2 Sauerſtoff der Luft und erhitzen ſich dabei ſo ſehr, daß ſie ins Glühen gerathen— daß ſie brennen. Man kann ſogar Eiſen auf eine ſolche Art bereiten, daß es, an die Luft gebracht, ſogleich zu erglühen anfängt.
Nicht immer aber geht die chemiſche Verbindung zweier Körper ohne weiters vor ſich; meiſt müſſen ſie erſt bis auf einen gewiſſen Grad erwärmt werden. Phosphor bedarf, um ſich mit dem Sauerſtoff der Luft zu verbinden ungefähr 600 Wärme, Holz und Steinkohlen dagegen haben eine ungleich größere Hitze nöthig. Die Temperatur nun, bei welcher ein Körper zu brennen anfängt, heißt Anzündungstemperatur.
Wenn ein Körper einmal an einer Stelle ſo weit erwärmt worden iſt, daß die Verbrennung vor ſich geht, ſo iſt in den meiſten Fällen eine weitere Erwärmung nicht mehr nöthig; denn die brennende Stelle entwickelt, indem ſie ſich z. B. mit dem Sauerſtoff der Luft verbindet, eine hin⸗ reichende Hitze, damit auch die übrigen Theile auf die Anzündungstemperatur gebracht werden, und dann ſelbſt zu brennen anfangen.
Der Umſtand, daß bei vielen chemiſchen Verbindungen Licht und Wärme entſteht, iſt für das gewöhnliche Leben von bedeutender Wichtigkeit; man ruft ſolche Verbindungen künſtlich hervor und benutzt die dabei entſtehende Wärme zur Heizung, das Licht zur Zvlen hini
Die meiſten Körper wie Holz, Steinkohlen, Oel, Fett ꝛc. zerſetzen ſich durch die Hitze in gas⸗ förmige Stoffe, ehe ſie zu brennen anfangen; ſie brennen eigentlich nicht ſelbſt, ſondern nur ihre gasförmigen Zerſetzungsproduckte. Bei einem Steinkohlenfeuer kann man beſonders deutlich bemerken, daß die Steinkohlen ſelbſt blos glühen, während die aus denſelben aufſteigenden Gaſe brennen.
Erhitzt man Steinkohlen, Holz ꝛc. in geſchloſſenen Gefäßen(Retorten), in welche die Luft keinen Zutritt hat, ſo entweichen, etwa durch ein an der Retorte angebrachtes Rohr eine Maſſe Gaſe, welche brennen, wenn ſie frei an der Luft entzündet werden. Dieſe Gaſe heißen Kohlenwaſſer⸗ ſtoffe, weil ſie weſentlich aus Kohlenſtoff und Waſſerſtoff beſtehen. In Gasfabriken ſtellt man ſie durch Glühen der vorhin erwähnten Körper in großen Mengen dar, ſammelt ſie in Gasbehältern, ſogenannten Gaſometern und leitet ſie durch Röhren an die verſchiedenen Orte. Hier kann man ſie nun aus den kleinen Oeffnungen der Gasröhren ausſtrömen laſſen und durch die Hitze eines brennenden Schwefelhölzchens, oder Papieres entzünden. Die Hitze des eben brennenden Gaſes erwarmt das nachfolgende ſo ſehr, daß auch es im Stande iſt ſich mit Sauerſtoff zu verbinden, d. h. zu brennen.
Es iſt aber nicht nöthig künſtlich ſo viel Gas auf einmal in von der Luft abgeſchloſſenen Ge⸗ fäßen zu erzeugen und dann portionenweiſe zu verbrennen; man kann auch die Gaſe ſogleich bei ihrem Entſtehen anzünden; nur muß man dafür ſorgen, daß die Gasentwickelung in dem richtigen Maße und möglichſt gleichförmig vor ſich gehe. Dieß geſchieht bei den Kerzen und Lampen. Das im Docht aufſteigende Oel, oder geſchmolzene Fett wird durch die Hitze des brennenden Dochtes in Kohlenwaſſerſtoffgas zerſetzt und da die Luft frei zuſtrömen kann, ſo brennt das Gas, ſogleich nachdem es entſtanden iſt. Eine Kerze oder Lampe iſt alſo eine Gasfabrik en miniature, bei der die Gaſe nicht erſt in größerer Menge erzeugt und dann portionenweiſe verbrannt, ſondern bei der ſie ſogleich, nach dem ſie entſtanden ſind, auch entzündet werden.
Nun noch ein Paar Worte über die Flamme. Eine gewöhnliche Flamme beſteht aus drei Theilen; der innerſte a(Fig. 1) iſt dunkel; der mittlere b, hell, weißroth; der äußere ce ſchwach röthlich. In dem dunkelen Theile befindet ſich das aus dem Oel, oder Fett entſtandene Kohlen⸗ waſſerſtoffgas, welches ſogleich durch die Hitze in ſeine Beſtandtheile, Kohlenſtoff und Waſſerſtoff


