Aufsatz 
Die thessalische Ebene / von Kriegk
Entstehung
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gezählt. Die thessalischen Pferde, im Alterthum der Gegenstand des höchsten Preises ¹) und von der grössten Bedeutung für den Krieg, sind zwar nicht mehr so wie einst geschätzt, und werden in der Türkei denen Albanien's nachgesetzt; noch immer hat aber Thessalien viele und gute Pferde, und die von Larissa und Trikala werden für die besten Griechenland's gehalten 2). Auch die Schafe dieses Landes sind zwar nicht so schön und von so guter Wolle, wie die von Livadien oder gar wie die spanischen und andere; sie werden aber noch immer in grosser Menge von den Thessaliern gezogen, und Leake glaubt zwei antike Epitheta noch immer auf diejenigen Gegenden Thessalien's beziehen zu dürfen, von welchen sie einst ausgesagt worden waren ³). Diese Wörter sind das ouuunlorärn von der Gegend des Böbe-Sees und das süoyros von der in derselben gelegenen Stadt Pherä!. Noch immer nämlich weiden auf den jenem See aulie- genden Höhen zahllose Schafherden, und besonders enthält der Süden des kKaradagh treffliche Weiden für sie.

Für den Ackerbau wird im Allgemeinen der Boden der Ebene gut benutzt, wiewohl nicht so viel producirt wird, als nach der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens geschehen könnte. Hieran ist die ungleichmässige Bewohnung der Ebene und der Charakter der türkischen Verwaltung, namentlich aber die geringe Sicherheit des Privateigenthums in Verbindung mit der Verleihung von Monopolen für die Getraideausfuhr schuld). Wie viel glücklicher die alten Thessalier waren, und wie viel besser sie in Folge ihres besseren Zustandes den Ackerbau trieben, ersieht man aus einigen besonderen Erfindungen, welche sie für denselben gemacht hatten 5), so wie aus der öfteren Anführung Thessalien's bei Theophrast, wenn dieser von Culturpflanzen redet.

Die Haupterzeugnisse des Ackerbaues der thessalischen Ebene sind: Getraide, namentlich Waizen, Gerste, Mais und Reiss, Baumwolle, Tabak und Wein 6). In Hinsicht auf Getraide zählt Theophrast(hist. pl. S, 7. p. 271) Thessalien zu den&νακονς ευοα. Besonders vortrefflich ge- deiht in Thessalien der Waizen. Er liefert dort das Zehnfache der Aussaat, eine Art aber, Deve- dischi- oder Kamelszahn-Waizen genannt, sogar gewöhnlich das Zwölffache und in besonders günstigen Jahren das Fünfzehnfache bis Achtzehnfache 1). Baumwolle wird in grosser Menge, und zwar hauptsächlich in der östlichen Ebene gezogen. Doch scheint die von Trikala die beste

¹) Wer denkt nicht an Theokrit's Wort:Wie die hohe Cypresse das Feld und den Garten, das thessalische Pferd den Wagen ziert, so war Helena die Zierde Lacedämon's?

²) Brown 144., Bartholdy 51 f., Beaujour 176. 182.

³) Holland 280, Bartholdy 52 f., Leake IV, 431. 453.

¹) Vaudoncourt 156 f., Pouqueville III, 31. u. Morée III, 168., Clarke 214, namentlich aber Holland 248. 254. u. 281.

³) Man vgl. Theophr. caus. pl. 3, 20. p. 482 Schneid. und hist. pl. 8, 7. p. 271.

*) Aa‿νιν να εννιειοο 204., Walpole hei Clarke p. 270. Bei Plutarch reip. ger. praec. p. 272. erscheinen Wein und Getraide als die Haupt-Producte Thessalien's. Philostratus(icon. 2, 14.) nennt Oliven, Getraide und Pferde den Hauptreichthum der Ebene. Oliven und Olivenôl führen auch Daniel und Gregorios, sowie Brown(144.) als Haupter- zeugnisse derselben, Dodwell(174.) und Pouqueville(Morée II, 47.) aber als Producte der Gegenden von Velestino und Larissa an. Leake(IV, 398.) sagt: während Magnesien viele Oelbäume habe, fänden sich solche im inneren Thessalien nur an einer oder zwei geschützten Stellen, z. B. bei Stagus Mit der letzteren Angabe stimmt besser, als mit der des Philostratus und der beiden Mönche, welche übrigens vorzugsweise Magnesien im Auge haben, eine von Theophrast(caus. pl. 5, 14. p. 572.) gemachte und von Plinins(17, 4.) ihm nachgesprochene Bemerkung überein: dass nämlich die Laris- säer einst schöne und grosse Oelbaume gehabt hätten, dass aber, scitdem in Folge ihrer Wasserbauten am Nessonis-Sumpf das Land trockener geworden sei, der Oelbaum bei Larissa nicht mehr vorkomme.

¹) Leake IVY, 280., Sibthorp bei Walpole 292.