Aufsatz 
Methodologisch-praktischer Leitfaden bei dem Unterrichte im kalligraphisch-orthographischen Schreiben, nebst stufenweise geordnetem Übungsstoffe zum Diktieren
Entstehung
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Dieſe zweckmäßige Einrichtungen zur Erlernung des Schreibens waren noch immer mehr eine ma⸗ terielle, als formale Unterrichtsart. Es wurde zwar frühzeitiger beſſer geſchrieben, aber das richtige Nachbilden des Vorgeſchiebenen blieb noch ſehr einem dunkeln Gefühle des Schülers überlaſſen und an einer äußern und innern Anſchauung und Auffaſſung aller Buchſtabenformen nebſt ihren Elementen man⸗ gelte es noch.

Mehrere anerkannte Paͤdagogen geſtalteten darum den Schreibunterricht etwas anregender, indem ſie ihn als Verſtandesübung zugleich mit benutzten und brachten dem Schreibeſchüler das Was und Wie zum deutlichen Bewußtſein. Mit Zeitgewinn gewöhnten ſie denſelben, ſeine Formen nach dem vorge⸗ führten Maßſtabe zu beurtheilen. Linearübungen kamen in Aufnahme, zu deren Darſtellung und den erſten Verſuchen im Buchſtabenbilden man ſich einer Schiefertafel mit Schieferſtift bediente und die ge netiſche Abſtammung der Buchſtaben konnte umfaſſender, als früher vorgenommen werden. Jeder Buch⸗ ſtabe wurde aus den vorhergegangenen hergeleitet, man drang auf ſorgfältige Aufmerkſamkeit der An⸗ fangsgründe und ließ eher keinen Schritt vorwärts thun, bis durch die vorhergegangene Uebung eine feſte Grundlage für die nachfolgende gewonnen war. Auch wurden regelwidrige Formen angeſchrieben, durch deren Vergleichung mit den bereits eingeübten richtigen Buchſtabenformen das Beurtheilungsver⸗ mögen geſchärft wurde. Schrieb endlich das Kind mit der Feder auf Papier, ſo bewilligte man ihm die ſchon gedachten vier Höhenlinien. Dieſe vier Höhenlinien vermehrte man mit noch drei Zwiſchen⸗ linien zur Meſſung und Verdeutlichung bei Erklärung der Konſtruction der Buchſtaben.

Ausgezeichnete Methodiker, wie auch mehrere Schriftſteller, machten ſich um die noch weitere Ausbildung jener formalen Unterweiſungsart ſehr verdient. Man bemühte ſich den Stufengang des Schreibens zuſammenhängender und beſtimmter feſtzuſtellen, berückſichtigte mehr die genetiſche Abſtam⸗ mung der Buchſtaben und den Entwickelungsgang der natürlichen Anlagen des Kindes, zerlegte die Buchſtaben und ihre Elemente, ließ ſie benennen, erkennen, beſchreiben und in Buchſtaben zuſammenſetzen, und endlich mit völlig klarem Bewußtſein auch ſchreiben. Der Lehrer verſammelte vor der Wandtafel einzelne Schülerabtheilungen, ſchrieb mit eigener Hand, was ſie ſchreiben lernen ſollten, vor ihren Augen an, und ließ das Vorgeſchriebene von ihnen daſelbſt nachbilden. Alle übrige Schüler mußten dagegen in ihrer Sitzordnung bleiben und entweder dieſelbe Aufgabe auf ihren Schiefertafeln oder in ihren Schreibheften nachſchreiben und üben, oder die Tafelarbeiten ihrer Mitſchüler beurtheilen. Hatten jene den Schriftzug oder den Buchſtaben bis zur gehörigen Geläufigkeit gebracht, ſo wurden ſie an ihre Plätze entlaſſen, und eine gleiche Anzahl von dieſen mußten ſich zum Tafelſchreiben einfinden, welche in derſel⸗ ben Weiſe geleitet wurden. Man fügte den üblich geweſenen Höhenlinien auch noch ſchräge Linien für die gleichmäßige Lage der Buchſtaben hinzu. Entweder ward eine ſolche Richtungslinie an der linken Seite der Schiefertafel eingeriſſen, oder im Schreibheft jede Seite mit einer oder mehreren ſolcher Linien verſehen. Hierbei mußte ſich der Schüler gewöhnen, frühzeitig allen Buchſtaben eine glei⸗ che Lage zu geben; er wurde zu groͤßerer Genauigkeit in allen Uebungen genöthigt und auf eine ſeinen Kraͤften entſprechende Art angeregt.

In der Folge wurden dieſe Richtungslinien auf den einzelnen Seiten der Schreibhefte ſo nahe an einander geſtellt, daß, in Verbindung mit den ſieben Höhenlinien, daraus kleine gleichſeitige verſchobene Vierecke enſtanden, deren man ſich zur Conſtruirung der Buchſtaben bediente oder die Schüler ihre nach⸗ zubildenden Buchſtaben hinein ſchreiben ließ. Solche Netze von Quadraten und Rhomboiden wurden auch den Kindern auf die Schiefertafelu fein eingeritzt. Uebrigens ſind dieſe methodiſche Hülfsmittel beim Schreibunterrichte nicht ſo neu Nur hat der Schreibunterricht durch jene friſch eingeführten, aber ſehr verbeſſerten methodiſchen Hilfsmittel an Vollkommenheit viel gewonnen. vont ſhe

Wi een nun auch noch der zweckmäßigſten Unterrichtsverfahren gedenken, welche in dieſer Zei neben W deelen nn uchenochedſtdee und am weiteſten verbreiteten Unterrichtsmethoden die Jei Geltung gefunden haben, und für den Schreibunterricht von großem Belange ſind. Und da man p yn dieſen Lehrweiſen jetzt nicht ſelten hort und lieſt, ſo bleibt es doch immer intereſſant, ſie etwas näher kennen zu lernen. Zwar wird dieſe Mittheilung hin und wieder eine nicht ganz ausführliche ſein, da Vollſtändigkeit ſich nur in den betreffenden Werken ſelbſt, nicht aber in den Skizzen eines Programmes ſchöpfen läßt. Inzwiſchen wird es nicht an Grundſätzen und Regeln ſehlen, die, nach eines Jeden Er⸗ meſſen, bei der Schreibunterrichtsmethode benutzt zu werden verdienen. 4