Aufsatz 
Die thessalische Ebene / von Kriegk
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Ebenso richtig ist endlich vielleicht die Meinung Mancher. welche aus dem Umstande, dass Homer von dem grösseren Theile der thessalischen Ebene keine bewohnten Orte anführt, den Schluss ziehen, dass diese Ebene damals noch schr sumpfig gewesen sei.

Merodot legt(7. 328330) dem Perser-König Xerxes den Gedanken in den Mund, dass man- durch künstliche Verschliessung des Tempe die thessalische Ebene ganz unter Wasser setzen und ihre Bewohner ertränken könne; und es ist interessant, über diesen auf einer richtigen An- sicht bernhenden Ausspruch¹) das Urtheil eines denkenden und erfahrenen Reisenden zu ver- nehmen Hawkins(bei Walpole 53 4) sagt, nachdem er Herodot's Worte angeführt hat:Dieser pralende Ausspruch des Königs Xerxes verräth eine richtige Vorstellung von der physisch- geographischen Beschaffenheit Thessaliens: denn die Sperrung des Tempe, durch die Anstreng- ungen eines ungeheueren Heeres oder auch durch ein Erdbeben zu Stande gebracht, würde ohne Zweifel eine Ueberschwemmung herbeiführen, welche zuerst den östlichen und dann auch den westlichen Theil der thessalischen Ebene unter Wasser setzen würde. Es ist in der That nicht möglich. die Fläche dieser ausgedehnten Ebenen und die sehr feste Masse der sie umgebenden Gebirge zu betrachten. ohne an eine solche frühere Wasserbedeckung zu glauben, welche ebenso, wie sie offenbar durch die Eröffnung des Tempe verschwand., durch die Verschliessung desselben wieder hergestellt werden kann. Auch möchte sich die Entstehung des Tempe schwerlich anders erklären lassen, als indem man sie, in Uebereinstimmung mit den ältesten Einwohnern des Lan- des. der Wirkung einer heftigen Erderschötterung zuschreibt.

3. Gewässer der Ebene.

a. Allgemeines.

Die thessalische Ebene ist, wie wir gesehen haben, ein grosser Gebirgskessel mit einem sich weit ausdehnenden, flach liegenden Boden. Aus diesem Boden steigen einzelne Hügel und Hügelzüge hervor, welche aber der Grundform des Ganzen keinen Eintrag thun. Ebenso finden sich hier und da Vertiefungen, die entweder als Sümpfe und Seen lokale Ueberreste des frühe- sten Zustandes der Ebene sind, oder als Flussbetten die von den Gebirgen herabkommenden Wasser zu der noch tieferen Hauptrinne, dem Bette des Peneus, und durch dieselbe zum Meere hin führen ²). Diese Hauptrinne ist nämlich, gleich dem Bette der Elbe in Böhmen, der natürliche Ranal, welcher alle fliessenden Gewässer des Gebirgskessels in sich aufnimmt, und durch die einzige Oeffnung des Letzteren in das Meer leitet. Was aber die stehenden Gewässer der Ebene betrifft, So sind der Nessonis und der Boebe, welche wir unten näher beschreiben werden, die grössten Seen oder, wie man sie richtiger bezeichnet, Sumpfseen der Ebene. Ihnen zunächst ist in Hinsicht auf Ausdehnung eine sumpfige Stelle zu nennen, welche wenige Stunden südöst- 00 Ouνε νιι πταα ννςνφπ πιειιμνκ⁴ανιεμνηνν τ‿ àτμι‿εοι cαν, 2⁴ τν αμααμνα οπ ειπιιαενωσνπποε αά⁴ νπηm τοο μνmπ τα Ciε τννν Houde f rer⁵en don etc. Auch Leake(1, 433 435) sagt von zwei Stellen der thessalischen Ebene, der Boden sei demjenigen ahnlich, welchen der Nil in Eeypten niedergelegt habe.

¹) Dass Herodot aus eigener Ansicht spricht, geht aus der sehr bestimmten Art und Weise hervor, in welcher er am Ende des 329sten Kapitels über die Beschaffenheit des Tempe redet

²) Maximus Tyrius sagt(T II. p. 285 Reisk.), Thessnlien leide ebenso an Ueberschwemmungen( Oerralta 2mi- 11ra*), wie Attika an der Pest und Sparta am Uebel der Erdbeben. Er dachte dabei aicht an die Regelmassigkeit oder

Haufigkeit der Ueberschwemmungen, sondern, wie die Zusammenstellung mit dem über Attika und Sparia Gesagten zeigt, an die Tradition, dass Thessalien einst ein See gewesen sei.