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könne, ohne dass das Wasser ins Sieden gerathe, so ist dies ein Irrthum, der sich sehr einfach daraus erklärt, dass er seine Abhandlung im Jahre 1844 geschrieben hat, zu welcher Zeit Siedeverzüge bis zu 98⁰ noch nicht bekannt gewesen sind. Doch hat er selbst schon im Jahre 1836 bemerkt, dass Wasser, mit Oel übergossen, Siede- verzüge bis zu 10⁰(nach neueren, schon erwähnten Versuchen sogar bis 20⁰) erleiden kann.
Mit dieser Theorie indessen ist Dufour nicht ganz einverstanden; vor Allem will er nicht die„Cohäsion im gewöhnlichen Sinne“ des Wortes als die Ursache der Sie- deverzüge gelten lassen. Allerdings seien es gewisse„moleculare Verbindungen“, welche der Veränderung des Aggregatzustandes sich entgegensetzen, diese aber ohne Weiteres mit der Cohäsion zu identificiren sei bedenklich.— Verschiedene Autoren, so sagt Dufour ¹), suchen die Siedeverzüge aus der Cohäsion zu erklären: Wenn die Temperatur einen Grad erreicht hat, welcher fähig ist dem Dampf eine dem äusseren Druck gleiche Spannkraft zu verleihen, so kann es nur noch eine Kraft geben, welche sich der Trennung der flüssigen Theile widersetzt und das Sieden verhindert. Diese Kraft ist die Cohäsion, welche ziemlich bedeutend ist, wie dies die Versuche von Gay-Lussac(mit Hilfe von Glasscheiben) und von Donny(mit möglichst luftfreiem Wasser und luftfreier Schwefelsäure in engen Glasröhren) nachgewiesen haben.
Gegen dieses Räsonnement lassen sich aber(nach Dufour's Ansicht) verschiedene Einwände erheben: Wenn eine Flüssigkeit verdampft, so findet allerdings eine Entfernung der flüssigen Theilchen von einander statt; ist diese Entfernung der flüssigen Theile aber einerlei mit derjenigen, welche sich bei demselben Körper zeigt, wenn er erhitzt wird, ohne seinen Aggregatzustand zu verändern? Denkt man sich eine Quantität Wasser durch irgend eine Kraft in die kleinsten Theile auseinandergestreut, so ist auch die Cohäsion überwunden worden, aber man hat dabei nicht Wasserdampf, sondern Wasserstaub erhalten. Es ist noch dasselbe Wasser mit allen seinen Eigenschaften als flüssiger Körper, aber kein Wasserdampf mit seiner characteristischen Spannkraft etc. Die Verdampfung ist offenbar etwas mehr als eine Zertheilung, als eine Trennung der Theilchen durch Ueberwindung der Cohäsion. Donny meint, wenn die Cohäsion durch das Aufsteigen einer Luftblase aufgehoben wäre, so würde die Verdampfung beginnen; aber auch lufthaltiges Wasser, wenn es inmitten einer andern Flüssigkeit schwimmt, kann beträchtliche Siedeverzüge erleiden ²). 4
1¹) Dufour, Recherches sur l'ébullition des liquides, Bibl. univ. T. XII. pb. 261(1861).
²) Diese Bemerkung, obwohl ganz richtig, ist doch nicht sehr beweiskräftig. Allerdings siehltt man oft, wenn Wassertropfen in einem Gemenge von Nelkenöl und Baumöl erhitzt werden„ Luftbläschen aus den Tröpfchen sich entwickeln, welche sich oben ansetzen und das Tröpfchen mit in die Höhe nehmen, ohne dass ein plötzliches Sieden erfolgt. Löst man die Luftblase mittelst eines Glasstabes vorsichtig ab, so sinkt das Wassertröpfchen, entwickelt manchmal eine neue Luftllase etc. Allein Donny behauptet ja auch nicht, dass wenn durch Aufsteigen einer Luftblase in einer flüssigen Masse die Cohäsion geschwächt werde, nothwendig das Sieden eintreten müsse. Dufour selbst bemerkt, dass das Aufsteigen einer Luft- oder Dampfblase nicht immer ein Sieden durch die ganze Masse hindurch hervorbringe.


