Aufsatz 
Einige Ideen über die bei formeller Geistesbildung zu beobachtende Harmonie
Entstehung
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dungsalter. Wie nun das vorjährige Dillenburger Programm Gedanken und Wünſche über die häusliche Erziehung enthielt, ſo ſoll in dem vorliegenden die Entwickelung einiger Ideen über Pädagogialerziehung, oder, um ſein Object ge⸗ nauer zu fixiren, über die in formeller Geiſtesbildung nothwendig zu beobach⸗ tende Harmonie verſucht werden.

Wie der Zuſtand der Geſundheit im Menſchen überhaupt qualitativ durch das Gleichmaaß der Thätigkeiten des Organismus bedingt iſt, ſo führt auch jede disharmoniſche Anregung und Entwickelung der Seelenthätigkeiten ei⸗ nen abnormen, gewiſſermaßen krankhaften, Zuſtand herbei, wie er ſich oft in herzloſer Verſtändigkeit, in verſtandtoſer Gefühlsſchwelgerei und in unbezähm⸗ barer Leidenſchaftlichkeit beurkundet. Eben ſo kann ganz insbeſondere durch Ein⸗ ſeitigkeit der Bildung ein Mißverhältniß der intellectnellen Thätigkeiten veran⸗ laßt werden, deſſen Folgen Schwächen und Verſtimmungen des Gemüths ſind.

Durch bloß allgemeine Anwendung der vollendetſten Methode kann ei⸗ nem ſolchen Mißverhältniß nicht vorgebeugt werden, denn obwohl aller Anlage der Menſchen ein unwandelbarer Typus einwohnt, ſo ſehen wir dieſe doch bei ihrem erſten Erſcheinen im Gebiete der Freiheit nach den mannichfaltigſten In⸗ dividualitäten aus einander treten. Es iſt dies eine Erſcheinung, welche, bei⸗ länfig geſagt, wie auch ſchon im geringeren Nachdenken ſich ergibt, durchaus nicht auf Rechnung der erſten Entwickelung allein zu ſetzen iſt, ſondern die em⸗ piriſch und von aller Pſychologie ewig unerklärbar, und von jeher das Kreuz der Philoſophen und Theologen, in ihren Gründen, in die Labyrinthe der Me⸗ taphyſik fortleitet*).:9, 4

Weniger bekümmert aber um die Erklärung, muß der Jugendbildner dieſer Thatſache eine Rückſicht widmen; da es ihm zur Anfgabe iſt, nicht einen idealiſchen, ſondern einen individuell gegebenen Menſchen ſeiner Individualität

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*) Eine mehr phyſiologiſche namentlich von Carus, v. Pychologie B. 1. S. 99. beſtrit⸗ tene, Erklärung gibt Schwarz in ſeiner Erziehungsiehre. Die kühnſte 2 ſung des Problems verucht, in ſittlicher Hinſicht,(nach Ideen Platos, v.: jede Seite des Phädo,) Schelling über das Weſen der menſchlichen Freiheſt S. 468.