Aufsatz 
Von den Kerzen und Lampen : populär dargestellt / von G. Krebs
Entstehung
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Der oben erwähnte Schatten findet ſich nicht blos an der Benkler⸗Argand'ſchen Lampe, ſondern an allen denen, welche ein ſeitlich angebrachtes Oelgefäß haben, wie z. B. an der Küchen⸗ und Studirlampe. Bei dieſen letzteren iſt er ſogar noch viel unangenehmer, denn hier ſteht das Oelgefäß tiefer als die Flamme und der Schatten fällt deshalb nach unten, während er bei Lampen mit Sturzgefäß, weil ſich dieſes über der Flamme befindet, nach oben fällt, was weniger Unbe⸗ quemlichkeiten zur Folge hat(Vergl. die Fig. 7, 8 und 15, an denen dieſer Schatten angedeutet iſt.)

Schon bei der Wormſer Lampe(Fig. 9) iſt eigentlich von einem Schatten, den das Oelge⸗ fäß hervorbringt, nicht mehr die Rede. Die Glaskugel, welche das Oel enthält, läßt die Licht⸗ ſtrahlen großentheils hindurch und der geringe Schatten, den es nach unten wirft, wird durch das Milchglas wieder zerſtört, indem es die von der Flamme kommenden Strahlen theilweiſe eben dahin reflectirt. Man braucht nur einmal bei einer ſolchen Lampe das Milchglas abzunehmen, ſo wird man den runden Schatten auf dem Tiſch bemerken; ſetzt man das Milchglas wieder auf, ſo iſt der Schatten ſogleich verſchwunden dasſelbe gilt von der Camphinlampe und von der ſpäter zu erwäh⸗ nenden Erdöl⸗ und Moderateurlampe. Trotz dieſes Vorzugs aber keinen Schatten zu werfen, iſt die Wormſer Lampe nicht ſonderlich empfehlenswerth: ſie hat keinen doppelten Luftzug und das Oel in der Glaskugel ſinkt ſehr raſch, ſo daß die Lampe ſchon nach kurzer Zeit ſchlecht brennt.

Beſſer ſchon ſind die Kranz⸗, oder Sinumbral⸗(Ohneſchatten⸗) Lampen. Hier wird das Oel⸗ gefäß durch einen großen rund um die Flamme laufenden Ring gebildet, der ziemlich niedrig iſt, ſo daß das Oel nicht viel ſinken kann.

Dieſer Ring nun würde allerdings einen Schatten rundum werfen, wenn nicht das bauchige Milchglas, welches auf demſelben ſteht, die durchgehenden Strahlen in den dunkelen Raum würfe, ſo daß der Schatten wieder verſchwindet. Solche Lampen(Fig. 17) ſind aber etwas ungeſchlacht und werden deshalb nicht gern zur Zimmerbeleuchtung gebraucht. In den Sälen kleiner Städte dagegen, welche kein Gas haben, ſah man ſie früher in der Form von Hängelampen häufig, weil ſie ſymme⸗ triſch ausſehen und auch nicht das Gleichgewicht verlieren können, wie Lampen mit ſeitlichem Oel⸗ gefäß. Auf den Schatten kommt es hierbei weniger an, weil die Lampen hoch aufgehängt ſind, und vorzugsweiſe den unteren Theil des Zimmers erleuchten ſollen. Deshalb wendet man auch kein Milchglas an, ſondern breite und flache Metallſchirme, welche alles Licht nach unten und nach den Seiten werfen,*)

Will man indeſſen eine Lampe mit mehreren Brennern verſehen, ſo kann man auch eine Sturz⸗ flaſche in der Mitte anbringen, wodurch nicht blos Gleichgewicht und Symmetrie, ſondern auch ein konſtantes Oelniveau erzielt wird. Auch hat man Lampen mit nur einem Brenner und mit einem Sturzgefäß, welches auf den Blechſchirm geſtützt, wie ein Kranz rundherum läuft.

Den ſchönſten Verſuch den Schatten zu vermeiden und doch das Oel conſtant oben am Docht zu erhalten, hat Carcel im Jahre 1800 gemacht. Er iſt der Erfinder der ſogen. Uhrlampe, nach

*) In den Laboratorien zieht man Spirituskranzlampen(Fig. 18) ſolchen mit einem Stuszgefäß vor, theils

weeill die erſteren handlicher ſind, theils weil bei dem letzteren leicht der Spiritus am Brenner über⸗

läuft, in Brand geräth und große Unannehmlichkeiten verurſacht. Außerdem darf man es nicht wohl

wagen, das Sturzgefäß während des Brennens der Lampe friſch zu füllen, weil dann ebenfalls beim

Wiedereinſetzen der Spiritus leicht überläuft. Beiläufig ſoll noch bemerkt werden, daß es ſehr bequem iſt, wenn der metallene Schornſtein zum Umlegen eingerichtet iſt.

Indeſſen ſind neuerdings alle Spirituslampen in den größeren Laboratorien, durch die Bunſen'ſchen

Gasbrenner verdrängt worden. 2*½