Aufsatz 
Die thessalische Ebene / von Kriegk
Entstehung
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Diese Haupt-Wasserader der thessalischen Ebene ist für dieselbe in gewisser Hinsieht das- selbe, was für Egypten und die südlich von ihm gelegenen Länder der Nil ist. Der Peneus füllte einst, gleich dem Nil in Nubien, die Ebene mit seinem Wasser aus; er gab ihr den Anschwem- mungsboden, der sie erst bewohnbar gemacht hat; er erhält ihr fortwährend diesen Charakter dadurch, dass er das Uebermass ihrer Gewässer zum Meere hin leitet. Mit Recht nennt daher Euripides(Troad. 216.) die thessalische Ebene das Land des Peneus G Ireio?α), und mit gleichem Rechte bezeichnen Catull(epith. 282) und Seneca(Hercul, fur. 2, 288) diesen Fluss, ohne seinen Namen auszusprechen, damit, dass sie ihn schlechtweg den Fluss Thessalien's nennen.

c. OQuellen und oberer Lauf des pPeneus.

Der Peneus entspringt im Herzen des Pindus-Gebirges oder des heutigen Mezzovo-Gebirges!¹). Sein Quellgebiet, welches den höchsten Theil dieses Gebirges in sich begreift, gehört hydrogra- phisch zu den merkwürdigsten Gebirgsgegenden Griechenland's; denn im Pindus entspringen, nahe bei einander, fünf der bedeutendsten griechischen Flüsse, der Peneus im Osten der Ache- lous(Aspropotamos) im Süden, der Arachthus(Arta) im Südwesten, der Aous(Noiussa) im Nordwesten und der Haliakmon(Indschekarasu) im Nordosten. Der OQuellen des Peneus sind mehrere. Zwei entspringen in dem Berge, welcher der Zygos von Mezzovo genannt wird, und zwar die eine auf der Nordseite desselben oder auf dem Zygos Prosilion, die andere auf seiner Südseite oder auf dem Zygos Anilion. Sie vereinigen sich bei dem etwa zwei Stunden von der ersteren Qudile entfernten Khan von Malakassi mit einander. Mehrere andere Quellen kommen vom Berg Dokimi herab, welcher im Südwesten des Zygos sich an diesen anlehnt. Die nördlichste der Quellen des Peneus wird, obgleich ihr Wasser schon nach sehr kurzem Laufe sich mit dem längeren Bache einer südlichen Quelle vereinigt, von Leake für die Hauptquelle oder vielmehr für die berühmteste Quelle gehalten, weil sie aus einem in der Volkssage wichtig gewordenen und vielleicht schon in alter Zeit wichtig gewesenen Felsen hervorkommt. Dieser Felsen heisst der Milchstein(alrriene 77009) wegen des weissen kalkigen Niederschlages der Ouelle, und weil in den benachbarten Dörfern die Sage geht, dass der pulverisirte und in Wasser aufgelöste Stein dieses Felsens die Erzeugung der Milch fördere ²).

Die Hauptrichtung, welche der Peneus auf seinem Laufe nimmt, ist bis Trikala, d. h. wäh- rend des ersten Drittels seines Laufes, eine südöstliche, dem Zug der Gebirgskette, welche Thes- salien von Epirus trennt, parallele. In der Gegend jener Stadt nimmt der Fluss, in die offene thessalische Ebene eintretend, eine vorherrschend östliche Richtung an, bis er von Larissa an sich wieder wendet, um auf dem letzten Drittel seines Laufes nach Nordosten hin zu fliessen und sich fast auf derselben Linie nördlicher Breite, auf welcher seine Quellen liegen, in den Ther- mäischen Meerbusen(den Busen von Salonichi) zu ergiessen.

2) Daher gebar, wie es Pindar. Pyth. 9, 30. heisst, die Nais Kreusa dem Peneus ihren Sohn Hypseus Ierεoν ετεενκα r ruxas. Ein grober Irrihum ist die Angabe Prokop's(de aedif. 4, 2, 3.): Oet 6 Tir⁴ε εε dοου r IIr 14. Piolemaus gibt(3, 13) die Haupiquelle des Peneus nach Lange- und Breite-Graden an; allein bei der Verdorbenheit des Textes dieses Schrifistellers, welcher noch immer eine durchgehende kritische Behandlung erwartet, kann diese Angabe nichts nützen.

²) Die Hauptstellen über die Peneus-OQuellen sind: Pouqueville III, 10 13., Holland 221. und 227., Beaujour 183., Leake I, 415. u. IV, 278.

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