Aufsatz 
Über das Sieden des Wassers
Entstehung
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Vermuthung gebracht hat, dass manche Dampfkesselexplosionen in solchen Siedever- zügen ihren Grund hätten ¹). Uebrigens hatte schon Henson ²) im Jahre 1842, nach- dem es ihm gelungen, Wasser bei niederem Druck um mehr als 100° F.(= 44%0 C.) über seinen Siedepunkt zu erhitzen, auf die Möglichkeit von Explosionen durch Siede- verzüge hingewiesen und im Jahre 1847 hatte Saulier zum erstenmale die Explosion eines Dampfschiffkessels auf diese Art zu erklären versucht ³). Wir werden in einer späteren Abhandlung diesen auch für die Industrie sehr wichtigen Punkt ausführlich erörtern.

Man sieht nun hieraus, dass das Dalton'sche Gesetz, wonach jedem bestimmten Druck eine bestimmte Siedetemperatur entsprechen soll, so vielfache Ausnahmen erlei- det, dass die Ausnahmen fast die Regel bilden und man behaupten kann: das Dal- ton'sche Gesetz gibt für einen bestimmten Druck nur die Minimal- temperatur an, bei welchen das Sieden erfolgen kann; wohl aber ist es möglich, dass die Flüssigkeit auch noch in höherer Temperatur flüssig bleibt.

III. Die Ursachen des Siedens.

Wenn man auch trotz der neueren Untersuchungen über das Sieden der Flüssig- keiten noch keineswegs dahin gelangt ist, den inneren Prozess bei dem Uebergang aus dem tropfbar-flüssigen in den gasförmigen Zustand bis in's Einzelne zu verfolgen, so ist man doch wenigstens darüber klar gewerden, welche Umstände das Sieden hervor- rufen und befördern und auf welche Art es gelingt, das Sieden zu hemmen, ja un- möglich zu machen.

Aus allen bisher beschriebenen Versuchen haben wir ersehen, dass das Sieden durch feste, namentlich poröse Körper und besonders durch Gase befördert wird.

Erhitzt man Wasser zum erstenmale, so sieht man vom Grunde und von den Seitenwänden des Gefässes zahllose Luftblasen aufsteigen, und solange dies noch statt- findet, kann man grössere Siedeverzüge nicht erlangen.

Nicht blos in Glas-, sondern auch in Metallgefässen können nach längerem Kochen Siedeverzüge entstehen.

Feste Körper wirken wesentlich durch die an ihrer Oberfläche oder in ihren Poren enthaltene Luft; wenn alle Luft ausgetrieben ist, werden sie unwirksam; Glas- gefässe, bei welchen die sonst an ihrer Oberfläche haftende Luftschicht durch Erhitzen (bis auf 400 500⁰) weggetrieben worden ist, zeigen sich dem Entstehen von Siedever- zügen besonders günstig. Unwirksam gewordene feste Körper erlangen ihre Fähigkeit, Siedeverzüge zu verhindern, wieder, wenn sie an der Luft gelegen und sich mit einer Schicht von Gas bedeckt haben. Unwirksam gewordene Platindrähte werden wieder

¹) Ann. de chim. et de phys., Sér. III, T. XVI, p. 167(1846). ²) Mechanies Magazine, Vol. 36, p. 227(1842). ³) Ann. de mines, 4. Sér. Bd. 11, pag. 539(1847).