Aufsatz 
Euricius Cordus. Eine biographische Skizze aus der Reformationszeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Name Heinrich Eberwein iſt aus der Erfurter Univerſitäts⸗Ma⸗ trikel entnommen, in welche er ſich im Jahre 1515 eingetragen findet. Eine ſchon ziemlich alte Hand hat daſelbſt angemerkt, daß unter dieſem Namen Euricius Cordus zu verſtehen ſei; allein mit Unrecht. Denn abgeſehn davon, daß Cordus ſchon lange vor 1515 in Erfurt lebte, ſo wird Heinrich Eberwein(Everbinus) in Briefen aus jener Zeit als eine von Cordus ganz verſchiedene Perſon genannt, ja dieſer ſelbſt richtet mehrere Epigramme an denſelben. Weil Eberwein aus Frankenberg ſtammte, Cordus daſelbſt ſeine Schulbildung erhalten hatte, und die damaligen Dichter ſtatt eines unbekannten Fleckens oft eine benachbarte Stadt, deren Schule ſie beſucht hatten, als ihre Vaterſtadt zu nennen pflegten, ſo konnte jener Irrtum leicht entſtehen, wel⸗ cher nur wieder beweiſt, daß von dem urſprünglichen Namen des Cordus ſchon in ſehr früher Zeit nichts mehr bekannt war. Die erſten Jugendjahre floßen dem Bauernkinde in dem ein⸗ förmigen, ſtillen Gange eines behäbigen Bauernlebens dahin. Der enge Umgang mit der Natur, wie ihn das Landleben mit ſich bringt, weckte ſchon in dem Knaben ein lebendiges Naturge⸗ fühl, das dem Jüngling und Manne in dem geräuſch⸗ und ſor⸗ genvollen Stadtleben der ſpätern Jahre die Quelle mancher rei⸗ nen Freude geworden iſt und ſich in ſeinen dichteriſchen und

et fam. Marb. 1543, p. 29: Euricius Urbanus Joh. Draconi. Auch andere Freunde des Cordus, wie Heinrich Eberbach, nennen ſich bisweilen Euricius. Die Epigramme des Cordus ad Sturcium IV, 292 und ad Siderandrum XIII, 513, auf welche ſich Kahler beruft, beweiſen eher das Gegenteil von dem, was ſie ſollen.

¹) Von Erhard in Erſch und Gruber, Eneyelop. unter Cordus, Nachtrag. Schon von Kampſchulte, Geſch. d. Univ. Erf. 1 T. S. 162 Anm. 1 wi⸗ derlegt. Everbinus Francobergius erwähnt in ep. Mutiani ad Menium in lib. alter epp. Eob. J 7. Epigramme des Cordus an ihn VI, 343; X, 459.

²) So nennt ſich Eoban oft Francobergius, obwol er von Bockendorſ ſtammt.