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Wenn nur ſeine Subjektivität nicht durch vorgefaßte Meinungen ge⸗ trübt iſt, ſo wird im ſteten Umgang mit dem, keiner durchgeführten Verſtel⸗ lung fähigen, Zögling, die Individualität deſſelben ſeiner Kenntniß ſich gleich⸗ ſam aufdringen Alle Theorie vertritt oder ergänzt ihm wenigſtens eins der zu ſeinem Berufe weſentlichſten und ſchöuſten Talente, der Beobachtungsgeiſt; in dieſer Hinſicht die Gabe: den lebendigen Menſchen in ſeiner Eigenthüm⸗ lichkeit, leicht, rein und klar aufzufaſſen. Uebrigens geben in intellektueller Hin⸗ ſicht ſchon die Wiſſenſchaften, zu welcher ſich der Zögling hingezogen fühlt, ſo wie ſeine Art, darin thätig zu ſeyn, ſehr lehrreichen Aufſchluß.
b) Sicherer und genauer wird die Kenntniß geiſtiger Kräfte und Thä⸗ tigkeiten, nach ihrer Stärke, Energie nnd Cultur durch eine Prüfung vermit⸗ telt. Dieſe darf aber nicht eine Catecheſe ſeyn, nach welcher ſich unr quanti⸗ tatio die Maſſe der erlernten Kenutniſſe ſchätzen läßt, ſondern eine andere, de⸗ ren Wichtigkeit und Schwierigkeit Sokrates ſchön durch den Ausſpruch anden⸗ tete: daß er den Genius über die Aufnahme der Zöglinge befrage. Der Zweck dieſer verſuchenden, ſokratiſchen Prüfung iſt, den qunlitativen Grad der Energie und Cultur der höheren geiſtigen Vermögen zu erforſchen. Rur die Andeutung iſt hier möglich, daß ihre einfachſte Methode die iſt, den Verſtand nach ſeinen verſchiedenen Funktionen, in Begriff, Urtheil und Schluß zum Handeln auf⸗ zufordern. 1 4
Auf dieſe Weiſe zur Kenntniß der vorberrſchenden geiſtigen Kräfte und Thätigkeiten, und des Grades ihrer Cultur gelangend, muß der Erzieher die Methode dem indioiduellen Bedürfniß des Zöglings akkommodiren.
Bevor ſich aber Etwas über Behandlung ſagen läßt, iſt es nicht über⸗ flüſſig zu erinnern, daß der Mangel der Kraft von ihrer Schwäche; bei der Kraft aber die Thätigkeit von dem Vermögen(potentia, activa facultas)*);
¹) Leibnitz in act erud. a. 1604. 8 117. Potentia viva nihil aliud est, quam pro- pinqua agendi facnltas, quae tamen aliena excitatione et velut stimulo indiget, nt in actum transkeratur. ete. Baumgartens Metaph.§. 145. Anders unterſchieden
Ariſtoteles, v. Metaph. l. 9. c 1, 2, 3, und die Scholaſtiker.


