Aufsatz 
Euricius Cordus. Eine biographische Skizze aus der Reformationszeit
Entstehung
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liebten, in ſolchen Hirtengedichten von ihren eigenen Angelegen⸗ heiten zu reden, über das bisherige Leben des Cordus manche willkommene Andeutungen, denen freilich wegen ihrer Unbeſtimmt⸗ heit und poetiſchen Färbung die Sicherheit einer eigentlichen Quelle abgeht. Meiſt tritt in dieſen Eclogen der Dichter ſelbſt, ſchlecht genug in die Perſon eines Hirten verkleidet, auf, auf den Fluren Marburgs oder Fritzlars oder Erfurts. Die 4. Ecloge iſt dem Preiſe eines Wolthäters Menalkas gewidmet, von dem Hirten Aegon in Simtshauſen, d. i. Cordus. Der Schauplatz iſt das Thal der Edder und zwar wie die Erwähnung des Bür⸗ bergs zeigt, die Umgegend Fritzlars. Menalkas, ſo lautet Aegon's Lob, iſt der einzige Schutz, den die trauernden Muſen noch ha⸗ ben, er allein nimmt ſich der armen Dichter mitleidig an, nährt und pflegt ſie; Aegon ſelbſt hat ſein Leben nur den unzähligen Wolthaten dieſes Mannes zu verdanken;wäre dieſer nicht, heißt es,ſo wäre ich ſelbſt nicht, mein Leben hängt an ihm, wie die Traube an der Rebe. Man könnte das Lobgedicht es iſt von Aegon, der noch als Knabe dargeſtellt wird, auf Bu⸗ chenrinde eingeſchnitten, wo es zwei Hirten finden und leſen für einenbloße poetiſche Studie halten, wenn nicht Cordus ſelbſt in einem ſpätern Epigramme erklärt hätte, daß er unter dem Wolthäter Menalkas eine ganz beſtimmte Perſon, nemlich den Johannes Diderich aus Fritzlar verſtanden habe. Von dieſem Freunde wißen wir nur noch, daß er im Jahre 1521, als in Erfurt die Peſt wütete, unſern Dichter mit ſeiner ganzen Familie mehrere Wochen lang in ſein Haus aufnahm und auf das Gaſtfreundlichſte bewirtete. So ſcheint es außer allem Zwei⸗ fel, daß Cordus in der Zeit zwiſchen dem Frankenberger und Er⸗ furter Aufenthalte ſich in dürftigen Umſtänden befunden und von dem genannten Freunde auf irgend eine Weiſe Wolthaten und

¹) Epigr. ad. Joan. Diderichum V, 300: Rustica propterea fietum te Musa Menalcam Cantat, in hoc verum carmine nomen habes.