3. Entstehung der Ebene.
Durch das ganze Alterthum hindurch war man der Meinung, dass ursprünglich der einzige natürliche Ausgang aus der thessalischen Ebene, das Tempe, geschlossen gewesen sei, dass also die diese umlagernden Gebirge und Hügel-Plateaux ununterbrochen mit einander zusam- men gehangen hätten, und dass die Ebene wegen der vielen Gewässer, welche von allen Seiten in sie hinabströmen, ein grosser Binnensee gewesen sei. Man glaubte ferner, dass durch eine unterirdische Kraft jener Gebirgskreis da, wo jetzt das Tempe ist, auseinander gerissen, so ein Abfiuss-Kanal für den See gebildet und das innere Thessalien zu einem bewohnbaren Lande ge- macht worden seil). Oder vielmehr man sagte, Poseidon oder Herakles habe das Gebirge im Tempe gespalten und so die thessalische Ebene geschaffen: etwa gerade so, wie die luder die Oeffnung und Entwässerung ihres Thallandes Kaschmir einem Gotte und die Anwohner des El- borus-Gebirges die Entstehung eines ihrer Gebirgspässe einem gewaltigen Schwertstreiche Ali’'s zuschreiben ²).
Dass die thessalische Ebene ebenso, wie unser Böhmen, das trocken gelegte Bette eines kandsees ist, bezweifelt auch heut' zu Tage niemand. Die Beweise dafür habe ich in meiner Schrift über das Tempe angegeben. Auf diese mich beziehend, hebe ich hier nur den einen Um- stand hervor, dass die Beschaffenheit der Thalwände des Tempe eine erst nach der Bildung der Grenzgebirge Thessalien's Statt gefundene Entstehung dieses einzigen Abzugskanals der thes- salischen Gewässer anzeigt. Auch der ganze Form-Charakter der Ebene und ihrer Umgrenzung ist ein so sprechender Beweis dafür, dass der Reisende, selbst wenn er nichts von jener Tradition des Alterthums wüsste, schon durch den blossen Gesammtanblick des Landes unwillkürlich zu der gleichen Annahme gedrängt werden würde.„Es ist, sagt z. B. Holland(280 u. 361), unmög- lich, von irgend einem der thessalischen Grenzgebirge auf die Ebene hinabzublicken, ohne dass diese Meinung sich uns aufdrängt und der Phantasie das Bild eines ungeheuren Sees vorschwebt, zumal da die eigenthümliche Formbeschaffenheit jener Gebirge eine solche Vorstellung sehr unterstützt.“
Es versteht sich von selbst, dass die thessalische Ebene, nachdem ihre Gewässer einen Ab- fluss ins Meer erhalten hatten, nicht auf einmal ein bewohnbares Land geworden ist. Ihr Boden musste vielmehr nicht allein noch längere Zeit sumpfig bleiben, sondern es erhielten sich auch später noch an einzelnen Stellen Seen und Sümpfe, bis die Flüsse nach und nach durch An- schwemmung und durch tieferes Einschneiden ihre Betten vollständig ausgebildet hatten. Sogar noch jetzt sind aus jener Zeit einzelne Sümpfe und Seen übrig geblieben, von welchen der Nessonis-Sumpf und der Boebe See die grössten sind. Diese erkannte schon Strabo(9, p. 430) für Ueberreste der Urzeit Thessalien's. Ebenso richtig und dem Gange der Dinge entsprechend ge- braucht Philostratus bei der Beschreibung eines Bildes dieser Ebene den Ausdruck aiννπτεαεεε ³).
1) Aàdre dεαοαανν ννν⁴νοων νυνοειέιηνισννᷣ heisst es bei Athenae. 14, p. 639 f., 6æνειν ã T'eunn do-„ouενεκ⁴α, 2 dud o dε⁴α‿ςα*μαμνανοσ duνωάσ τ ri*e lluvne i0ο 2u⁴⁴οι ς τ το⁷ IIε⁸ 0e900, τσν Ʒπτο⁴⁶eεσων τυι⁴σεοισαά TuOαeν dιαοαe reuuνμονϑσόσν, α dαeeouνν rνν uν eedud aννμαοειτ⁶ uεꝓνεσνιι ενα τm⁊⁴‿εέι eαμάασασ νέςοια
²) S. Ritter's Erdkunde Th. III. S. 1091. und Th. VIII. S. 510. Alle über die Entstehung der thessalischen Ebene
handelnden Stellen griechiseher und römischer Schriftsteller habe ich in meiner Schrift über das Tempe S. 35— 39 angegeben.
³) Icon. 2, 10. p. 831: Alrunradeoee dr* Ooßodr iõ pαννέι ε 1d„οsε d curie(der Gegenstand des Bildes) dr oriοτs, dl²*2' olud Oerraldor. Apum rlois uer râο adò Weor(ανο Vszou, Jacobs.) ⁷, Gerralo de ITnveuds


