ſah ſich aber bald von dieſem im Stich gelaſſen. Trotz neuer dichteriſcher Erfolge fand er in der Pfalz keine geſicherte Lebensſtellung, ſondern nur Enttäuſchung und Not. Aus dieſer hoffnungsloſen Lage rettete ihn der ſächſiſche Freund, deſſen Herz durch die Schillerſchen Dichtungen gerührt worden war. Im Körnerſchen Kreiſe verlebte der Dichter zum erſtenmale eine Zeit, in der er ſeines Lebens wahrhaft froh werden konnte. Aber auf die Dauer war es ihm nicht möglich, ſich auf die Unter⸗ ſtützung andrer angewieſen zu ſehen; er ſuchte ſich ſeinen Lebensunterhalt durch ſchrift⸗ ſtelleriſche Tätigkeit zu erwerben, und als er eine Lebensgefährtin gefunden hatte und
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