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Anfang dieſes Jahrhunderts, als er die Fette einer genauen Unterſuchung unterwarf, daß dieſelben weſentlich aus vier Körpern beſtehen, von denen zwei feſt und zwei flüſſig ſind. Die zwei feſten ſind die Stearin⸗ und die Margarin⸗(Palmitin⸗) ſäure, die zwei flüſſigen die Oleinſäure und das Glyceryloxyd. Indem nun Chevreul aus dem Fett die zwei flüſſigen Beſtandtheile entfernte, erhielt er eine Maſſe, das Stearin, welche eine zur Fabrikation guter Kerzen hinreichende Härte beſitzt.
Derſelbe Chemiker hat darauf in Verbindung mit dem bekannten Naturforſcher Gay-Lussac im Jahre 1825 in der Nähe von Paris die erſte Stearinfabrik angelegt. 7
Durch die größere Härte des Stearins iſt man aber nicht blos vor dem Ueberfließen geſichert, ſondern es laſſen ſich auch noch andere Mängel beſeitigen, welche die Unſchlittkerzen beſitzen.
Es hat vielleicht ſchon Jeder die Bemerkung gemacht, daß der Docht der Stearinkerzen beim Brennen ſich nach Außen krümmt, ſo daß die Spitze aus der Flamme hervorſieht(Fig. 1). Dieß iſt keine Spielerei, ſondern eine ſehr ſinnreiche und nützliche Einrichtung. Ehe ich aber hiervon ſpeciell ſpreche, will ich das Weſen und die Bedeutung des Dochtes überhaupt auseinanderſetzen. Wollte man Oel oder Fett ohne Docht zur Beleuchtung verwenden, ſo würde die ganze Maſſe auf einmal in Brand gerathen, es würde eine Feuersbrunſt, ſtatt einer ruhigen Flamme entſtehen. Beim Oel iſt es noch möglich ohne Docht eine kleine Flamme zu erzeugen; wenn man es nämlich in einem ganz engen Röhrchen aufſteigen läßt, ſo daß oben am Ende desſelben ſich nur ein feines Tröpfchen zeigt. Dieſes läßt ſich anzünden, und indem das Oel langſam nachſteigt, brennt ein Tröpfchen nach dem andern. Man hat ſolche Lampen(Fig. 2), bei denen ein Metalſſchiffchen, welches in der Mitte, ſo zu ſagen mit einem hohlen Maſt verſehen iſt, der nicht ganz bis an das Oelniveau reicht, konſtruirt, kann ſie aber wegen ihrer geringen Leuchtkraft nur als Nachtlampen gebrauchen.
Während alſo Oel ohne Docht noch brennen kann, iſt dieß beim Fett durchaus nicht mehr möglich; eine Kerze würde halb abſchmelzen, ehe ſie angezündet wäre und dann würde Alles auf einmal brennen. Iſt aber ein Docht im Oel, der etwas über die Oberfläche hinausragt, ſo ſteigen immer nur wenige Tropfen in demſelben auf, ſo daß die Verbrennung portionenweiſe vor ſich geht, ohne eine ſolche Hitze zu verbreiten, daß das übrige Oel anginge. Iſt ein Docht in einer nicht zu breiten Fettmaſſe, ſo ſchmilzt er ſie rundum, am meiſten in der Mitte, am wenigſten außen am Rand; die geſchmolzene Maſſe ſammelt ſich in der ſo entſtehenden Vertiefung, ſteigt im Docht in die Höhe und verbrennt dort. Iſt der Docht ſehr dick im Verhältniß zur Kerze, ſo ſchmilzt zu viel Fett, auch ſchmelzen die äußeren Ränder und die geſchmolzene Maſſe läuft über. Iſt aber der Docht ſehr dünn, ſo brennt die Kerze zu ſtark in der Mitte aus, weshalb die Ränder ſchließlich bis hoch an die Flamme hinaufreichen. Dann aber ſchmetzen ſie durch die hier herrſchende große Hitze plötzlich ein und verurſachen ebenfalls eine Ueberſchwemmung. Die Dicke des Dochtes und die Dicke der Kerze müſſen alſo ein ganz beſtimmtes Verhältniß zu einander haben.
Steht nun der Docht wie bei den unſchlittkerzen gerade in die Höhe, ſo kann er nicht gut verbrennen, weil die Luft nicht daran kann; er verkohlt nur ſehr langſam und nimnt ſchließlich die ganze Länge der Flamme ein. Dadurch verdunkelt er die überdieß flackernde Flamme und muß, was auch läſtig iſt, von Zeit zu Zeit geputzt werden. Iſt dagegen der Docht ſo geflochten, daß er das Beſtreben hat ſich zu krümmen, ſo ragt ſeine Spitze in die äußere Luft und kann da leicht ver⸗ brennen. Bei den Stearinkerzen wird auf dieſe Weiſe der Docht nie zu lang und braucht nicht ge⸗ putzt zu werden.


