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Warum aber verfährt man bei den Unſchlittkerzen nicht gerade ſo? Das iſt leicht zu ſagen. Wenn ſich der Docht nach einer Seite krümmt, ſo ſchiebt ſich die Flamme und die Hitze vorzugs⸗ weiſe nach dieſer Seite hin und es iſt bei weichem Fett zu befürchten, daß dort der Rand einſchmilzt und das geſchmolzene Fett überläuft. Stearin hält ohne Nachtheil die Hitze aus; Talg würde ſo⸗ gleich an dieſer Stelle eine kleine Rinne bilden. Auf dieſe Art iſt man durch Herſtellung einer feſteren Maſſe, als das gewöhnli che Fett iſt, im Stande geweſen alle Uebelſtände der Talgkerzen vollſtändig zu beſeitigen. Die übrigen Kerzenarten werden ſogleich bei Betrachtung der Fabikation der Kerzen überhaupt näher beleuchtet werden, obwohl wir uns aus Mangel an Raum über dieſes Kapitel nur wenig verbreiten können.
Das Material zu den Talgkerzen liefert vorzugsweiſe der Rindstalg, in geringer Menge auch der Hammelstalg. Das in kleine Stücke zerſchnittene Fett wird in einem Keſſel unter Zuſatz von Waſſer erwärmt, wobei es aus den Häuten ausſchmilzt, während dieſe ſelbſt die ſogenannten Grieben bilden. Die flüſſige, obenauf ſchwimmende Maſſe wird durchgeſeiht und erſtarren laſſen, die Grieben aber pflegt man zum zweiten Male zu braten, wobei ſie ein geringeres, meiſt gelb ge⸗ färbtes Fett liefern.
Dieſe ältere und vorzugsweiſe gebräuchliche Art des Ausſchmelzens hat indeſſen mancherlei Nachtheile. Abgeſehen von dem übelen Geruch und den feuergefährlichen Gaſen, die bei ſtarker Er⸗ hitzung nicht zu vermeiden ſind, kann auch die Ausbeute nicht auf den gewünſchten Grad gebracht werden, weil dazu eine hohe Temperatur erforderlich wäre, bei der aber das Fett eine braune Farbe annehmen würde. Um nun dieſes beſſer von den Häuten zu befreien, behandelt man den zerſchnit⸗ tenen Talg mit verdünnter Schwefelſäure, wodurch die Zellen zerſtört werden. Nunmehr reicht zum Ausſchmelzen ſchon die Hitze des Waſſerdampfes hin, den man entweder äußerlich an den Keſſel bringt, oder geradezu in denſelben hinein leitet.
Die ſo erhaltene Maſſe wird noch einmal zum Zwecke der Läuterung unter Zuſatz von Vitriol, Salpeter, Kochſalz, Alaun ꝛc. umgeſchmolzen und nun zum Ziehen, oder Gießen der Kerzen verwandt.
Der Ausgangspunkt für die Fabrikation des Materials zu den Stearinkerzen iſt ebenfalls der Talg. Man kann dabei auf zwei Arten verfahren, je nachdem man Stearin oder Stearinſäure herſtellen will.
Das Fett beſteht, wie ſchon bemerkt, aus drei Salzen, dem ſtearin⸗ margarin⸗(oder palmitin⸗) und dem oleinſauerem Glyceryloxyd. Die beiden erſten Salze führen den Namen Stearin, das letztere den Namen Olein. Schmilzt man nun das Fett und läßt es bis auf etwa 380 erkalten, ſo wird die Maſſe trüb und milchig; das Olein iſt nämlich noch flüſſig, während ſich ſchon das Stearin in Kryſtallen abſetzt. Preßt man nun das Fett zwiſchen wollenen Tüchern aus, ſo zieht ſich das flüſſige Salz in die Tücher hinein, das feſte dagegen bleibt als weiße Maſſe zwiſchen den⸗ ſelben zurück. Nochmaliges Umſchmelzen und Auspreſſen befreit das Stearin gänzlich von dem Olein.
Die Fabrikation des Stearins iſt aber viel ſeltener, als die der Stearin ſäure. Zur Dar⸗ ſtellung derſelben wird das geſchmolzene Fett mit gebranntem Kalk behandelt, welcher nach kurzer Zeit ſich mit den drei Säuren, der Stearin⸗ Margarin⸗ und Oleinſäuere zu einer ſogenannten Kalkſeife verbindet, während ſich das Glyceryloxyd unter Aufnahme von Waſſer abſcheidet und nun den Namen Glycerin(Oelſüß) führt. Die Kalkſeife wird mit Schwefelſäure verſetzt, welche den Kalk an ſich zieht und ſchwefelſauren Kalk oder Gyps bildet. Nun hat man die drei Fettſäuren in freiem Zuſtande und es iſt nur noch nöthig dieſelben zwiſchen wollenen Tüchern auszupreſſen, wobei die flüſſige Oleinſäure in die Tücher geht und zwiſchen denſelben die Stearin und Margarin⸗


