— 16—
Beide werden aber in regnerischen Jahreszeiten wasserreich und reissend. Vaudoncourt, Leake, die Karte von Lapie und Otfried Müller(in seiner Karte von Graecia superior) halten diesen Fluss für den Pamisus der Alten. Pouqueville(III, 38 f. u. 85 f.) ertheilt den Namen Pamisus einem Flusse, welcher mehr östlich(wie es scheint, in der Ebene selbst) zwischen Kurtscha und Xylo- parissi entspringen und bei Plokovo in den Peneus fallen soll. Ein solcher Fluss könnte wohl in dieser Gegend dem Peneus zuströmen, und die Karte von Rhigas bezeichnet auch einen solchen, den sie jedoch fälschlich Phönix benennt und zwischen Siuti und Zarko in den Peneus münden lässt. Lapie aber lässt den bei Kurtscha und Xyloparissi entspringenden Fluss nicht, wie Pouque- ville angibt, in den Peneus, sondern in dessen Nebenfluss Sataldsche-Potamos fallen. Wir unserer- seits müssen diesen Fluss als einen erst noch sicherer anzugebenden bezeichnen, und haben ihn deshalb auch oben(bei der Beschreibung des Peneus-Laufes) nicht erwähnt. Was dagegen Pouque- ville betrifft, so hat er seinen Ausspruch: une rivière que je crois être le Pamise wieder mit nichts Anderem belegt, als mit den Worten: Hérodote et Pline placent un fleuve de ce nom dans la Thessalie, vid. Ortelius.
Wir sind der Ansicht der oben genannten Männer, nach welcher der Fanari-Fluss für den Pamisus zu halten ist, und zwar aus folgendem Grunde. Nur zwei Schrifisteller des Alterthums, Plinius(4, 8) und Herodot(7, 129. 196), thun des Pamisus Erwähnung. Der Erstere führt ihn nur dem Namen nach an. Herodot sagt, die thessalische Ebene habe fünf grössere Flüsse, welche alle nach und nach in Ein Bette sich sammelten und durch das Tempe strömten ¹), nämlich den Peneus, den Apidamus, den Enipeus, den Onochonus und den Pamisus, und von diesen habe nur der Onochonus zur Tränkung des grossen persischen Heeres nicht hingereicht. Die gröss- ten Flüsse der thessalischen Ebene sind aber der Peneus, der Saranta-Poros, der Fanari-Fluss und die sich mit einander vereinigenden Flüsse Apidanus und Enipeus. Nun sind die letzteren Beiden, wie wir nachher zeigen werden, mit dem jetzigen Sataldsche-Potamos und einem Neben- flusse desselben identisch, der Saranta Poros aber ist der Titaresius des Alterthums; und es kann also nur der Fanari-Fluss der Pamisus gewesen sein. Was übrigens, um bei dieser Gelegenheit auch hierüber zu reden, den Onochonus betrifft. so gedenken seiner ausser Herodot nur noch Plinius(4, 8.) und Tzetzes(ad Lycophr. 1424, wo der Fluss Orνωω heisst); Beide geben aber blos seinen Namen an. Es steht also nur fest, dass er ein Nebenfluss des Peneus, und zwar einer der kleineren ist. Aber welcher von den vielen kleineren Nebenflüssen des Peneus bei den Alten Onochonus geheissen habe, ist zu bestimmen unmöglich. Leake(IV., 514) hält einen zum System des Nessonis- und Boebe-See gehörenden Fluss für den Onochonus, obgleich, wie er hinzufügt, dann Herodot Unrecht gehabt habe, ihn einen Nebenfluss des Peneus zu nennen. Die letztere Be- merkung ist auffallend, weil ja ein durch den Nessonis-Sumpf mit dem Peneus in Verbindung stehender Fluss ein Nebenfluss von diesem genannt werden könnte. Dagegen ist der von Leake für seine Ansicht vorgebrachte Grund nicht stichhaltig. Leake meint nämlich, dass der Onochonus, weil die Perser auf ihrem Marsche über ihn kamen, im östlichen Thessalien zu suchen sein müsse; aber dann hätte er ja auch den Fanari-Fluss nicht für den Pamisus halten dürfen. Ein so unge- heueres Heer, wie das persische des Xerxes war, kann nicht auf einer einzigen Strasse gezogen sein; dasselbe muss vielmehr, zumal da es beim weiteren Marsche nach Mittelgriechenland auf-
¹) Vorausgesetzt, dass Herodot mit dem Ausdruck rerre»oν doνν νμοτα ouu die Grösse oder den Wasser- reichthum dieser Flüsse hat bezeichnen wollen; in welcher anderen Hinsicht aber hätte ein Pamisus oder ein Onochonus dGuiuos genannt werden können?


