Aufsatz 
Geschichte der Beweise für das Dasein Gottes von Cartesius bis Kant / Albert Krebs
Entstehung
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Geschichte der Beweise für das Dasein Gottes von Cartesius bis Kant.

Fast ebenso alt wie die Philosophie selbst sind auch die Versuche, Beweise für das Dasein Gottes oder von Göttern aufzustellen. Bei den Griechen war es Anaxagoras von Klazomenad, der den physico-theologischen oder teleologischen Beweis insofern vorbereitete, als er in dem rote, dem weltordnenden Geiste, die Kraft findet, die den ungeordneten Stoff in Bewegung bringt und aus dem Chaos die geordnete Welt schafft. Erst Sokrates schliesst nach Xenophons Bericht aus der zweckmässigen Einrichtung der ganzen Natur, besonders des menschlichen Kör- pers, und aus dem geistigen Sein des Menschen auf die Existenz höherer, mit Weisheit begabter Wesen. Aehnlich auch Plato und Aristoteles, bei welchen sich übrigens noch weitere Be- weise für das Dasein Gottes finden, indem jener kosmologisch von der Existenz der Welt und der in derselben befindlichen Dinge auf ein geistiges Wesen als ihren Urheber zurückschliesst, dieser sich gedrungen fühlt einen ersten Beweger anzunehmen, da jeder Uebergang vom Poten- ziellen zum Actuellen durch eine actuelle bewegende Ursache bewirkt werden müsse. Wie daher jedes einzelne gewordene Object auf eine solche actuelle bewegende Ursache zurückführe, so setze die Welt überhaupt einen schlechthin ersten Beweger voraus.

Von den Römern eignete sich Cicero sowohl den physico-theologischen wie auch den kos- mologischen Beweis an, doch will er hauptsächlich e consensu gentium das Dasein göttlicher Wesen nachweisen.

Dass die christlichen Kirchenlehrer ebenfalls sich diesen Beweisen für das Dasein Gottes anschlossen, ist wohl selbstverständlich, und so wurden diese denn immer von Neuem reproducirt so von Minucius Felix, Athanasius, Gregor von Nazianz, Augustinus u. a. bis im 11. Jahrhundert Anselmus, Erzbischof von Canterbury, mit einem neuen Beweise, dem ontologischen, auftrat. Er argumentirt folgendermassen: Wir glauben, dass Gott das denkbar höchste Gut sei. Es existirt also dieses denkbar höchste Gut in unseren Gedanken. Wenn es aber allein in unseren Gedanken existirte, so liesse sich ein noch höheres Gut als dieses denken, nämlich ein solches, welches auch in Wirklichkeit existirte. Da das aber ein Wider- spruch wäre, so muss das denkbar höchste Gut sowohl in unseren Gedanken als auch in Wirk- lichkeit vorhanden sein: d. h. Gott muss existiren.