Aufsatz 
Die thessalische Ebene / von Kriegk
Entstehung
Einzelbild herunterladen

- 32

Der Nezero ist der Nessonis des Alterthums; denn Strabo(9. 440 f.) verlegt diesen in das Gebiet von Larissa an das Ufer des Peneus, und schildert ihn ganz den Beschreibungen gemäss, welche die Reiseberichte vom Nezero geben. Er sagt nämlich: das Gebiet von Larissa sei der fruchtbarste Theil der thessalischen Ebene, mit alleiniger Ausnahme der Niederung des Nessonis (νν eitο οꝓρσsοσα ειοο τποε rn iurn p NæGασσ⁶)f in welche der Peneus zu Zeiten überirete, so dass sie bald von Wasser frei, bald wieder damit angefüllt sei und also nicht wenig Ackerland den Menschen entziehe: doch hätten die Larissäer diese Sumpfstrecke durch Dämme eingegrenzt. Eben dieselbe Sumpfniederung meint Statius(Theb. 4, 143), wenn efeden Centauren Hyleus von dem Ossa herab zu den Peneia stagna gehen lässt. Den Namen Nessonis leitet Strabo von Nesson, einem Sohne des Thettalos, ab. Dieser Namen findet sich in den Handschriften zuweilen Neœdcνlo geschrieben; Tzschucke hat aber zu Strabo 9, 440 gezeigt, dass die Schreibung Neœσxw richtiger ist. Alle unsere Reisenden erkennen die ldentität des Nezero mit dem Nessonis an, ausgenom- men Gell(283) und Dodwell(213). Der Erstere erkennt in dem Nezero den Ascuris-See der Alten; dieser lag aber, wie Livius(44, 2.) aufs klarste Zeigt, im Olympus-Gebirge. Der Letztere hält gar den im Othrys-Gebirge liegenden Daukli-See für den Nessonis, obgleich jener See weit von der Stadt Larissa entfernt ist, und nicht einmal zum Wasser-System des Peneus gehört.

o. Der Karlas-See oder der Boebe-See des Alterthums und seine Verbin- dung mit dem Nezero.

Im Südosten des Nezero, einige Stunden von ihm entfernt, befindet sich ein länglicher, schmaler See, welcher nach einem auf seiner Ostseite liegenden, jetzt zerstörten Dorfe der Karlas- oder Karla-See genannt wird. Dieser See, welchen Beaujour(177) fälschlich auf einem Plateau gelegen sein lässt, ist die tiefste Stelle einer grossen Niederung, die auf drei Seiten von Höhen umgeben ist, und durch dieselben im Osten und Süden vom Meere, im Westen von der thessalischen Ebene geschieden wird, währendsie im Norden oder vielmehr Nordwesten mit der Letz- teren ununterbrochen zusammenhängt. Den östlichen und südlichen Rand dieses Bassin bilden die beiden relativ niedrigen Höhenzüge, welche den Pelion einerseits mit dem Ossa, andererseits mit dem Othrys verbinden. Der westliche Rand ist ein ebenfalls nicht hohes Hügelgebirg, welches von dem zuletzt genannten Höhenzug ausgeht, nach Nordnordwesten hin streicht, und Ka radagh oder Mavrovuni(d. i. schwarzer Berg) genannt wird. Auf allen Seiten, ausser an seinem Anfang, von Ebenen umgeben, zeichnet sich dieser Höhenzug ebenso wohl durch seine isolirte Lage, als auch durch das kleine immergrüne und dunkelfarbige Gehölz ¹) aus, das ihn in seinem südlichen Theile bedeckt, während seine Gipfel nach dem nördlichen Ende hin sehr weiss sind. Kalkfelsen scheinen sein Hauptbestandtheil zu sein. Was den Fuss der Ränder betrifft, welche die Niederung umschliessen, So weicht, ungefähr in der Mitte der Längenrichtung der Letzteren, der östliche Höhenzug etwas zurück und bildet so eine busenartige Einbiegung, und an einer Stelle derselben sitzt der Felsen nackt und steil auf der Niederungsfläche auf, so dass beim Ueber- treten des Sees das Wasser bis zu ihm reicht. Auf der Westseite dagegen erhebt sich fast eben- falls in der Mitte der Längenrichtung eine ganz isolirte, niedrige, aber an vielen Stellen felsige Höhe von etwa 4 engl. Meilen Umfang, deren Fuss ebenfalls vom Wasser des See bespült wird, wenn dieser seinen höchsten Stand erreicht. Sie hat zwei Gipfel, einen spitzigen und einen mehr flachen, welche durch einen Rücken mit einander verbunden sind, und zwischen denen das

¹) Leake nennt diese niedrigen Baume dwarf pinaria. Ich weiss nicht, was damit gemeint ist.