Aufsatz 
Geschichte der Beweise für das Dasein Gottes von Cartesius bis Kant / Albert Krebs
Entstehung
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Thomas von Aquino, Duns Scotus u. a. Kirchenlehrer des Mittelalters stellen eben- falls mannigfache Versuche an, Beweise für das Dasein Gottes theils auf kosmologischem, theils auf physico-theologischem Wege zu liefern.*)

Auch die neuere Philosophie von Cartesius an hat sich sehr eingehend mit der Frage, wie das Dasein Gottes sich beweisen lasse, beschäftigt, und so finden wir die bedeutendsten Phi- losophen des 17. und 18. Jahrhunderts als Vertreter des einen oder des anderen, oft auch meh- rerer von diesen Argumenten.

Renatus Cartesius(1596 1650) sucht auf dreierlei Art das Dasein Gottes zu erweisen. Bekanntlich geht er bei seinem Philosophiren von dem Gedanken aus, dass man zunächst an Allem zweifeln müsse, und dass man nichts als wahr ammehmen dürfe, als was man klar und evident erkannt habe. Als erste absolut sichere Erkenntniss stellt er dann den Satz auf: cogito, ergo sum. Denn gerade die Thatsache, dass man an Allem zweifle, sei ein unumstösslicher Be- weis für die Wahrheit der eignen Existenz, da man, um zweifeln zu können, existiren müsse. Von da ausgehend gelangt er zu seinem ersten Beweise**) für das Dasein Gottes, indem er argu- mentirt: Da ich über Vieles im Zweifel bin, so kann meine Natur nicht absolut vollkommen sein, denn der Zweifel ist doch etwas weniger Vollkommenes als die volle Erkenntniss. Wenn ich nun weiter forsche, so finde ich unter einer Menge von Vorstellungen in mir auch die einer Natur, welche vollkommner ist als die meinige, nämlich die Idee von einem höchsten Gott, einem ewi- gen, unendlichen, allwissenden, allmächtigen Wesen, dem Schöpfer aller Dinge. Da nun dieser Begriff mehr vorgestellte Realität in sich enthält als diejenigen Ideen, durch welche endliche Substanzen vorgestellt werden; da ferner nach der natürlichen Vernunft offenbar in der bewir- kenden Ursache mindestens ebensoviel Realität enthalten sein muss wie in der Wirkung(indem nämlich die bewirkende Ursache der Wirkung doch keine Realität geben kann, die sie selbst nicht besitzt); da endlich die objective Realität dieser Idee eines höchsten Wesens so gross ist, dass ich nicht die Ursache oder besser der Urheber dieser Idee sein kann: so folgt mit Noth- wendigkeit, dass ich nicht allein in der Welt bin, sondern dass noch etwas Anderes existirt, das die Ursache jener Idee ist. Da nun die Idee einer unendlichen Substanz nur aus einer in Wirk- lichkeit unendlichen Substanz hervorgehen kann, so muss Gott nothwendigerweise existiren.

Obgleich nun dies nach der Ansicht des Cartesius ein absolut sicherer Beweis ist, so will er doch der grösseren Deutlichkeit halber noch auf einem etwas anderen Wege zu demselben Re- sultate gelangen, und so entsteht der zweite Beweis.***) Hat er nämlich soeben das Dasein Gottes aus dem Vorhandensein der Gottesidee in uns nachzuweisen versucht, so will er es jetzt ebenfalls a posteriori durch unsre eigne Existenz begründen. Er wirft daher die Frage auf: Wenn Gott nicht existirte, woher liesse sich dann mein Dasein erklären? Entweder müsste ich von mir selbst oder von meinen Eltern oder von irgend welchen andren Wesen herrühren, die weniger vollkom- men wären als Gott; denn es kann nichts Vollkommnerès und nichts ebenso Vollkommnes ge- dacht werden wie er. Gesetzt nun, ich wäre von mir selbst, so hätte ich ebensogut, wie ich

*) Vgl. Alfred Tyszka, Geschichte der Beweise für das Dasein Gottes bis zum 14. Jahrhundert. Ber- lin 1875.

**) Cart., Dissertatio de methodo(zuerst französisch 1637) Amstelod. 1692. pag. 21. Mediitationes de prima philosophia, in quibus Dei existentia et animae humanae a corpore distinctio demonstrantur(zuerst 1641) Amst. 1698. Medit. III. pag. 18 21. Principia philosophiae(zuerst 1644). Amst. 1692. Cap. XVII& XVIII. pag. 5.

*n) Dissert. de meth. pag. 22. Med. III. pag. 22 24. Principia philos. Cap. XX& XXI. pag. 6.