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den übrigen alles antreffe, was er in sich finde, so habe er gar keinen Grund mehr ihre Existenz zu läugnen.— Hiermit glaubt Wolff endgültig erwiesen zu haben, dass das selbstständige Wesen sowohl von der Welt als auch von unserer Seele verschieden, dass also in ihm der Grund zu der Existenz beider zu suchen sei; und dieses selbstständig existirende, von Seele und Welt unter- schiedene Wesen nenne man Gott. Also,— schliesst er seine Argumentation,— existire ein Gott. Zu den erbittertsten Gegnern Wolff's und der Wolff'schen Philosophie gehört der der pie- tistischen Schule angehörige Theologe Joachim Lange(1670— 1744), welcher gegen Wolff die Anklage auf Atheismus und Spinozismus erhebt und nachzuweisen sucht*), dsss es Wolff mit seinem aus der Contingenz aller Dinge hergenommenen Argumente vom Dasein Gottes weder recht ernst sei, noch dass er nach seinem Systeme überhaupt einen solchen Beweis von gründlicher Ueberzeugungsfähigkeit zu führen vermöge, da Wolff die Welt selbst für ewig halte, also sie nicht für zufällig erklären könne. Dagegen findet er selbst in mehreren andren, von Wolff an- gefochtenen Argumenten**) eine grössere Beweiskraft als in dem Wolff'schen. So reproducirt er zuerst den teleologischen oder physico-theologischen Beweis in drei Formen, und zwar erstens, indem er sagt, dass in der Welt ein ordo physico-mechanicus vorhanden sei, dessen Einrichtung von der höchsten Vernunft, Weisheit und Allmacht zeuge, der aber doch auch möglicherweise und ohne Widerspruch anders hätte sein können: eine Ordnung also, die nicht nothwendig, son- dern zufällig sei und darum unmöglich von sich selbst sein könne. Da nun aber eine solche Ordnung eine höchst verständige, weise, allmächtige und freie Ursache voraussetze, so müsse diese, d. h. Gott, existiren.— Zweitens schliesst er von dem im höchsten Grade künstlichen und weisen Weltbau auf den weisen, freien und allmächtigen Baumeister, Gott.— Drittens endlich ist ihm die weise Einrichtung, nach welcher die Natur der Dinge in der Welt zu den Wirkungen, die von ihnen ausgehen sollen, oder dem Zwecke, dem sie dienen sollen, auf's Genauste und Beste passt, ein weiterer Beweisgrund für Gottes Dasein. Denn, sagt er, diese überaus weise Einrich- tung könne nicht von sich selbst da sein, sondern sie erfordere einen weisen und freien Urheber, der, um die bestimmten Zwecke zu erreichen, den Dingen die bestimmte Natur gegeben habe. Ausser diesen drei teleologischen Beweisen hält Lange auch den kosmologischen aufrecht, wenngleich er die von Wolff demselben gegebene Form verwirft. Er schliesst aus der Thatsache, dass die Welt und das menschliche Geschlecht einen Anfang haben müssten, auf das Dasein Gottes als ihres Urhebers.— Endlich gründet er noch auf das Zeugniss des menschlichen Ge- wissens den Schluss, dass Gott als ein Vergelter des Guten und Rächer des Bösen existire. Selbst Voltaire(1694— 1778) erscheint als ein solcher, der mehrfache Versuche anstellt das Dasein Gottes zu beweisen. So meint er***), dass die vernünftige Ordnung in der ganzen Natur auf eine Endursache derselben hinführe. Zwar erkennt er an, dass gerade dieses, das teleo- logische Argument, keine mathematische Gewissheit vom Dasein Gottes herbeiführen könne, viel- mehr sei es nur ein Wahrscheinlichkeitsbeweis, der †) überdies noch an dem Mangel leide, dass er nur einen Weltordner, nicht einen Schöpfer der Materie wahrscheinlich mache. Zudem lasse
*) Lange, Bescheidene und ausführliche Entdeckung der falschen und schädlichen Philosophie in dem Wolffianischen Systemate metaphysico etc. Halle 1724. 3. Section, 4. und 5. Satz, pag. 279— 288. **) 3. Section, 3. Satz, pag. 261— 274. **) Volt., Dictionnaire philosophique: Dieu, Dieux. Tome XVII, pag. 268 in den Oeuvres complètes de Vol- taire, édition de Ch. Lahure et Cie. Paris 1861. †) Traité de métaphysique, chap. II: s'il y a un Dieu; éd. de Lah. Tome XXII, pag. 122.
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