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wißenſchaftlichen Arbeiten unverkennbar abgeprägt hat.“ In des Dichters bäuerlicher Herkunft und Jugendleben wurzelt aber auch ſeine aufrichtige Liebe zum Volke, deſſen Elend er ſpäter ſo wahr und warm geſchildert, und für deſſen Befreiung von dem auf ihm laſtenden Drucke er ſeine Stimme laut und beredt er⸗ hoben hat. Die erſten Eindrücke ſeiner Kindheit ſchildert uns Cordus in manchen reizenden Zügen.„Da, wo die kleine Beſtava mit ih⸗ rem kalten Waßer die unter dem Berge zerſtreuten Hütten be⸗ leckt, kroch ich als Kind auf allen Vieren und lief durch die Wieſen.“ Er hütete oft die Herden ſeines Vaters auf den Fluren Simtshauſens. Der räuberiſchen Wölfe, welche die heimiſchen Felder beſchlichen, erinnerte er ſich noch in ſpäterer Zeit; in einem Gedichte, welches eine mitten im Winter von Erfurt nach Simtshauſen unternommene Fußwanderung beſchreibt, heißt es an der Stelle, wo der Dichter die heulenden Wölfe um Scho⸗ nung ſeines Lebens anfleht: Bin ich ja Landesgeſell und nicht fremdländiſcher Feind euch, Habe die gleichen Gefild' mit euch bewohnet als Kind,
Habe mit Kindesgekreiſch erfüllet euere Ohren, Und auch euere Stimm' war mir ein kenntlicher Laut.
Damals truget ihr mir, die heimiſchen Fluren beſchleichend, Fort mit mordendem Zahn manchmal ein friedliches Schaf.
Nicht verfolgte ich euch dann wutentbrannt mit dem Knüttel, Sondern die Hunde gehetzt, euch ein verhaßtes Geſchlecht.
Wißt noch, wie ich euch nährte durch manch mir geſtohlenes Gänslein, Wenn zur Weide hinaus ich mit der Gerte ſie trieb. 2
Seiner Eltern gedenken die Gedichte an verſchiedenen Stellen mit Liebe. Wie ſehr er beſonders an der frühe verſtorbenen Mutter hieng, zeigt das ſchöͤne Bild, welches er von derſelben entwirft:
Welche ohne Gebrechen die alten Sitten der Väter
Lebte und mühvolle Tag', ſchlichten und frommen Gemüts.
⁴) Naturſchilderungen in ſeinen Gedichten, Vorliebe für botaniſche Studien. ²) Expiator. p. 148.


