— 25—
reits oben(S. 10) angegeben worden. Sogar noch weiter aufwärts, bei Stagus, erscheint der Peneus nach Björnstähl(165) im Frühjahr nur als ein kleiner Bach, wird aber im Herbst, wenn es anhaltend regnet, sehr breit. Derselbe Gegensatz findet etwa 16 Stunden weiter abwärts, bei Larissa, Statt. Dort kann man nach Hadschi Chalfa(S. 102) im Sommer den Peneus durchwaten, im Winter dagegen tritt er, wie bemerkt, sogar mitunter verheerend aus seinen Ufern.
Die Tiefe des Flusses fand Leake(I, 433 f. und IV. 291.) in der Gegend von Zarko, also etwa in der Mitte seines Laufes, nach einem trockenen Herbst an den tiefsten Stellen etwa vier Fuss, einige Jahre nachher aber Ende November sechs Fuss betragend. Er setzt hinzu, dass der Peneus in diesem Theile seines Laufes sogar im Winter ziemlich gleiche Tiefe und Breite be- halte, weil er eines Theils unterhalb der Mündung des Sataldsche-Potamos ausser dem Titaresius keinen grossen Nebenfluss mehr aufnehme, und anderes Theils weiter abwärts sein überflüssiges Wasser in den Nezero- und Karlas-See abgebe. Im Allgemeinen kann man sagen, dass der Peneus erst gegen Larissa hin das Ansehen eines relativ beträchtlichen Flusses erhält. Unter- halb dieser Stadt und im Tempe ist er selbst im Sommer tief, und bei seinem Ausfluss aus der Tempe-Schlucht wird er ein breiter Strom 1). Seine mittlere Breite weiss ich nicht anzugeben. Bei Zarko, wo er durch eine Verengung fliesst, ist er nach Leake 250— 300 Fuss breit; etwa zwei Stunden weiter abwärts(bei Kutzuchero), fand Holland ihn im November nur 150— 180 F. (50— 60 Yards) breit?2). Im Tempe, wo sein Bette durch die Felsen eingeengt ist, hat er nach Hawkins(bei Walpole 530) im Allgemeinen eine Breite von nur 150 Fuss. In seinem unteren Lauf hatte die früher über ihn führende Brücke nach Clarke(301) eine Länge von ¼ engl. Meile, d. h. also von mehr als 1200 Fuss, was doch im Verhältniss zu seiner übrigen Breite et- was viel ist.
Schiffbar ist der Peneus nach Plinius(4, 8.) auf der Haälfte seines Laufes. Die neueren Be- richterstatter sprechen sich, mit Ausnahme Pouqueville's und der Griechen Daniel uud Gregorios, über seine Schiffbarkeit nicht aus. Die genannten beiden Griechen sagen(202):„Der Peneus ist gross genug, um, wenn auch nur für kleine Fahrzeuge, schiffbar zu scein; doch setzen die zwi- schen Larissa und dem Tempe befindlichen Wehren der Schifffahrt Hindernisse entgegen.“ Pouque- ville dagegen erklärt(III, 16) den Peneus für nicht schiffbar, fügt aber hinzu, er könne leicht schiffbar gemacht werden.
Die Alten schildern durchgehends den Peneus als schnellfliessend und wirbelnd, mit Aus- nahme Aelian'’s, welcher ihn im Tempe langsam und sanſt wie Oel fliessen lässt ³), und Prokop's, welcher(de aedif. 4, 2, 3.) sagt, der Peneus fliesse in sanftem Lauf(rοαν τ εσο) vom Ge- birge herab und gehe von Larissa an sehr langsam(t udé οmεπνας) zum Meere. Man muss, um diese Schilderungen recht zu verstehen und mit einander in Einklang bringen zu können, eines Theiles den dichterischen Charakter derselben nicht übersehen, und anderes Theiles nicht nur den Einfluss der verschiedenen Jahreszeiten, sondern auch den Umstand berücksichtigen, dass der Peneus theils durch Thäler, theils durch schluchtenartige Engen, theils über Ebenen hin fliesst. Ueber die Art seines Laufes im Tempe, auf welchen allein Aelian's Schilderung sich bezieht, habe ich in meiner Schrift über diese Schlucht das Nöthige gesagt. Es ist dem dort Bemerkten
¹) Bartholdy 131. 144., Dodwell 20¹.
²) Leake IV, 291., Holland 253.
*) Aelian. V. H. 3, 1. In dem 21sten Homerischen Hymnus vs. 3. wird der Peneus ein xoxaubν⁹ς derjςα, bei Eurip. Herc. fur. 365 ακε⁵³tα⁴έας, bei Seneca Hercul. fur. 2, 288. Thessalus torrens genannt. Bei Callim. in Del. 111— 115. u. 1 32. erscheint er als ein sehr ungestümer Fluss, und vs. 149 werden seine dοαz dέτα erwähnt.


