Aufsatz 
Methodologisch-praktischer Leitfaden bei dem Unterrichte im kalligraphisch-orthographischen Schreiben, nebst stufenweise geordnetem Übungsstoffe zum Diktieren
Entstehung
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Die hierher gehörigen Lehrweiſen ſind: die Schreibmethode mit Hilfe des Taktes und die Schrei⸗ bend⸗ Lefenlehrmethobe mit lateiniſcher Schrift.

A. Verbeſſerung des Schreibunterrichts durch Einführung der Taktmethode.

Täglich wird das Bedürfniß fühlbarer, daß man dahin arbeiten möchte, die vielen ſchlechten und unleſerlichen Handſchriften ſo weit zu verbeſſern, daß Jedermann wenigſtens eine leſerliche Handſchrift zu ſchreiben im Stande ſei. Ein ſolches Erkennen kann wohl Niemanden ganz gleichgültig ſein, und muß beſonders den, der für die Bildung der Menſchheit zu wirken berufen iſt, au ordern, an der allmähligen Entfernung aller Mangelhaftigkeiten nach Kräften zu arbeiten. Wenn ſchon die Erfahrung beſtätigt, daß bei oͤffentlichen Prüfungen oft recht hübſche Beweiſe von Handſchriften vorgelegt werden, die Lob verdienen, ſo iſt damit noch lange nicht das Ziel erſtrebt. Sind doch ſolche Beweiſe nicht ſowohl Proben im Schreiben, als vielmehr Proben im Nachmalen der Buchſtaben zu nennen! Denn unterſucht man die Aufſätzebücher ꝛc., ſo wird man ſich von einer Handſchrift überzeugen, von welcher oft kein Buchſtabe der erſtern gleicht. Auch iſt es nicht ſelten, daß ſolche Buchſtabenmaler in ſpäteren Zeiten, wenn ſie ſich ſelbſt überlaſſen ſind, in ein gewiſſes Ertrem verfallen, und eine um ſo ſchlechtere Handſchrift ſchreiben. Obgleich die Taktſchreibemethode darauf verzichtet, ſchönere Handſchriften zu erzie⸗ len, ſo wird doch der Taktſchreiber früher, weil er mehr ſchreibt, kräftiger, geläufiger, regelmaͤßiger, blei⸗ bender und nach der Schulzeit noch ſchöner ſchreiben, als andere, ſelbſt wenn er die Uebung entbehrt; denn er iſt ſicher geworden. Uud gedenken wir noch des traurigen Zuſtandes mancher Schulen in Be⸗ zug des Schreibunterrichts, in denen Kinder oftmals 89 Jahre ſchreiben, und beim Abgang aus der⸗ ſelben bei all ihrem langſamen Nachmalen keine merkliche Veränderung und Vervollkommnung der Hand⸗ ſchrift wahrnehmen konnten, ohne Luſt und Liebe, ohne Geuauigkeit und Sorgfalt ſchrieben, weil ſie mußten, ſo ſind das die traurigen Folgen eines Schreibunterrichts, wobei man nur nach geſchriebenen oder geſtochenen Vorlegeblätter ſchreibt und das Schreiben lehrt. Abgeſehen davon, daß das Copiren der Schulvorſchriften nicht das Mechaniſche mit dem Geiſtigen verbindet, nicht zu einer gefälligen Handſchrift verhilft und das Gewonnene nicht für die künftigen Zeiten ſichert; ſo haben die Verfaſſer der Vorſchrif⸗ ten in kallikraphiſch⸗ methodiſch⸗ und grammatiſch⸗ orthographiſchem Betrachte, entweder zu wenig oder gar nicht mit Nachdenken, mit pädagogiſcher Sachkenntniß und äſthetiſchem Geſchmacke gearbeitet. Der Lehrer hat zwar viel Gelegenheit, die Zeit in den Stunden, wo Vorſchriften abcopirt werden, auf Un⸗ koſten ſeiner Schüler, mehr zu ſeiner Bequemlichkeit zu gebrauchen, kann am Pulte ſitzen und Federn ſchneiden oder Arbeiten für andere Stunden corrigiren; allein Kinder bedürfen die perſönliche Hilfe ihres Lehrers immer, wollen das Geſchriebene angeſehen haben und müſſen es durch eine zu leitende Selbſt⸗ Correktur verbeſſern, wenn der Segen der Kunſt zu Stande kommen ſoll. Doch wollen wir keineswegs behaupten, daß überall dergleichen Erfahrungen gemacht werden, und nach einer andern, ſowie nach die⸗ ſer neuen Methode nicht auch Mängel vorkommen koͤnnten; ſondern wollen durch die Erfahrung des Lebens hindeuten, daß noch manche Unvollkommenheiten, gewiſſenloſe Ruhe und Unkenntniß bei dieſer ſo einflußreichen Kunſt, ſowohl in Hinſicht der Methode, ſie zu üben, als auch noch in Hinſicht des Weſens der Schrift ſelbſt Statt findet, und daß dieſelbe alſo noch nicht zu der Vollendung gediehen iſt, wie ſo Viele vielleicht ſchou meinen. Aber wem es wahrer Ernſt iſt, ſeine Schüler in kurzer Zeit zu einem erfreulichen Ziele im Schreiben zu bringen, wird ſich durch Selbſterfahrungen von den noch Statt findenden Mangelhaftigkeiten genugſam überzeugt haben; ſo daß er vielleicht oſtmals ſchon zu neuen Verſuchen ſeine Zuflucht nahm, die mehr oder minder gelangen. Und wenn auch nicht jeder neu einge⸗ ſchlagene Weg zu dem erwünſchten Ziele führt; ſo gibt dieſes Streben doch Veranlaſſung zu neuen Ver⸗ ſuchen, die nicht ſelten die erſtern an Brauchbarkeit übertreffen, und ſomit eine Kunſt durch vielſeitiges

nebent an ieer ſemer größern Vollkommenheit gebracht wird. lend ſeſen Vorausſchi 3 enden neuen Taktſchreibemetode heſchicungen wollen wir nun das Weſentliche von der zu empfeh

Wenn auch Manchem der Takt beim Schreiben gehaltlos und unbedeutend ſcheinen mag; ſo iſt dieß doch keineswegs der Fall. Er macht vielmehr einen weſentlichen Theil dieſer Methode aus, und wirkt ſo einflußreich auf die Schrift für's Auge, wie derſelbe in der Muſik dem Ohr gefällig iſt. Schon in Beziehnng auf das Schreiben ſelbſt verſpricht dieſe Methode viele Vortheile; denn alle Züge der Schrift werden mit einer regelmaͤßigen Bewegung nach gewiſſem Takte, in einer dem Kinde vorge⸗ ſchriebenen nnd zugemeſſenen Zeit gebildet, wodurch die Buchſtaben in Hinſicht der Grund⸗ und Haar⸗

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