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Auch Gay-Lussac, wenn er von Cohäsion spricht, scheint damit einen andern Sinn zu verbinden. In seiner(früher erwähnten) Abhandlung vom Jahre 1817 sagt er:„Die Kraft, welche der Dampfbildung entgegenwirkt, ist offenbar eine innere Kraſt, welche auf der Cohäsion der flüssigen Theile und auf dem Widerstand beruht, welchen die Flüssigkeit der Aenderung des Aggregatzustandes entgegensetzt...“ Und an einer anderen Stelle:„Es ist allerdings schwer zu sagen, was man unter dem Worte— Widerstand gegen die Aenderung des Aggregatzustandes— zu verstehen habe....“
Obwohl es nun auch gerechtfertigt erscheint, die Cohäsion nicht ohne Weiteres als die Kraft anzusehen, welche sich der Dampfbildung widersetzt, so ist es doch schwer jene andere Kraft, welche die Dampfbildung verhindert, genau zu analy- siren. Sie hat offenbar ihren Sitz in den molekularen Verbindungen, in Betreff deren wir noch in einer sehr bedauerlichen Unklarheit schweben.“
Hieraus ist ersichtlich, dass die Kraft, welche sich bei den Siedeverzügen der Dampfbildung widersetzt, noch nicht hinreichend bekannt ist. Nur soviel lässt sich behaupten: Eine Flüssigkeit kann oft weit über den Punkt erhitzt werden, bei welchem sie nach dem Dalton'schen Gesetz sieden könnte. Durch Einführung fester, nament- lich poröser Körper und durch Gase, sowie durch Luftblasen, welche aus der Plüssig- keit selbst sich entwickeln und ausserdem durch Erschüttéerung kann das innere mole- kulare Gleichgewicht so gestört werden, dass die Wärme im Stande ist in das Innere der Körper als latente Wärme zu treten und die Dampfbildung hervorzurufen. Ganz ähnlich wird ja auch, wenn ein Gefrierverzug eingetreten ist, durch eine solche Störung des inneren molekularen Gleichgewichts das plötzliche Gefrieren, oder bei übersättigten Salzlösungen das Auskrystallisiren hervorgerufen. Die Frage ferner, ob die Wärme, ohne weitere Beihilfe(durch eine Störung des molekularen Gleichgewichts von Aussen her) im Stande sei, eine Flüssigkeit in Dampf überzuführen, ist nicht minder schwer zu beantworten, weil man ja nie weiss, wenn nach einem bestimmten Siedeverzug plötzliches Sieden eintritt, ob nicht etwa eine Luftblase das innere Gleichgewicht ge- stört hat, ob nicht ein Stäubchen in die Flüssigkeit gefallen ist etc. Soviel aber ist nach dem heutigen Stande unserer Kenntnisse gewiss, dass noch bis 1980C hinauf das Wasser der Ueberführung in Dampf durch die Wärme zu widerstehen vermag.
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