Aufsatz 
Die thessalische Ebene / von Kriegk
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29 * Leake hinzu, dass Homer durch die Vergleichung des Letzteren mit Silber eine poetische Ueber- treibung begehe, und dass die Themse oberhalb des Beginnes der Ebbe und Fluth die Benennung silbersprudelnd eher verdienen würde.

k. Fischreichthum des Peneus.

Der Peneus zeichnet sich, beson ders in der Gegend von Larissa, durch seinen Reichthum an Fischen aus. Die vorzüglichsten Fische desselben sind: Karpfen und Hechte, welche Beide von Lucas die wohlschmeckendsten genannt werden, Rochen, Aale und der Hausen(Acipenser Huso). Der Letztere, welchen die Neugriechen zolecrs nennen, erhält im Peneus eine beträchtliche Grösse, und ist seines delikaten Geschmackes wegen von den Anwohnern sehr geschätzt ¹).

l. Vegetation der Peneus-Ufer.

Bei Catullus(Epithal. 282. 289) erscheinen die Ufer des Peneus blumenreich, und dieser Dichter erwähnt mit Beziehung auf dieselben Buchen, Lorbeerbäume, Platanen, Pappeln und Cy- pressen. Nach den Berichten der modernen Reisenden ist der Fluss an vielen Stellen seines oberen Laufes bewaldet, und verschiedene von jenen Bäumen beschatten noch immer die Ufer desselben dort und in der Gegend von Larissa. An den übrigen Stellen seines Laufes durch die Ebenen dagegen scheinen seine Ufer fast allenthalben baumlos zu sein. Der Vegetation derselben im Tempe, sowie des Peneischen Lorbeers(Laurus Peneia bei Val. Flacc. 1, 386.) ist in meiner Schrift über das Tempe ausführlich gedacht worden. Hier ist nur noch zu bemerken, dass nach der Versicherung Brown's(135) auch ausserhalb des Tempe, näâmlich in der Gegend von Larissa, die Ufer des Flusses viele Lorbeerbäume tragen.

m. Namen des Peneus.

Peneios(Peneus) ist der antike Namen des Hauptflusses der thessalischen Ebene. Der- selbe ist sehr alt; denn er kommt schon bei Homer vor, und ist in die griechische Mythologie verflochten ²). Diesen Namen behielt der Fluss bis in das Mittelalter hinein. Derletzte Schriftsteller, welcher ihn so erwähnt, dass man den Namen Peneus noch als den zu seiner Zeit gebräuchlichen ansehen kann, scheint Prokopius zu sein. Eine adjectivische Form dieses Namens findet sich in griechischen Schriftstellern nicht; in den römischen aber kommen folgende vor: Peneius, Peneis und Peneus ³).

¹) Clarke 270. und daselbst Walpole, Lucas voy. en 1714 p. 48., Hawkins bei Walpole 530.

¹) Nach Hesiod. theog. 344. und Diodor. 4, 69. ist Peneus ein Sohn des Okeanos und der Thetys. Nach Pindar. Pyth. 9, 30. und seinem Scholiasten ist er gleichfalls ein Sohn des Okeanos, und erzeugte mit der Naide Kreusa, einer Tochter der Erde, den Lapithen Hypseus, dessen auch Pherecyd. p. 72. Paris. als eines Sohnes Beider gedenkt. Hellanikus(bei Dionys. Hal. arch. 1, p. 22. 27.) macht ihn zum Vater der mit Pelasgus vermählten Menippe. Die Mythe von der Daphne, einer anderen Tochter des Peneus, ist bekannt. Die Scholien zu Apoll. Rh. 2, 500. führen an, dass Einige den Peneus auch den Vater der Kyrene sein lassen, und Eustathius(ad II. 2, 729.) gibt ihm ausserdem noch eine Tochter des Namens Trikka. Maximus Tyrius sagt(dissert 37), die Thessalier hätten dem Peneus seiner Schönheit wegen göttliche Ehren erwiesen, wie die Egypter dem Nil wegen seiner Nützlichkeit und die Seythen dem Ister wegen seiner Grösse. Er kann dabei nur an die schönen Ufer des Flusses im Tempe und an die in und vor dieser Schlucht gefeierten Feste(zu Ehren Apollo's und Neptun's) gedacht haben.

²) Peneius bei Virg. georg. 4, 317., Ovid. met. 1, 452., Lucan. 8, 33. und Anderen; Peneis bei Ovid. met. 1, 472. und Anderen; Peneus nur einmal, namlich Ovid. met. 7, 230.