Aufsatz 
Die thessalische Ebene / von Kriegk
Entstehung
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Vaudoncourt(148) und Beaujour(181 f.) halten ihn mit Recht für den Lethäus der Alten, wel- cher nach Strabo(14, 647.) bei Trikka, dem heutigen Trikala, vorbeifloss.

Von den beiden Flüssen, welche nach den Orten Liberysso und Mikro-Tzigoto benannt werden, muss einer der Kuralius des Alterthums gewesen sein, weil dieser nach Strabo (9, 438) durch den oberhalb der Gegend von Larissa endigenden, auf der linken Seite des Peneus gelegenen östlichen Theil von Hestiäotis dem Peneus zufloss. Die Karte von Rhigas und Vau- doncourt halten den Mikro-Tzigoto, den sie Pamento benennen, für den Pamisus, was, wie oben (S. 16.) nachgewiesen wurde, ein Irrthum ist ¹).

Der Saranta-Poros oder Xeraghi. Ueber seinen Lauf finden sich fast blos bei Leake nähere Angaben. Der Saranta-Poros entsteht aus zwei Hauptarmen, welche Beide im Olympus ihre OQuellen haben. Der eine heisst von der Stadt Alassona(Elason), der Elasonitiko; der andere, dessen Quellen weiter nördlich sind, führt den doppelten Namen Vurgari und Sa- randoforo. Der Erstere entspringt zwei bis drei Stunden nordöstlich von Alassona zwischen Skamnia und Selos, kommt bei Alassona als ein reissender Fluss aus einer grossen Schlucht des Olympus in die Ebene hervor, geht dann nach Westen am Fusse der Höhen hin, welche die Nordseite der Ebene begrenzen, und tritt hierauf am nordwestlichen Ende derselben in ein Thal (das Thal von Domeniko). In diesem nimmt er bei Amuri den anderen Hauptarm, den Vurgari oder Sarandoforo, auf. Die vereinigten Arme fliessen dann zwischen Bergen südlich und südöst- lich weiter, und treten eine Stunde westlich von Turnovo durch eine sehr enge Schluchtenöffnung in die Ebene von Larissa ein, in welcher ihnen links der Bach Krya-Vrysi zufliesst. Der Fluss geht hierauf durch die Ebene über Turnovo, und mündet eine Stunde von dieser Stadt entfernt zwischen Misalari und Kazaklari in den Peneus. Bei Turnovo fand Leake den Saranta-Poros das eine Mal, wo er ihn kurz vorher bei Alassona als einen beträchtlichen Fluss erkannt hatte, fast ganz ausgetrocknet und das andere Mal, obgleich vorher kein Mangel an Regen gewesen war und der Fluss auf seinem Laufe viele Bäche in sich aufnimmt, sehr seicht; er glaubt deshalb, dass der Namen Xeraghi(d. i. trockner oder magerer Fluss), welchen der Fluss bei Turnovo führt, von dieser Beschaffenheit seines unteren Laufes herrühre. Zu Zeiten wird jedoch auch hier der Fluss gross und reissend, weshalb auch die Brücke von Turnovo nicht weniger als 15 Bogen hat. Die gewöhnliche Wasserarmuth des unteren Saranta Poros rührt theils von einem Kanal her, welchen man zur Bewässerung der Gärten und Pflanzungen Larissas aus der Gegend von Turnovo nach Larissa geführt hat, theils von dem Umstande, dass auch weiter aufwärts ein bedeutender Theil seines Wassers abgeleitet wird, um die dortigen Tabak-, Mais- und Baumwol- lenfelder zu bewässern. Im Alterthum mag er deshalb auch im unteren Theile Jahr aus Jahr ein ein beträchtlicher Fluss gewesen sein.

Der Saranta-Poros ist derjenige Fluss des Alterthums, welcher zu Homer's Zeit Titaresios, zu Strabo's Zeit Eurotas genannt wurde; denn Strabo sagt, indem er beide Namen für identisch erklärt, der thessalische Eurotas entspringe auf einem an den Olymp stossenden Berge, fliesse am Fuss des Olymp hin und münde kurz vor dem Tempe in den Peneus ²). Ueber eine von Homer

2) Pouqueville, Grèéce vol. III, p. 39. erklart den Mikro-Tzigoto für den antiken Fluss Atrax. Es gab aber in Thessalien keinen Fluss, sondern nur eine Stadt dieses Namens, und alle von Pouqueville zum Beleg angeführten Autoren

reden nur von einer Stadt Atrax. *²) Strab. 7, 330. u. 9, 441. Wie Vaudoncourt p. 152. sagen konnte, der bei Alassona vorbeifliessende Fluss sei der

antike Eurotns oder Kuralius, ist unbegreiflich.