Aufsatz 
Über das Sieden des Wassers
Entstehung
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das Communicationsgefäss im Verhältniss zur Retorte ist, um so leichter entsteht durch die plötzliche, starke Druckverminderung ein explosives Sieden. Jedoch ist die- ser zuerst von Dufour angegebene Versuch, wie ich glaube behaupten zu dürfen, kei- ner von denjenigen, welche unfehlbar gelingen.

Stellt man aber den Versuch auf eine etwas andere Weise an, so gelingt er sicher und so gut, dass sehr häufig eine Explosion und ein Zertrümmern des Gefässes erfolgt. Eine Kochflasche A, Fig. 4, von ca. 2 Litre Gehalt, wird theilweise mit Wasser ge- füllt und durch einen Gummistopfen verschlossen. Durch das Loch des Gummistopfens geht eine zweimal rechtwinkelig umgebogene Röhre, deren anderes Ende durch den Gum- mistopfen der Kochflasche B von ca. ½⅓ Litre Gehalt geht und fast bis auf den Boden reicht. Die Kochflasche B wird in ein weites Glas oder in eine Porzellanschale ge- stellt. In ein zweites Loch des Gummistopfens der Flasche B ist eine andere Glas- röhre eingesteckt, deren vertical abwärtsgehendes Ende ca. 3 lang ist. Man kocht nun das Wasser in der Kochflasche A so lange, bis der Dampf am Ende der langen Röhre herauskommt; alsdann stellt man einen Cylinder mit ausgekochtem Quecksilber unter und entfernt die Flamme unter dem Glase A. Da in dem ganzen Apparate sich nur noch Wasserdampf befindet, so entsteht allmählig durch Condensation der Dämpfe ein leerer Raum und das Quecksilber steigt in der langen Röhre in die Höhe. Währenddessen kocht das Wasser in A wegen der Druckverminderung noch oftmals auf; nach einiger Zeit aber tritt vollkommene Ruhe ein und wenn diese 2 3 Minuten angedauert hat(wobei jedenfalls, da das Wasser in A noch ziemlich heiss ist, ein starker Siedeverzug eingetreten ist), so giesst man Eiswasser in das Gefäss, in welchem die Flasche B steht. Einige Augenblicke darauf beginnt in A ein explo- sives Sieden; als wie wenn Pulver entzündet worden wäre, so fliegt der Dampf von A nach B und zersprengt die letztere Flasche. A bleibt gewöhnlich unversehrt. Die Explosion ist indessen nicht so heftig, dass der Experimentator irgend eine Gefahr für seine Person zu fürchten hätte ¹)..

Wenn also Wasser in dem Zustand des Siedeverzugs sich befindet, so kann man das explosive Sieden entweder durch Einleiten von Gas, durch heftige Erschütterung, durch Erwärmen, oder durch plötzliche Druckverminderung hervorrufen. Oft auch erfolgt das Sieden schon durch die geringste Erschütterung: durch Gehen auf dem Fussboden, durch ein Geräusch im Nebenzimmer, oder ohne eine angebbare Ursache.

Jedesmal, wenn Wasser einen Siedeverzug erlitten hat und nun durch irgend eine Ursache ins Sieden geräth, schäumt es durch die ganze Masse hindurch auf, wo- bei das Thermometer beträchtlich sinkt. Das Wasser ist eben heisser, als es bei dem auf ihm lastenden geringen Druck zu sein brauchte, um sieden zu können und wenn es nun durch irgend eine Ursache in's Sieden geräth, so kocht es mit dem Ueberschuss von Wärme, die es hat, mit ausserordentlicher Heftigkeit, was schon Donny auf die

¹) Das Näühere über diesen Versuch siehe in meiner Abh andlung: Versuche über Siedeverzüge; zweiter Aufsatz. Pogg. Annal. Bd. CXXXVI. pag. 144.(1869.)