Aufsatz 
Über das Sieden des Wassers
Entstehung
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. 19 nicht mehr ganz bis oben hin, es hat sich nämlich am geschlossenen Ende eine kleine Menge Luft angesammelt, die aber alsbald wieder verschwindet, indem sie sich im Wasser auflöst.

Sobald also eine Luftblase den Zusammenhang der flüssigen Theile unterbricht, sobald die Cohäsion geschwächt wird, tritt das Sieden plötzlich ein.

Befindet sich von Anfang an eine geringe Menge Luft am Ende des geschlossenen Schenkels, so entsteht kein bemerkenswerther Siedeverzug.

Aus dem Umstand, dass, wie Marcet(1842) gezeigt, die Temperatur des Dampfes unter allen Umständen geringer ist, als die der Flüssigkeit, geht sogleich hervor, dass die Kraft, welche nöthig ist, um Dampf zu entwickeln, grösser ist, als die Spannkraft der Dämpfe bei der vorhandenen Temperatur. Die Adhäsion des Wassers an das Glas kann nicht, wie Marcet meinte, die Ursache des Siedeverzugs sein, denn sie kann sich nicht bis ins Innere der Flüssigkeit erstrecken; setzte also die Cohäsion dem Sieden keinen Widerstand entgegen, so müsste, wenn auch die Adhasion der Flüssigkeit an das Gefäss noch so stark wäre, das Sieden im Innern der flüssigen Masse bei der richtigen Tem- peratur erfolgen. Da gleichzeitig die Beobachtung lehrt, dass das Sieden meist gerade an den Gefässwänden seinen Anfang nimmt, so kann nur die Cohäsion die Kraft sein, welche sich der Dampfbildung widersetzt.

Wenn eine Flüssigkeit an der Oberfläche verdunstet, so ist der Dampf nicht viel heisser, als die Flüssigkeit, weil die oberen Theilchen mit der Luft in Berührung sind und nicht rundum von den übrigen Flüssigkeitstheilchen angezogen werden; die Cohäsion ist hier geringer.

Wenn Wasser kocht, so müsste dasselbe, sowie der sich entwickelnde Dampf, wenn die Cohäsion sich nicht wicdersetzte, so heiss sein, dass die Spannkraft des Dampfes dem äusseren Druck das Gleichgewicht halten könnte; da aber gleichzeitig die Co- häsion wirkt, so erlangt das Wasser eine höhere Temperatur, cehe das Sieden beginnen kann; die sich entwickelnden Dämpfe sind dann aber heisser, als sie zu sein brauchen, um den äusseren Druck überwinden zu können; sie werden sich desshalb so lange ausdehnen, bis ihre Spannkraft so weit heruntergesunken ist, dass sie dem äusseren Druck das Gleichgewicht zu halten im Stande ist. Durch diese Ausdehnung aber verringert sich ihre Temperatur, so dass man leicht einsieht, warum die Tem- peratur des Dampfes stets geringer ist, als die der Flüssigkeit selbst.

Wenn eine Flüssigkeit in einem Gefässe kocht, von dessen Wänden sie stärker angezogen wird, als von ihren eigenen Theilchen, so kocht die Flüssigkeit, sobald die Temperatur so gross ist, dass die Cohäsion der Flüssigkeitstheilchen überwunden werden kann. Im anderen Fall kocht sie früher. Meist nun sind die Wände nicht überall von gleicher Beschaffenheit; an einzelnen Stellen ist die Adhäsion sehr gering und daher ist der Siedepunkt meist niedriger, als er sein könnte, wenn die Flüssigkeit die Wände nicht berührte. Die Wände können also nur eine Erniedrigung, nie eine Erhöhung des Siedepunktes hervorbringen.

Wenn Magnus dabei bemerkt, dass 105 C das Höchste sei, was erreicht werden 3*