Aufsatz 
Euricius Cordus. Eine biographische Skizze aus der Reformationszeit
Entstehung
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Unterſtützung genoßen habe. Die Bediürftigkeit deſſelben kann uns trotz des Wolſtandes der Eltern kaum befremden, wenn wir bedenken, daß ſie den jüngſten Sohn ſchon Jahre lang auf der Schule erhalten, außer ihm aber noch zwölf andere Kinder zu verſorgen hatten. Auch klagen die Eclogen überhaupt über Armut und zu Erfurt erſcheint Cordus gleich von vornherein in dürftigen Um⸗ ſtänden. Die anfängliche Wolhabenheit der Eltern ſcheint mit der Zeit, beſonders ſeit dem Tode der Mutter und der zweiten Heirat des Vaters, zurückgegangen zu ſein; wenigſtens klagt Cor⸗ dus im Jahre 1515 bitter, daß die Stiefmutter, die ſchon ſeit mehreren Jahren in das Haus eingezogen war, das ſauer er⸗ worbene Gut, welches die Mutter ihren Kindern habe aufſparen wollen, vergeude.

Mit dieſer anſcheinenden Dürftigkeit ſteht es in Zuſammen⸗ hang, daß an mehreren Stellen der Hirtengedichte und des Kla⸗ gelieds auf den Tod Wilhelms mit beſonderm Nachdrucke von Hoffnungen die Rede iſt, welche der Dichter an dieſen für ſein Land ſo väterlich beſorgten Fürſten geknüpft zu haben ſcheint. ² Er habe ihm, heißt es in der Threnodie, ſeine Hülfe zugeſagt gehabt, habe ihn, ſo drückt ſich der Hirt der erſten Ecloge aus, in ſeinen Dienſt, an den Hof ziehen wollen, und nun ſeien durch ſeinen Tod alle ſeine Hoffnungen begraben. Daher wendet ſich nun Cordus an des Fürſten Gemahlin Anna mit der inſtändi⸗ gen Bitte, ſich nun ihres Schützlings zu erbarmen, der für ſie und ihren Sohn Philipp Alles zu thun und zu ertragen bereit

¹) Expiat. p. 150: O invisa mihi posthac fugiendaque sedes, Haec postquam nostras bestia perdit opes, Sedula quas multo mater sudore paravit, Et natis voluit quas superesse suis.

²) Die Threnodie iſt ſeines Lobes voll. Beſonders wird ſeine Sorge für die Sicherheit der Landſtraßen gerühmt. Vgl. Rommel, Geſch. v. H. 3 T. S. 166 u. f.