Aufsatz 
Einige Ideen über die bei formeller Geistesbildung zu beobachtende Harmonie
Entstehung
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Intereſſe an wiſſenſchaftlicher Beſchäftigung erwecken läßt, dies von der Neu⸗ gier entlehnen wollte.

) Dies gilt auch durchgehends von allen eigentlich dem Object ent⸗ liehenen Reizen, welche ein blos pathologiſches Intereſſe begründen. In dieſer Bedeutung darf der wiſſenſchaftliche Unterricht nie intereſſant ſeyn wollen. Ei⸗ ne intereſſante Darſtellung wiſſenſchaftlicher Gegenſtände hat an ihrem Orte ih⸗ ren Werth, wenn aber die Erziehung eine Abſicht damit verbindet, was ſie doch vernünftiger Weiſe muß, ſo kann dieſe nur die ſeyn, entweder die höhe⸗ ren Geiſtesthätigkeiten zu beleben oder die Objekte jener Darſtellung dem Ge⸗ dächtniſſe leichter einzuprägen. Nun kann zwar durch das Intereſſante die Auf⸗ merkſamkeit gereizt werden, aber doch wohl nur für das Intereſſante ſelbſt; wiſſenſchaftliche Gegenſtände hingegen, welchen ſich weiter kein Reiz für Sinn und Einbildungskraft abgewinnen läßt, müſſen Langeweile erwecken. Ohne fer⸗ ner den angegebenen materiellen Nutzen anfechten zu wollen, bemerke ich nur, daß es gerade das leichteſte Geſchäft der Erziehung iſt, manche Kenntniſſe ein⸗ zuprägen, daß diefelbe, wenn ſie nicht halb ſeyn will, noch eine höhere Auf⸗ gabe hat, nämlich Energie des Geiſtes und Ernſt und Ausdauer für ein fort⸗ gehendes Studinm und den künftigen Beruf zu begründen.

So kann man z. B. die Geſchichte durch ein Romanencolorit und Aus⸗ hebung der intereſſanten Thatſachen anziehender zu machen vermeinen, auch wohl die beſondere Funktion des Ergreifens dem Gedächtniß wirklich erleichtern. Was hat aber der Jüngling am Eude mit den Anekdoten, in die ſich dann nebſt den Jahrszahlen, die ganze Geſchichte zerſetzt für das Leben gewonnen? Er iſt die⸗ ſer großen Schule der Humanität vorbeigeführt, und das erhabenſte, im Geiſte Gottes gedachte Schauſpiel iſt ſeiner Seele zu einem optiſchen Kaſten erniedrigt worden.

Darum hat formelle Bildung vor Allem dahin zu trachten, daß nicht das Objekt des Lerneus ſondern das Lernen ſelbſt den Zögling feſſele. Selbſt ohne Hülfe des logiſchen Intereſſe des Erkenntuißtriebes, an dem was unſere Einſicht vermehrt braucht man hier nichts zu erzwingen..

Jede Thäͤtigkeit, in welcher ſich Kraft entbindet, in welcher der Menſch an ſein Selbſt gemahnt wird, iſt mit einem doppelten Gefühl der Luſt verbun⸗