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Nachdem wir gesehen haben, durch welche Umstände das Sieden befördert und gehemmt wird, fragt es sich nun vor Allem, welche Kraft es ist, die sich bei den Siedeverzügen dem Eindringen der Wärme in das Innere der Flüssigkeit, um dieselbe in Dampf zu verwandeln, widersetzt.
Die Antwort, welche hierauf von Magnus ¹) und Donny ²) gegeben worden ist, lautet: Die Cohäsion der flüssigen Theilchen, die man sich viel grösser vorzustellen hat, als dies gewöhnlich geschieht.
Beide Forscher sind fast durch einen und denselben Versuch auf den Verzug des Siedens und auf die oft sehr bedeutende Grösse der Cohäsion aufmerksam geworden. Es ist dies ein Versuch, der in anderer Weise schon von Laplace(Mec. cél. supplé- ment au Xe livre page 3) erwähnt wird: Wenn nämlich das Quecksilber eines Baro- meters ganz luftfrei ist und man neigt das Barometer so, dass das Quecksilber bis an das Ende des geschlossenen Schenkels reicht, so fällt es oft nicht mehr herab, wenn man das Barometer wieder vertical stellt.
Füllt man eine Barometerprobe(bekanntlich ein Barometer, dessen geschlossener Schenkel weniger als 28 lang ist), mit gut ausgekochtem Quecksilber, Wasser, oder
Schwefelsäure, so bleibt oft die Flüssigkeit am Ende der Röhre hängen, wenn man auch die Luft im offenen Schenkel(mittelst einer Luftpumpe) noch so sehr verdünnt. Die Adhäsion der Flüssigkeit an das Glas und die Cohäsion der flüssigen Theilchen aneinander ist gross genug, um dem ganzen Gewicht der Flüssigkeit das Gleichgewicht zu halten. Ist aber in der Flüssigkeit nur eine geringe Menge Luft enthalten und wird diese beim Auspumpen frei, so steigt dieselbe in die Höhe, die Flüssigkeitssäule zerreisst und fällt in dem Masse herab, wie die Luftblase in die Höhe steigt. Donny hat den Versuch mit einer Schwefelsäurebarometerprobe gemacht, als er den Grad der Verdünnung, welche eine Luftpumpe herzugeben im Stande war, untersuchen wollte (1846) und Magnus hat sich einer Barometerprobe, die theils mit Wasser, theils mit Quecksilber gefüllt war, bedient, als er den Siedepunkt des Wassers und die Spann- kraft der Dämpfe bei vermindertem Luftdruck studiren wollte(1844). Hierbei fand der Letztere, dass das Wasser oft noch flüssig blieb, nachdem schon der Druck unter denjenigen gesunken war, bei welchem das Wasser nach dem Dalton'schen Gesetz hätte sieden müssen. Wenn nun schliesslich eine Luftblase aus dem Wasser frei wurde und in die Höhe stieg, so entstand ein explosives Sieden, so dass es unmöglich war auf diesem Wege zu irgend brauchbaren Resultaten über die Spannkraft der Dämpfe zu gelangen. Dass Wasser unter solchen Umständen Siedeverzüge erleidet, ist übrigens schon von Watt und Southern beobachtet worden(Robinson, System of Mechan. Phil. II, 31 und 170).
Stellt man bei dem so eben erwähnten Versuch von Magnus, nachdem das ex- plosive Sieden vorüber ist, den normalen Luftdruck wieder her, so steigt das Wasser
¹) Pogg. Ann. Bd. LXI, pag. 248(1844). ²) Ann. de chim. et de phys. Sé6r. III. T. XVI, p. 167(1846).


