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Mit der Herrſchaft der Römer wurde die Schreibekunſt immer mehr verbreitet, und es ſcheint, als wenn, ſeit ihrem Urſprunge bis zu Auguſts Regierung, mehrere Gelehrten ſie zum Gegenſtande ihres Studiums gewählt und auf die Stufe gebracht hätten, welche ſie unter dieſem Kaiſer behauptete. In Deutſchland ſchrieb man anfangs die Runenſchrift; jedoch bald nachher wurde auch die lateiniſche Schrift, ſowie die lateiniſche Sprache beim Schreiben üblich. Erſt unter Karls des Großen Regierung, 768— 814, nachher aber beſonders durch Ottfried, einen Schwaben, der 870 Mönch im Kloſter Weißenburg im Elſaß war, wurde die deutſche Sprache ſehr gebildet, und im 9. Jahrhundert fing man ſchon an, ſie zu ſchrei⸗ ben, jedoch blos mit lateiniſchen Buchſtaben. Beſonders war das Schreiben damals ein Geſchäft der Geiſtlichen, und ſie ſuchten ſich durch den Gebrauch der Schrift in dem Alleeinbeſitz der wichtigſten Staats⸗ ämter, Prieſter und Schreiber öffentlicher Schriften, zu erhalten. Selbſt ſchon bei den alten Aegyptern und Hebraͤern bildeten die Schönſchreiber eine Klaſſe des angeſehenen Prieſterſtandes und es blieb dieſe Kaſte im alleinigen Beſitze dieſer Kunſtkenntniß, bis zu unſerm Mittelalter. Bei den alten Griechen war die Schreibekunſt hoch geachtet, und„Kalligraph“, ein Ehrentitel, mit dem ihre Schreiber am Ende ihrer Manuſcripte ihre Namen begleiteten. Kaiſer Karl der Große fand ein eignes Vergnügen darin, römiſche große Buchſtaben zu ſchreiben, und Mahmud der Zweite, Sultan der Osmanen, v. 1808—36, hat ſehr gut geſchrieben und auf eine ſchöne Handſchrift großen Werth gelegt.
In Frankreich fing man unter Karl dem Siebenten(1422— 61) an, die Provinzialgeſetze aufzu⸗ ſchreiben. In Spanien ward die Schreibekunſt viel ſpäter eingeführt. Die Zeit, in der zuerſt die deut⸗ ſche Schrift gewöhnlich geworden, ſetzt man unter die Regierung des Kaiſers Friedrich des Zweiten, 1209— 50. Ihre Ausbildung wurde wol am meiſten durch die Buchdruckerkunſt, in der Mitte des 15. Jahrhunderts, befördert. Deutſchland hat nur zwei eigene Schriftarten, die Fractur, und die Current⸗ ſchrift, von welchen ſich die erſtere aus der im 11. Jahrhundert entſtandenen ſogenannten neugothiſchen und Mönchsſchrift bildete. Erſt am Ende des 15. Jahrhunderts kam auch bei dem Drucke die deutſche Current⸗ und die ſchiefliegende oder die lateiniſche Curſivſchrift, vom älteren Aldus Manntius in Vene⸗ dig erfunden, in Gebrauch. Beſonders im 16. Jahrhundert erhielt die deutſche Schrift erſt ihre vor⸗ züglichſte Ausbildung durch Albrecht Dürer. Dieſer ſetzte anfangs für die Fractur, nachher aber auch für andere Schriften die Peudwerün feſt, worauf ſie durch ſeine Schüler und die Schönſchreiber die jetz⸗ ige regelmäßige Geſtalt erhielten. Ganz beſonders aber iſt in der letzten Hälfte des 18. und ſeit dem Anfange des 19. Jahrhunderts die Schreibkunſt weit mehr verbeſſert, größeren Veränderungen unter⸗ worfen und den Schriftzügen eine viel größere Veredlung zu Theil geworden, als in dem Laufe der früheren Jahrhunderte..
Die Maſſen, auf welche die Erfinder der Schriftzeichen zuerſt ſchrieben und deren man ſich ſpäter⸗ hin bediente, waren ſehr verſchieden. Man ſchrieb: 1. auf Stein, wovon uns die Gebote Moſes, 2513, nach der Erſchaffung der Welt auf ſteinerne Tafeln geſchrieben, das erſte Beiſpiel geben; 2. auf Holz, worauf Solon ſeine Geſetze geſchrieben, und ſelbſt die aͤlteſten Bücher der Römer, genannt Tabulae, be⸗ ſtanden aus feinen hölzernen Tafeln; 3. auf Metalle, worauf einige Weltweiſen Griechenlands ihre Werke ſchrieben; 4. auf Rollen,(verſchiedene Blätter an den Enden zuſammen geleimt oder gelittet, die gewöhnlich nur auf einer Seite beſchrieben wurden und zur Befeſtigung am Ende des letzten Blat⸗ tes einen runden hölzernen Stab erhielten, auf welchen man die aneinanderhängenden Blätter rollte), wovon ſelbſt auch Solon, und beſonders ſein Zeitgenoſſe Ezechiel(Ezechiel Kap. 2, 9. 10. und Kap. 3, 1. 2.) Gebrauch machten; 5. auf Palmblätter, worauf noch vor 150 Jahren indiſche Braminen ſchrie⸗ ben, und den dort gelandeten Europäern ganze Buͤcher davon zeigten. Selbſt die Sybillen der Alten ſchrie⸗ ben ihre Orakelſprüche auf ſolche Blätter, und auf Malven⸗ oder Olivenblätter die Richter von Syra⸗ kus die Namen der Verbannten; 6. auf kleine ſehr duͤnne Täfelchen von Holz, beſonders geglät⸗ tet und mit einer Schichte von flüfſigem Wachs überzogen, in welche Maſſen man dann mit einem Griffel ſchrieb; 7. im 3. Jahrh. v. Ch. auf die ägyptiſchen Papyrusrollen, verfertigt aus Baſt oder Baumrinde und erfunden zu Alerandrien in Agypten. Durch dieſe wichtige und allgemein geſchätzte Erfindung wurden bald überall alle andere Schreibmaterialien abgeſchafft. Ptolomäus Philadelphus, Koͤnig von Agypten, gibt über den Werth und die Brauchbarkeit der Papyrus, durch die Anfertigung und Beſchreibung von zweimalhunderttauſend Büchern für die große alerandriniſche Bibliothek eine ge⸗ nügende Entſcheidung. Noch vor 700 Jahren bediente man ſich der Papyrus, bis endlich 100 Jahre ſpäter deren Gebrauch wieder in Verfall kam; 8. auf Pergament, als Eumenes, König von Pergamus, aus gewiſſen Perſönlichkeiten den Gebrauch der ägyptiſchen Papyrus verbot und Häute einiger Thiergat⸗


