Aufsatz 
Die thessalische Ebene / von Kriegk
Entstehung
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erscheinen Seen, Sümpfe, Ebenen und Flüsse als die Hauptbestandtheile dieses Charakters ²). Die betreffende Stelle des Apulejus(met. 1. init.) ist Seither der Aufmerksamkeit der Geographen entgangen, weil in ihr das Wort Thessalien nicht gebraucht wird; sie stellt den Haupt-Charakter der thessalischen Ebene und der sie umgebenden Gebirge kurz und richtig in folgenden Worten dar: ardua montium, lubrica vallium, roscida cespitum, glebosa camporum. Apollonius Rhodius (3. 1085 ff.) schildert die Ebene in folgenden Versen: Por ai&ετονσ περοιομο oOouoectpala, IHduaær eroende ε ²di r oros. Ruripides(Troad. 216) nennt die Ebene rdr TIreεiou eurdr Tuαν,*ονπ Oνϋᷣον ναo or. Livius endlich(32. 1) gibt folgende Beschreibung von dem überraschenden Anblick, welchen die Ebene gewöhrt, wenn man aus den Pässen des Othrys- Gebirges herabsteigend bei der Stadt Thaumaci oder Thaumakos(Domoko) ihrer zum ersten Male ansichtig wird: Thessaliaeque transeunti confragosa loca implicatasque flexibus vallium vias, ubi Ventum ad hanc urbem est, repente velut maris vasti sie immensa panditur planities, ut sub- jectos campos terminare oculis haud facile queas. Ab eo miraculo Thaumaci appellati. Uebrigens stimmen die neueren Reisenden mit diesem Auspruche des Livius vollkommen überein; Dodwell z. B.(212) sagt, die Aussicht von Thaumakos aus sei eine der grössten und herrlichsten, die er jemals erblickt habe. Von der thessalischen Ebene überhaupt und ihrem Anblick sagt Beaujour (176):Der Anblick, welchen dieses ausgedehnte Amphitheater nach allen Seiten hin darbietet, ist einer der imposantesten, die es in der Welt gibt: im Norden liegt der mit Schnee bedeckte Olympus, im Osten die Gebirge Ossa und Pelion, welche auf einander gestützt zu sein scheinen, im Süden der Othrys, der von fern wie eine Vorstufe des Oeta-Gebirges aussieht, und im Westen die quellenreichen Gipfel des Pindus.

Eine Durchforschung und Beschreibung der thessalischen Ebene, sowie Thessalien's über- haupt ist zwar noch immer ein sehr schwieriges, aber auch ein dankenswerthes Unternehmen; denn nicht leicht bedarf ein anderes historisch wichtiges Land so sehr einer gründlichen Unter- suchung, damit die vielen über dasselbe verbreiteten Ierthümer beseitigt werden. Wir wieder- holen dabei nicht etwa das schon vor langer Zeit von Gosselin ausgesprochene Wort, dass der grösste Theil von Nordamerika uns besser bekannt sei, als Griechenland, sondern wir behaupten sogar, dass trotz der oben in einer Note angezeigten vielen neueren Reisewerke irrthümliche Ansichten über Thessalien und seine einzelnen Lokalitäten bestehen, ja sogar zum Theil erst durch diese Geltung erlangt haben. Als Beispiele führen wir an: den Boebe- oder Karlas-See, wel- cher ausser bei Leake überall als vom Nezero oder Nessonis völlig getreunt erscheint; den Api- danus, der nach Pouqueville und nach der berühmtesten der neueren Karten(der in Betreff Thessa- lien's fast blos nach den Angaben Pouquevilles und Gells gearbeiteten Carte physique, histo- rique et routière de la Grèce vom Chevalier Lapie, Paris 1826) in der Gegend von Alifaga und Kutzuchero, nach Leake aber um die Haälfte der von da nach Trikala führenden Strasse weiter aufwärts mündet; endlich den durch Trikala fliessenden Fluss, welcher nach den bisherigen Berichten bei dieser Stadt, nach Leake aber erst eine sehr beträchtliche Strecke weiter abwärts mündet(und doch führt die Strasse, auf welcher alle dort gereisten Beschreiber gezogen sind, in der Nähe des Peneus und parallel mit demselben hin). Ein anderes Uebel für die geographische Darstellung Thessalien's ist der U'mstand, dass kein einziger der oben angeführten Reisebe- schreiber ein Geognost, kein einziger ein Geograph im eigentlichen Sinne des Worts war. Die

²) Ael. Aristid. Asclep. p. 42: fau*αν, τ⁴α, rorauo.