Aufsatz 
Einige Ideen über die bei formeller Geistesbildung zu beobachtende Harmonie
Entstehung
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Sprachen. Die Sprache an und für ſich ſelbſt, und blos grammatiſch ange⸗ ſehen, iſt eine fortgehend⸗ angewandte Logik*). Man könnte dieſe Beſchäfti⸗ gungsart in Hinſicht auf den angegebenen Zweck noch enger beſtimmen, daß ſie philologiſch ſeyn müſſe.

. Die einfachſte Methode aber, aller Ueberfüllung und Vergeßlichkeit vor zubeugen, und ein flüchtiges Gedächtniß in ein treues zu verwandeln, iſt, die eingelernten Vorſtellungen der Bearbeitung des Verſtandes hinzugeben.

6) Ferner dem Mangel an Beherrſchung und Leitung der Aſſociation, der niederen unwillkührlichen Gedankenverbindung, wird abgehotſen durch Reflexion, A den willkührlich ordnenden Verſtand. Es iſt oft in der Schule verſäumt wor⸗

*) Schelling. S, Methode des akademiſchen Studiums S. 76.

Zur Rechtfertigung dieſer engeren Beſtimmung mögen hier noch einige Worte ſtehen. Analog dem von Pythagoras, im ſchönen Gefühl der menſchlichen unvollkommenheit ſtatt ragos, eingeführten Ausdruck iασορε iſt Pdonæ das Streben nach Erfaſſung: das Esforſchen des A%. Dies bezeichnet nun nie Sprache, als Syſtem der Rede⸗ zeichen;(¶ε̈vradad, Juu*⁵εαeάμια,) ſondern, wie ſchon ſein Gebrauch in Logik and die Bedeutung von àέμεμα σ darthut, Erwägung, dann die Form des Erwogenen, das Syſtem der Verhältniſſe unrerer Begriffe und Gedanken, wofür man oft das deutſche Wort Rede gebraucht, und welches in der Sprache ſeinen objektiven Aus⸗ druck, das Medium ſeiner Mittheilung, findet. Die Rede iſt bei allen Völkern dem⸗ nach dieſelbe; die Sprache verſchieden. Philologie, ohne Rückſicht auf das Etymon ſeit Plato für Erlernen, im Gegenſatz des Erforſchens, der Philosophie, und ſeit den Alexandrinern gar allgemein für Alterthumswiſſenſchaft gebraucht, iſt, in ur⸗ ſprünglicher Bedeutung, Erforſchung der Rede, welche ſich nach den Geſetzen des Verſtandes in der Sprache entfaltet hat. Ihr Ideal aber iſt erne wiſſenſchaftliche Conſtruktion der Rede, eine abſolute Grammatik. Mag man aber auch Philologie in eigenthümlicher Bedeutung, oder in allgemeinerer, gebrauchen, ſo iſt doch gewiß, daß man als Sprachmeiſter gar wohl das Einlernen einer Sprache leiten kann, oh⸗

ne Philolog und fähig zu ſeyn, eine nach den Geſetzen des Verſtandes ausgebildete Sprache ſo zu lehren, daß ſie die Thätigkeiten des Verſtandes wieder anregt und übt, und neben materieller Bildung auch für formelle erſprießliche Folgen hat. 2