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ſtriche, als auch in Anſehung der Größe und Lage mehr regelmäßig und gleichartig werden. Und be⸗ ſonders werden Anfänger, die gewöhnlich nicht wiſſen, wo ſie den Druck der Feder anbringen ſollen, und bis jetzt bei ihrem beliebig langſamen und unſichern Ziehen bald hier, bald dort ſchlecht und un⸗ zweckmäßig den Druck der Feder anbrachten, bei jeder angegebenen Zahl des Taktes, den jeder Buchſtabe hat, der Feder einen gleichmäßigen Druck zuweiſen. Die Zahlen gehen dann im Laufe der Zeit dem Kinde in Fleiſch und Blut über, und es wird mit dem Takte fortgeriſſen. Wenn alle Uebungen vom An⸗ fange an taktmäßig betrieben werden, ſo wird erfahrungsmäßig von Taktſchreibeſchülern mehr geſchrie⸗ ben, als von denen, die nach ihrer Bequemlichkeit ſchreiben können. Zudem wird jedes Wort, ohne Ab⸗ ſatz in einem Zuge vollendet.—.
Wollen wir noch andere Vorzüge der Methode in Bezug auf das Schreiben ſelbſt gedenken, ſo iſt nicht in Abrede zu ſtellen, daß ſie allen Schülern zur vollkommenen Herrſchaft der Schriftformen verhilft; denn langſam und deutlich ſchreibt der Lehrer die einzuübende Form an die Tafel, und zeigt ihre Ent⸗ ſtehung. An raſche Auffaſſung und Einprägung der angeſchriebenen Form bis zum vollkommenen Be⸗ wußtſein hat ſich. der Taktſchreibeſchüler zu gewöhnen, bevor er an's Nachſchreiben denken kann, damit ſie ſein unvergeßliches Eigenthum werde, da er während des Schreibens weder auf die Vorſchrift an der Tafel, noch auf die Nachbildung des Nachbars ſehen kann, ohne im Takte zu fehlen. Dieß gilt nicht allein von den Buchſtaben, ſondern auch von Wörtern, Sätzen und Perioden. Für den Taktſchreiber hat man alſo keine weitere Vorſchrift, als die, die er in ſich hat; er ſchreibt nichts ab, ſondern nur aus ſich heraus nach, und thut das nämliche, was der Lehrer zuvor that, nur mit dem Unterſchiede, daß der Lehrer die Form ſchuf, der Schüler nur die Copie liefert.
Auch auf die Sprache überhaupt, beſonders aber auf die Orthographie wirkt das Taktſchreiben vortheilhaft. Nicht allein das Geſicht, ſondern auch das Gehör macht Orthographen. Die Buchſtaben⸗ formen, durch deren mannigfachſte Verbindung jeder mögliche Sprachbegriff ſichtbar gemacht wird, werden bei ihrer taktmäßigen Einübung in kalligraphiſcher und ſprachlicher Hinſicht beleuchtet. Die zu ſchreiben⸗ den Wörter, beſonders ſolche über deren Schreibgebrauch Unkunde oder Zweifel vermuthet wird, wer⸗ den bei taktmäßigem Niederſchreiben buchſtabirt. Dabei wird jeder Buchſtabe, ohne den Rhythmus zu ſtö⸗ ren, kurztonig und dann ausgeſprochen, wenn auf den letzten Druck des vorhergehenden die Zahl geſprochen iſt. Auf dieſe wird ſicher jedes Wort von Allen auch orthographiſch geſchrieben. Kurze grammatiſche und logiſche Bemerkungen können auf katechetiſchem Wege immer dem zu ſchreibenden Worte vorhergehen Ebenſo verfahre man auch, wenn Sätze oder Perioden geſchrieben werden, wobei immer der ganze Satz nur einmal vorgeſprochen, zwiſchen jedem Worte aber eine Schreibpauſe, in welcher„eins“ geſprochen wird, erfolgt. Und werden Wörter oder Sätze an die Tafel geſchrieben, ſo muß der Takſchreiber ſie ſich ſo vollſtändig in's Gedächtniß bringen, daß das, was draußen ſtand, nun vor ſeiner Seele ſteht. Wer ſich ſo zu ſehen gewöhnen muß, der ſieht mit den Augen und mit dem Geiſte. Soll das Ange⸗ ſchriebene geſchrieben werden, ſo hört, auf ein beliebig angenommenes Zeichen zum Anfange, zu gleicher Zeit das äußere Sehen auf und gleichmäßig wird im Takte nachgeſchrieben. Sehr genau müſſen vorher die Schüler auf Alles gemerkt, und tief müſſen ſie ſich durch die äußere auch die innere Formen der Sprache eingeprägt haben, wenn nicht ein Fehler unterlaufen ſoll.
Die Taktmethode übt auch Einfluß auf die Bildung der geiſtigen Kräfte überhaupt aus, und macht den innern Menſchen thätig und rührig. Wie ſchr wird nicht der Geiſt, an eine dauernde Spannung gewöhnt, das Gedächtniß geſtärkt, die Einbildungskraft belebt und das Anſchauungsvermögen geübt!
Der Schüler wird endlich durch das Taktſchreiben in Zucht genommen und erhalten. Alles iſt ruhig, geſpannt und gleichmäßig beſchäftigt. Alles ein Herz und ein Sinn. Kein Kind ſitzt verdroſſen da, nur Freude ſtrahlt aus allen Geſichtern. Alle Gemüther ſoricht die Ordnung ſo an, daß ſie ſich ei⸗ ner gewiſſen Strenge und Genauigkeit gern unterwerfen. Jedes findet ſeine Luſt an der übereinſtimmen⸗ den Thaͤtigkeit; denn alles geſchieht nach Commando und Takt. Das Zurechtſetzen, das Greifen nach Tafel(Heſt), nach Griffel(Feder), das Eintauchen der Feder, Anſetzen, Abſetzen, Pauſtren, Auswiſchen, Weglegen ꝛc. Der Körper und im Grund genommen auch der Wille des Schülers ſind in Zucht ge⸗ nommen.— Ohne Ordnung, Achtſamkeit, Genauigkeit und Regelmäßigkeit würde das Ganze in's
ocken gerathen. 4 . Hanpidedingen der Tactſchreibemethode ſind: richtige Haltung des Koͤrpers, der Feder ꝛc., rich⸗ tige Lage des Papiers ꝛc, wovon das Naͤhere ſpaͤterhin an Ort und Stelle folgen ſoll. Dazu kommt noch das Taktiren oder das taktmäßige Zaͤhlen 1, 2, oder auf, ab.— Nach der Taktform


