Aufsatz 
Geschichte der Beweise für das Dasein Gottes von Cartesius bis Kant / Albert Krebs
Entstehung
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es als selbstständiges Ding den Grund der Existenz aller übrigen, nicht selbstständigen Dinge in sich enthalten. Da nun weiter das nothwendige Ding keinen Anfang und kein Ende haben kann, so muss es ewig und unermesslich sein; es muss das erste und letzte sein, weil, wenn etwas vor oder nach ihm sein könnte, es ja Anfang oder Ende haben müsste. Es ist unverwes- lich, ebenfalls weil es kein Ende haben kann. Da nun aber alle zusammengesetzten Dinge oder Körper entstehen und aufhören können, so kann das nothwendige Ding kein Körper, nichts Zu- sammengesetztes, sondern es muss ein einfaches Ding sein. Es muss ferner, wie schon vorher angedeutet, durch seine eigne Kraft existiren, weil es ja sonst den Grund seiner Pxistenz nicht in sich selbst, sondern in einem andern haben würde. Aus demselben Grunde leitet Wolff ab, dass es von allen Dingen völlig independent sein müsse, duass es keiner fremden Hülfe bedürfen könne, um das zu sein, was es ist. Denn wenn jemand zu irgend einem Vornehmen der Hülfe eines anderen bedürfe, so könne er ohne den Willen des anderen das Betreffende nicht thun: also sei dann der Wille des anderen der Grund seines Vornehmens. Hieraus schliesst er nun, dass die Welt dieses selbstständige Wesen nicht sein könne, da sie nicht nothwendig, sondern zufällig, und da sie nichts Einfaches, sondern ein zusammengesetztes Ding sei. Weil nun demnach das selbstständige Wesen von der Welt unterschieden und diese nicht selbstständig sei, so müsse die Welt den Grund ihrer Pxistenz in diesem Wesen haben. Aber auch von unserer Scele sei das- selbe verschieden. Dies sucht er auf mehrfache Art zu beweisen. Die vorstellende Kraft, in welcher Wesen und Natur der Seele besteht, richtet sich, wie Wolff weiter sagt, nach den Ver- änderungen, die sich aus den Verhältnissen der Welt, in den Sinnesorganen ergeben, hat also den Grund ihrer Vorstellungen zum Theil ausser sich, also in der Welt, ist darum von dieser ab- hängig und kann somit das selbstständige, von allen Dingen unabhängige Wesen nicht sein. Da nun aber diese Argumentation nur von solchen kann anerkannt werden, die eine wirkliche Welt ausserhalb der menschlichen Seele annehmen, nicht aber von einem Idealisten, nach dessen An- sicht die Welt nur in der Seele des Menschen existirt, so will Wolff auch diese Anschauung berücksichtigen und auch für einen Idealisten nachweisen, dass unsere Seele nicht das nothwendige, selbstständige Wesen sein könne. Wenn die Welt nur durch die Gedanken der Seele, also nicht wirklich existirte, so wäre es wohl wahr, dass der Grund, warum die Seele diese und nicht eine andere Welt sich vorstellt, im Wesen der Seele zu suchen sei. Dass sie nun aber diese und nicht andere Vorstellungen, und zwar in dieser und nicht in anderer Ordnung hervorbringt, hat seinen Grund darin, dass die Kraft der Seele es nicht anders mit sich bringt. Da es aber doch sicherlich noch andere Welten geben könnte, welche sich ebensowohl vorstellen liessen wie diese, ja, da sogar unsere Seele sich das eine oder das andere davon vorstellt, so sind auch noch andere Arten von Seelen möglich. Es müsste demnach einen zureichenden Grund geben, warum gerade diese und nicht andere Seelen vorhanden sind. Dieser zureichende Grund ist aber nicht in den Seelen selbst zu finden; er muss also in etwas anderem, das von der Seele unterschieden ist, gefunden werden. Da nun aber das selbstständige Wesen den Grund, warum es existirt, in sich selbst und nicht ausser sich haben muss, so kann die Seele dieses Wesen nicht sein. Endlich, meint Wolff, könne man auch leicht einen Egoisten, d. h. einen solchen Menschen, der sich selbst für das einzige wirkliche Wesen hält, des Irrthums überführen. Denn da er sich mehr menschliche Leiber vor- stelle als seinen eignen und anerkennen müsse, dass seine Vorstellungen vielfach durch sein leib- liches Sein bestimmt und beeinflusst würden, so könne er nicht läugnen, dass auch Seelen mõög- lich seien, die sich die Welt nach dem Zustande der übrigen Leiber vorstellten. Und da er bei