— 14—
Luftpumpe nicht auf denselben Tisch zu stellen, auf welchem die Retorte sich be- findet.
Wasser von 75 ⁰ nun müsste eigentlich(nach Regnault) bei einem Barometerstand von ca. 10 Zoll sieden; allein man kann oft so tief auspumpen, als es nur die Luft- pumpe hergibt, ohne dass das Sieden eintritt; es hat sich alsdann ein sehr beträchtlicher Siedeverzug ergeben.
Man kann nun das Sieden, sobald ein Siedeverzug entstanden ist, auf verschie- dene Art hervorbringen:
1) Man zersetze das Wasser der Retorte durch einen elektrischen Strom, indem man die Poldrähte einer galvanischen Kette mit den Platindrähten der Retorte in Ver- bindung bringt: Das Sieden erfolgt mit solcher Heftigkeit, dass eine Explosion erfol- gen kann.(Dufour.)— Uebrigens hat Poggendorf schon im Jahre 1847 bemerkt, dass Wasser von 70 bei gewöhnlichem Luftdruck in gewöhnliches, nicht explosives Sieden geräth, wenn man einen elektrischen Strom hineinleitet ¹).
2) Man fasse den Hals der Retorte und bewege ihn etwas aufwärts, so dass das Was- ser an den Wänden in die Höhe schwankt, so erfolgt ebenfalls ein explosives Sieden (Krebs). Dass durch Erschütterung Wasser, welches einen Siedeverzug erlitten hat, in's Sieden gerathen kann, ist allerdings schon den ältesten Beobachtern bekannt ge- wesen; allein nur dann, wenn man das Wasser so, wie oben angegeben worden, er- schüttert, geräth der Versuch zweifellos. Es ist bemerkenswerth, dass das Wasser der Retorte selbst dann nur selten in's Sieden geräth, wenn man, wie ich dies öfter ge- than, eine Spiralfeder plötzlich im Wasser loslässt, wodurch doch gewiss eine heftige Erschütterung des Wassers verursacht wird.
3) Man stelle eine Lampe einige Augenblicke unter die Retorte, so tritt gleich- falls jenes heftige Sieden ein(Krebs).
Jedesmal, wenn man einen der angegebenen Versuche gemacht hat und nun zum folgenden übergehen will, muss man das Wasser der Retorte wieder über 75 erhitzen und dann bis 75° erkalten lassen, worauf man wieder auspumpt. Ausserdem benutzt man zu diesen drei Versuchen statt der mit einem Hahn versehenen Röhre a eine an- dere ohne Hahn. Für den folgenden Versuch aber muss man die Röhre a mit dem Hahn anwenden und thut dann besser reines Wasser statt angesäuertes in die Retorte zu giessen.
Der Versuch ist folgender:
4) Man lasse das Wasser einige Zeit sieden und dann auf 75° erkalten; darauf pumpe man aus, bis das Barometer auf ca. 8 Zoll steht, so dass also schon ein Siede- verzug eingetreten ist. Nunmehr schliesst man den Hahn an der Röhre a, so dass die Retorte von dem Communicationsgefäss und der Luftpumpe abgesperrt ist und pumpt aus, so weit es die Luftpumpe erlaubt. Hierauf öffnet man den Hahn, wobei das Wasser in der Retorte eine plötzliche Druckverminderung erfährt. Je grösser
¹) Pogg. Ann. Bd. LXX, pag. 198(1847).


