Aufsatz 
Über das Sieden des Wassers
Entstehung
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der Flüssigkeit herausgeschleudert und das ganze Zimmer mit Schwefelsäuredampf an- gefüllt wird.

Wirft man in kaltes Wasser oder in kalte Schwefelsäure einen Platindraht, so nimmt man beim nachherigen Kochen keine Stösse wahr; die Flüssigkeiten kochen (bei etwas niederer Temperatur) vollkommen ruhig, so dass die Chemiker, um Schwe- felsäure ohne Schwierigkeit destilliren zu können, auf Gay-Lussac's Vorschlag stets einen Platindraht in die Flüssigkeit vor dem Kochen hineinwerfen.

Die Schwankungen des Thermometers in kochenden Flüssigkeiten haben schon Cavendish und De Luc ¹) bemerkt, ohne dass sie sich aber genauere Rechenschaft darüber gaben.

Was nun die Gestalt und Grösse der Gefässe anlangt, so haben dieselben im Allgemei- nen keinen besonderen Einfluss auf die Höhe des Siedepunktes; nur verdient bemerkt zu werden, dass der Siedepunkt sich erhöht, wenn das Kochgefäss in eine Spitze endigt(Glas- röhre oder Glaskolben, welche in eine Spitze ausgezogen sind); hier kann eben der Dampf nicht gehörig entweichen und es entsteht ein verstärkter Druck auf das Wasser, wodurch der Siedepunkt steigt; es kann aber durch diesen verstärkten Druck das Sieden einmal für einen Augenblick ganz gehemmt werden; entweicht nun der Dampf, ohne dass das Kochen sogleich eintritt, was öfter geschieht, so erniedrigt sich der Druck unter den Punkt, bei welchem das Wasser nach dem Dalton'schen Gesetz eigentlich sieden müsste; es entsteht ein Siedeverzug, und wenn dann das Wasser mit seinem Ueberschuss von Wärme plötzlich in's Sieden kommt, so kann dieses so heftig werden, dass das Gefäss zerspringt. Ueberhaupt treten Siedeverzüge, wie Donny gezeigt hat ²), leichter in engen Gefässen, z. B. in Glasröhren, als in weiten ein.

Dass die Anwesenheit von Luft im Wasser den Siedepunkt erniedrigt, hat Achard vollkommen richtig bemerkt und wird dieser Punkt in der Folge genauer erörtert werden.

Sehr eingehende Versuche über das Sieden der Flüssigkeiten sind von Marcet im Jahre 1842 angestellt worden ³). Zunächst constatirte er, dass der Siedepunkt in Ge- fässen von verschiedenen Metallen nahezu derselbe sei, sowie dass das Wasser in Glas- gefässen wirklich einen höheren Siedepunkt(101⁰,232) habe, als in Metallgefässen (100). Ebenso fand er die Behauptung von Gay-Lussac bestätigt, dass Feilspähne, Holzsplitter, Glas- und Kobhlenpulver etc. im Stande seien, den Siedepunkt des Was- sers in Glasgefässen herabzudrücken; Feilspähne bis auf 100, Glassplitter auf 100⁰,329.

In unreinen oder blasigen(grünen) Gläsern kocht das Wasser früher, als in sauberen, blasenfreien(böhmischen) Glasgefässen, namentlich, wenn sie etwas dick-

¹) De Luc, Des modifications de l'atmosphere, t. II,§. 881, p. 291.

) Donny, Sur la cohésion des liquides et sur leur adhérence aux corps solides, Ann. de chim. et de phys. Sér. III, t. XVI. pag. 167. ann. 1846.

³) Marcet, Recherches sur certaines circonstances qui influent sur la température du point de l'ébullition des liquides, Bibl, univ. t. XXXVIII. p. 388. ann. 1842.