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des Unterrichts, dagegen um die ſtetige Ausübung derſelben, unterſtützt durch öftere Wieder⸗ holung und Beaufſichtigung war man unbekümmert. An eine Ordnung der Schreibhefte insbeſon⸗ dere, ob ſie gut geheftet, mit Umſchlag, Löſchblatt und den erforderlichen Linien verſehen waren, und in reinem und unverſehrtem Zuſtande ſich befanden, ſowie an eine Aufbewahrung ausgeſchriebener Schreib⸗ hefte im Schulſchrank, die doch nur unnütz verwendet wurden, aber den Schulaufſeher ꝛc. bei Schulprüfun⸗ gen und Schulentlaſſungen als Reſultat langjaͤhriger Uebung hätten dienen können, war gar nicht zu den⸗ ken. Ebenſo wurden die Federn nicht vor der Schule vom Lehrer und ſeinen Schreibgehülfen geſchnitten, das Austheilen derſelben nicht vor dem Beginnen der Schreibſtunde beſorgt, und an Orten, wo Gäͤnſe⸗ halter waren, durften die Schüler auch mit unpräparirten Federn ſchreiben. Die Linien wurden nicht zu Hauſe, ſondern in der Stunde gezogen und wer kein Lineal hatte, borgte ſich eins, oder nahm ein Buch— die Schiefertafel— zur Aushülfe. Wem ein Bleiſtift fehlte, borgte ſich ebenfalls eins, oder der Nagel am rechten Daumen wurde in Gebrauch genommen. Federn, Dinte und Lineal mußten von den Schülern jedesmal zur Schule gebracht und nach den Stunden wieder mit nach Hauſe genommen werden. Daß es nun bei ſolchen Einrichtungen an vergeſſenen und verlorenen Gegenſtänden nicht fehlte, und mit dem Lineal in der Hand der Schüler auf dem Schulwege gar leicht zu Schlägereien Reiz fühlte, und dazu Gelegenheit gab, wobei die Hände, Kleider und Buͤcher mit Dinte befleckt wur⸗ den, iſt leicht begreiflich..
Eben ſo traurig ſah es mit der Ruhe und Ordnung während der Schreibſtunde aus. In ſtun⸗ denlanger Unthätigkeit mußte oft ein Hruflein Schüler, entweder des Vorſchreibens einer neuen Aufgabe, oder des Federcorrigirens wegen am Tiſche des Lehrers ſtehen, und auf ſeine Forthülfe warten. In⸗ zwiſchen fanden unter dieſen Unbeſchäftigten oft Plaudereien und muthwillige, ſogar böswillige Streiche Statt, nicht minder auch bei den Schreibenden ſelbſt, welche aus Mangel an Aufſicht, entweder ebenſo müßig und unruhig, als jene waren, oder während der Zeit Aufgaben für andere Lehrſtunden arbeiteten.
Es mochte zu den Ausnahmen gehoͤren, wenn der Lehrer den Takt beſaß, die Müßigſteher, um ſie be ſer überſchauen zu können, in einer Neihe unmane fi Büüßieherr ii be
Bei ſolchen Einrichtungen verließ die Mehrzahl der Schüler die Schule, ohne ſich beſonderer Fort⸗ ſchritte im Schreiben rühmen zu können; gering war die Anzahl der leidlichen Schreiber, und nur wenige, mit beſonderer Schreibanlage Begabte, ſchrieben gut, die wohl auch von ſelbſt mit Benutzung guter Vorſchrif⸗ ten dahin gekommen ſein würden. Daß es auch hier und da Einzelne zu Ausgezeichnetem, doch meiſt nur zu unnützer Frakturmalerei, brachten, wollen wir nicht in Abrede ſtellen, uͤberhaupt aber ſtand bei Allen das Ergebniß der Leiſtungen mit der Dauer der verbrauchten Zeit und der Menge der Lehrſtun⸗ den in keinem Verhältniſſe.—.
Soweit mit der Schilderung des geiſt⸗ und ſeelentödtenden Schlendrians der alten Schreibmethode. Und wer eine nähere Beſtätigung des bezeichneten Verfahrens wünſchen ſollte, der möge die Ausſage bejahrter Perſonen vernehmen oder ältere Schriften über den kalligraphiſchen Schreibunterricht durchleſen.
Als man anfing, nicht mehr die Buchſtaben in alphabetiſcher Folge vorzuſchreiben, ſondern ſie ge⸗ netiſch ordnete und von den einfachſten zu den zuſammengeſetzteren Formen fortſchritt, als man dem Schreibeſchüler durch vier Hoͤhenlinien das Größenverhältniß der Buchſtaben bezeichnete, und als man endlich eine beſſere Ordnung in der Aufrechthaltung der Disciplin und der Art und Weiſe der Correc⸗ tur vollendeter Schreibaufgaben, gleichzeitig geleitet und beaufſichtiget durch Lehrer und taugliche Schüler, einführte; da war die Verbeſſerung des Schreibunterrichts weſentlich gefördert. Man ließ es an er⸗ munternden Belehrungen über das Sitzen, über Haltung des Körpers, Schnitt und Führung der Feder und über die Wahl der Schreibmaterialien nicht fehlen, nnd überwachte von vornherein deren Anwen⸗ vung. Es wurden kleinere und größere Penſa an die Wandtafel geſchrieben, das Vorſchreiben in die Heſigeder Einzelnen 65 bei Seite geſetzt und einer ganzen Klaſſenabtheilung, deren Schüler doch in er egel auf ziemlich gleicher Stufe ſtehen, konnte nun eine Vorſchrift vorgeführt werden, wobei es thunlich war, außer ihr auch noch eine andere Klaſſe in eine gleichmaͤßige Geſammtthätigkeit zu ſetzen. Damit verband man eine Bemerklichmachung deſſen eſchriftmäß Wi
4 1 g deſſen, worauf es bei vorſchriftmäßiger Bildung der einzel⸗ nen Buchſtaben hauptſächlich ankomme. Durch die einerle Beſchäftigung für Alle und durch die tiefer greifenden Belehrungen erleichterte ſich der Lehrer mehr, als vorher die Erhaltung der Ruhe und Ord⸗ nung unerden Sahilder Pm⸗ adee tanlnen die Schäſr, arbeiteten, Frenmgehen und nachſehen, ob, wie un e eben, e e Funktionen beobachte Verfe aufmerkſam machen und es zur Verbeſſerung anweiſen.— cten und auf ds Falſche und Verfehlte


